Kirchenchor und Kantor in Mönchengladbach St. Helena feiert gleich zwei Jubiläen

Mönchengladbach · Ein Festwochenende mit Gottesdienst und Konzert liegt hinter Rheindahlen: Der Kirchenchor St. Helena feierte 200-jähriges Bestehen und Reinhold Richter 40 Jahre als Kantor.

 Zum Jubiläum des Kirchenchors St. Helena ist eine Festmesse abgehalten worden.

Zum Jubiläum des Kirchenchors St. Helena ist eine Festmesse abgehalten worden.

Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)

Er hat vielen verschiedenen gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Veränderungen getrotzt, hat die Kriege überstanden und auch die Corona-Pandemie überlebt: Der Kirchenchor St. Helena Rheindahlen ist jetzt 200 Jahre alt. Am Samstag wurde das Jubiläum in einem festlich gestalteten Gottesdienst gefeiert. Und gleichzeitig wurde ein zweites Jubiläum zelebriert: Reinhold Richter ist seit nunmehr 40 Jahren Kantor an St. Helena. Mit langjährigen musikalischen Weggefährten gab Richter daher am Sonntag noch ein Konzert.

Den Festgottesdienst in einer gut gefüllten Kirche – unter den Besuchern waren auch politische Vertreter wie Oberbürgermeister Felix Heinrichs oder der Landtagsabgeordnete Jochen Klenner (CDU) – standen der Rheindahlener Pfarrer Harald Josephs, der Theologe Albert Gerhards und der evangelische Pfarrer i.R. Hans-Ulrich Rosocha gemeinsam vor.

Albert Gerhards, der junger Kaplan in St. Helena war, als Reinhold Richter seine Zeit als Kantor begann, erinnerte an die gemeinsamen Jahre mit Richter. Hans-Ulrich Rosocha betonte in seiner Predigt die hohe Bedeutung des musikalischen Gotteslobes für den christlichen Glauben: „Es ist doch einfach ganz wunderbar, dass die Menschen über so lange Zeit mit ihren Stimmen Gott gelobt haben.“ Die Menschen hätten dem Krieg, den Bomben, den persönlichen Schicksalen, Elend und Armut getrotzt. „Die Musik eröffnet den Zugang zur Transzendenz, wir empfinden, dass es noch etwas anderes gibt als unsere immanente Welt“, so Rosocha. Der etwa 20-köpfige Chor erfüllte den Kirchenraum stimmgewaltig und in großer Harmonie. Mühelos erreichte er die Ohren und Herzen der Besucher mit den Messgesängen und bekräftigte, was Rosocha in seiner Ansprache dargelegt hatte. Als musikalisch Mitwirkende dabei waren zudem die Organisten Willi und Karl Hütz an der Seifert-Orgel, eine Bläsergruppe des Musikvereins Erkelenz und Jochen Büttner an der Pauke. Die Leitung hatte Reinhold Richter.

Seit 40 Jahren wirkt der Musiker an St. Helena. Rosocha nannte ihn in seiner Predigt einen begnadeten Kantor, der den Chor zu einem Klangkörper geformt habe. Regelmäßig wurden mit dem Chor und oft mit einem Orchester an hohen Festtagen Messen gesungen von Komponisten wie Mozart, Schubert und Hayden. Aber auch Werke wie die Missa Brevis von Jacob de Haan oder eine Jazzmesse kamen zur Aufführung.

  Vor dem Konzert in St. Helena (v.l.): Anette Maiburg, Johanna Brinkmann, Udo Witt, Reinhold Richter, Jochen Büttner, Stefanie Kunschke, Albert Hametoff.

Vor dem Konzert in St. Helena (v.l.): Anette Maiburg, Johanna Brinkmann, Udo Witt, Reinhold Richter, Jochen Büttner, Stefanie Kunschke, Albert Hametoff.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

In seinen Anfängen war der Chor, wie zu dieser Zeit üblich, eine reine Männerangelegenheit. Seit dem frühen 20. Jahrhundert stellte er sich als gemischter Chor vor. Pastor Harald Josephs hat sich für einen Bericht in der Chronik umgesehen, in der noch Laufzettel für den Kirchenchor vom Osterfest 1929 zu finden sind. So weiß man, was gesungen wurde. Doch leider, so schreibt er, bleiben die Namen der Mitglieder unbekannt. Und er erwähnt das 2. Vatikanische Konzil der 1960er Jahre, in dessen Folge sich die Liturgie mitsamt der Musik wandelte. Das habe dem Chorgeschehen Schwung gegeben. Doch ein Chor ist ohne seinen Leiter nichts. Und der ist der Kantor Reinhold Richter.

Richter wurde 1956 in der Lüneburger Heide geboren. Er studierte Kirchenmusik in Aachen sowie das Orgelspiel in Brüssel. Er ist nicht nur Kantor an St. Helena und musikalischer Leiter des Cornelius-Burgh-Chores in Erkelenz sowie von 1987 bis 2007 Dozent für künstlerisches Orgelspiel und Orgelliteraturkunde an der Katholischen Hochschule für Kirchenmusik St. Gregorius in Aachen. Er war von 1992 bis 2005 auch Organisator und Leiter der „Internationalen Woche für Gesang, Orgel und Gregorianik – Kloster Steinfeld“. Mit seinen zahlreichen Veranstaltungen hat er das musikalische Gesicht der Pfarrgemeinde geprägt.

In einem Bericht des Stadt- und Landboten betonen die Mitglieder des Chors, Männer und Frauen, jung und alt, die Freude, die ihnen das Singen macht. Es wirke gegen Müdigkeit und schlechte Stimmung. Und es stelle auch mal Herausforderungen dar, die angenommen und geschafft werden. Seine Aufgabe als Chorleiter hat Richter in einem Interview so beschrieben: „Er muss vermitteln und zusammenführen, denn letztlich ist es ein gemeinsames Musizieren.“

Und das gemeinsame Musizieren kann der Kantor. Am Sonntagnachmittag spielte Reinhold Richter mit Stefanie Kunschke, Anette Maiburg, Johanna Brinkmann, Albert Hametoff, Jochen Büttner und Udo Witt als „Richter & Friends“ in St. Helena. Auf dem Programm standen Werke von Händel, Büttner, Veracini, Josef Blanco, Richard Strauss, Richard Bartmuss und Louis-James-Alfred Leféfure-Wély.

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