Mönchengladbach : Ausstellung von Michael Triegel: Luther und das tote Vögelchen

Nein, es ist noch nicht alles gesagt zu Luther und der Reformation, auch wenn im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Veranstaltungen den Reformator und seine Wirkung beleuchteten. Die Ausstellung der elf kleinformatigen Bilder, die der Leipziger Künstler Michael Triegel zu Luthers Tischreden geschaffen hat, erweitert das Spektrum noch einmal eindrucksvoll.

Der Ökumenekreis der Innenstadtgemeinden hatte die Bilder auf einer Fahrt nach Worms entdeckt und die Ausstellung nach Mönchengladbach geholt. Noch bis 31. Oktober ist sie im Elisabethsaal der Propstei zu sehen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem beeindruckenden Rahmenprogramm, das sich der Thematik auf unterschiedlichste Weise nähert. Die Ausstellung wurde mit einer Vernissage im Münster eröffnet. Überraschend war auch Michael Triegel selbst zur Eröffnung gekommen. Daher konnten sich die Besucher nicht nur von Kunsthistoriker und Triegel-Kenner Richard Hüttel in das Werk des Künstlers einführen lassen. Sie konnten auch mit Michael Triegel, von dem das Papstporträt Benedikts XVI stammt, auch über sein Verhältnis zu Martin Luther, den leeren Himmel der Aufklärung und seine detailreiche Art des Arbeitens sprechen. Ihm sei der Reformator vor allem als Suchender nahe gekommen, sagte der Künstler, dessen Bilder in ihrer Ausdrucksweise an große Renaissancemaler wie Dürer erinnern. Die Trauer Luthers um seine geliebte Tochter bildet Triegel durch ein totes Vogelküken ab, hinter dem eine Kinderzeichnung von der Auferstehung Christi zu sehen ist. Will er damit sagen, dass der Glaube an die Auferstehung naiver Kinderglaube ist, über den die Erwachsenen lächeln? „Vielleicht haben Kinder auch einen direkteren spirituellen Zugang“, sagt der Maler, der in der atheistischen DDR aufgewachsen, vor einigen Jahren aber in die katholische Kirche eingetreten ist. Für seine so detailreiche Kunst nutzt er gern Vorlagen aus der Natur. Das tote Vogeljunge auf dem Bild ist ein Krähenküken. „Das hat der Hund hereingeschleppt“, erklärt Triegel.

Zum Rahmenprogramm gehörte auch eine Lesung aus Luthers Tischreden, mit der die Schauspieler Michael Ophelders und Jenni Weidner. . Eindrucksvoll musikalisch begleitet wurde die Lesung in der Krypta des Münsters durch Kirchenmusikerin Suin Chen-Haurenherm und ihre Tochter Nadia.

Am Samstag, 20. Oktober, sind um 12 Uhr in der Citykirche Luther-Lieder zu hören. Am Montag, 29. Oktober, werden im Elisabethsaal Luther-Happen gereicht (Anmeldung bis 19. Oktober unter 02161 462330). Die Ausstellung endet mit einem Agapemahl im Anschluss an den Gottesdienst zum Reformationstag am 31. Oktober um 18 Uhr auf dem Kapuzinerplatz. Bis dahin kann sie samstags von 13 bis 14 Uhr und von 19.15 bis 20 Uhr, sonntags von 12.15 bis 13 Uhr besucht werden.