Mönchengladbach: Die Riege der Nobelpreisträger

Mönchengladbach: Die Riege der Nobelpreisträger

Mit dem Finnen Martti Ahtisaari kommt am Samstag bereits der 18. Nobelpreisträger seit 2004 in die Stadt – eine in Deutschland einzigartige Veranstaltungsreihe. Für den Auftritt in der Kaiser-Friedrich-Halle gibt es noch Karten.

Ja, die Liste ist mittlerweile lang – aber vor allem ist sie ruhmreich. So ruhmreich, dass wohl jede andere Stadt in Deutschland, inklusive der ganz großen und wichtigen, noch immer mit einer Mischung aus Verwunderung und Anerkennung auf Mönchengladbach blickt, wenn der Initiativkreis wieder einmal die Namen derjenigen Persönlichkeiten veröffentlicht, die demnächst in der Vitusstadt zu Gast sein werden. Der Dalai Lama war da, Michail Gorbatschow, Kofi Annan und Lech Walesa ebenfalls – und das sind nur die Bekanntesten der Bekannten. Insgesamt 17 Nobelpreisträger hat der Zusammenschluss von anfangs 14 und heute 27 Unternehmen bereits nach Gladbach gebracht. Nummer 18 wird am Samstag, 10. März, der frühere finnische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari. "Es sind noch Karten verfügbar", sagt Petra Riederer-Sitte von der Marketinggesellschaft MGMG. Sie kosten im Vorverkauf 20 Euro, auch an der Abendkasse dürfte es noch einige geben.

Nummer 9: Chemienobelpreisträger Robert Huber Foto: Nico Hertgen

Die Reihe "Nobelpreisträger in Mönchengladbach" ist eng gekoppelt an das moderne Stadtmarketing, das im Oktober 2002 mit der Gründung der MGMG ins Leben gerufen wurde. Den Auftakt machte, sieben Monate später und nur zwei Monate nach Gründung des Initiativkreises, am 4. Mai 2003 der Medizinnobelpreisträger Günter Blobel. Als "stillen Star mit großer Strahlkraft" kündigte MGMG-Geschäftsführer Peter Schlipköter den Zellbiologen seinerzeit an, und schon damals begann auch die Tradition, renommierte Moderatoren für die Vorträge zu gewinnen: Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar war es, der vor 200 Gästen im Haus Erholung nicht nur wissenschaftliche Fakten aus Blobel herauskitzelte, sondern mit ihm auch darüber plauderte, dass der Forscher das Preisgeld für seinen Nobelpreis von 1999 für den Wiederaufbau der Frauenkirche und der Synagoge in Dresden zur Verfügung stellte.

Nummer 3: Friedensnobelpreisträger Frederik Willem de Klerk Foto: KN

Noch im November 2003 konnte der Initiativkreis einen zweiten Nobelpreisträger begrüßen: Lech Walesa, als Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarnosc ein tapferer Recke im Kampf gegen den Kommunismus, früherer polnischer Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1983, sprach im Theater vor 700 Gästen. Als Überraschungsgast sang Robin Gibb, die Stimme der "Bee Gees". ARD-Hauptstadtkorrespondent Werner Sonne moderierte. Es folgten:

Nummer 8: Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow Foto: ap

8. Mai 2004, Kunstwerk Wickrath (600 Gäste). Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1993, Frederik Willem de Klerk, ehemaliger Staatspräsident Südafrikas, referierte über das Ende der Apartheid und die Entwicklung in seinem Heimatland. Es moderierte der ZDF-Journalist und heutige Regierungssprecher Steffen Seibert.

7. November 2004, Haus Erholung (250 Gäste). Oscar Arias Sánchez, Ex-Präsident von Costa Rica und Friedensnobelpreisträger im Jahr 1987, sprach über seine Friedensvisionen. Die damalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn würdigte den "Friedensprofessor", Journalist Heiko Engelkes moderierte.

13. November 2005, Haus Erholung (250 Gäste). Vor dem von TV-Moderatorin Nina Ruge geleiteten Vortragsabend hielt der Schweizer Chemienobelpreisträger des Jahres 1991, Richard R. Ernst, eine Unterrichtsstunde für 69 Schüler in Haus Erholung ab.

3. Februar 2006, Kunstwerk Wickrath (540 Gäste). Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1994, Shimon Peres, ehemaliger israelischer Ministerpräsident, referierte über internationalen Wettbewerb und Terrorismus. Den Abend moderierte WDR-Korrespondent Manfred Erdenberger.

10. November 2006, Haus Erholung (300 Gäste). Der Physiknobelpreisträger des Jahres 2005, Theodor W. Hänsch, sprach erst vor 120 Schülern zum Thema "Was wird Licht", am Abend moderierte Journalist Martin Lohmann.

28. Juni 2007, Kaiser-Friedrich-Halle (900 Gäste). Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1990, Michail Gorbatschow, ehemaliger sowjetischer Präsident, spann in seinem Vortrag den historischen Bogen von Oktoberrevolution, Zweitem Weltkrieg und Perestroika zum Russland unter Putin. Es moderierte wiederum Steffen Seibert.

17. Oktober 2007, Haus Erholung (270 Schüler als Gäste). Mal ein Besuch der anderen Art: Der Chemienobelpreisträger des Jahres 1988, Robert Huber, sprach zu Schülern der Oberstufe über "Proteine und ihre Strukturen".

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17. Mai 2008, Halle 6 des Flughafens (2500 Gäste). Seine Heiligkeit, der XIV. Dalai Lama, Friedensnobelpreisträger des Jahres 1989, sprach zum Thema "Kein Frieden ohne Menschenrechte – Die Grundlagen der modernen Gesellschaft". Im Publikum waren viele Honoratioren aus Politik und öffentlichem Leben, es moderierte Steffen Seibert.

5. November 2008, Kaiser-Friedrich-Halle (170 Schüler unter den Gästen). Der Physiknobelpreisträger des Jahres 2007, Peter Grünberg, referierte über seine Entdeckung des Riesenmagnet-Widerstandseffekts, der in allen gängigen Computer-Festplatten genutzt wird. Es moderierte erneut Ranga Yogeshwar.

28. Februar 2009, Kaiser-Friedrich-Halle (800 Gäste). Mit der Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003, Shirin Ebadi, iranische Menschenrechtlerin und Anwältin, ist erstmals eine Frau zu Gast. Der damalige NRW-Familienminister Armin Laschet staunte: "Ich kenne keine Stadt in NRW, wo schon so viele Nobelpreisträger waren." Journalist Gero von Boehm moderierte.

17. November 2009, Kaiser-Friedrich-Halle (700 Gäste). Der Medizinnobelpreisträger aus dem Jahr 2008, Harald zur Hausen, referierte darüber, dass neben Viren und Bakterien auch Parasiten Krebs auslösen. Es moderierte Sabine Christiansen.

4. Juni 2010, Kaiser-Friedrich-Halle (900 Gäste). Der Friedensnobelpreisträger von 2001 und frühere Uno-Generalsekretär, Kofi Annan, unternahm in seinem Vortrag einen Parforceritt durch die Politik. Journalist Peter Voß moderierte.

19. November 2010, Kaiser-Friedrich-Halle (650 Gäste). Der Chemienobelpreisträger 2009, Venki Ramakrishnan, sprach mit viel Witz und Verve über seine Arbeit zu Zellstrukturen. Es moderierte zum dritten Mal Ranga Yogeshwar.

20. September 2011, Kaiser-Friedrich-Halle. Der Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2010, Christopher Pissarides, sprach über den Arbeitsmarkt. Es moderierte Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers.

21. November 2011, Kaiser-Friedrich-Halle. Wie noch kein Besucher vor ihm prägte der "Banker der Armen", Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus, die Stadt: Der Friedensnobelpreisträger von 2006 verbrachte den ganzen Tag in Gladbach, besuchte Schulen und nahm an einem von ihm initiierten Social-Business-Forum teil. Den Vortrag am Abend moderierte TV-Wirtschaftsjournalistin Carola Ferstl.

Nummer 18 in der Reihe wird nun also Martti Ahtisaari. Am 10. März spricht er ab 20 Uhr in der KFH. Im Herbst soll die aktuelle Trägerin des Friedensnobelpreises, die liberische Bürgerrechtlerin und Politikerin Leymah Gbowee, folgen. Und eines ist bereits jetzt sicher: Auch die Nummer 20 wird ein großer Name sein. Im Gespräch sind schon seit längerem etwa der frühere US-Vizepräsident und Umweltschützer Al Gore (Friedensnobelpreisträger 2007) sowie Mohammed El Baradei, Ex-Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation und Friedensnobelpreisträger 2005. Und auch in seinen weiteren Reihen, nicht zuletzt die "Pioniere der Welt", setzt der Initiativkreis sein Engagement fort: Nach illustren Gästen wie Reinhold Messner kommt am 6. Juni Affenforscherin Jane Goodall in die Stadt.

(RP)
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