Mönchengladbach Prozess: Mordversuch im Obdachlosenheim

Mönchengladbach · Seit gestern sitzt der Mönchengladbacher (22) vor der 7. Strafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank. Mordversuch aus Heimtücke und gefährliche Körperverletzung wirft die Staatsanwältin dem 22-Jährigen vor. Am 12. September 2011 soll der Arbeitslose in seinem Zimmer in einem Mönchengladbacher Obdachlosenheim Feuer gelegt und seine schlafenden Mitbewohner in Lebensgefahr gebracht haben.

Nach anfänglichem Zögern war der 22-Jährige gestern bereit, seinen persönlichen und familiären Hintergrund zu schildern. Nach der Grundschule besuchte der Angeklagte eine Gesamtschule. Zunächst sei er ein ganz normaler Schüler gewesen. "Aber dann habe ich alles vermasselt, zu viel Drogen, die Gesamtschule verließ ich nach zehn Jahren ohne Abschluss", gab der Gladbacher ohne weiteres zu. Zuletzt sei er nicht mehr zur Schule gegangen und "habe nichts mehr auf die Reihe gekriegt", so der Angeklagte. Er habe gekifft, aber auch chemische Drogen wie Ecstasy und Pep konsumiert. "Dann bin ich abgestürzt, wurde obdachlos", erklärte er niedergeschlagen. Zeitweise lebte er bei Vater oder Mutter, den geschiedenen Eltern. Aber nirgendwo klappte es. Offen gab er zu, Wohnungen demoliert und verwahrlost hinterlassen zu haben. In der Psychiatrie sprachen die Ärzte von einer Persönlichkeitsstörung des jungen Mannes. "Ich hatte Halluzinationen", erinnerte er sich im Gerichtssaal. Zuletzt sei er in dem Obdachlosenheim gelandet, in dem er laut Anklage zum Brandstifter wurde. Im Ermittlungsverfahren hatte der 22-Jährige die Brandstiftung zugegeben. Gestern wollte er zum Tatvorwurf noch keine Aussage machen. "Am nächsten Verhandlungstag werde ich wahrscheinlich zur Sache aussagen", erklärte der Angeklagte sinngemäß und enttäuschte die Prozessbeteiligten und die Zuschauer.

Tatsächlich soll er am 12. September in den frühen Morgenstunden mehrere Decken in seinen Kleiderschrank gelegt und sie dann mit einem Feuerzeug angezündet haben. Danach soll er das Haus verlassen haben. Die Decken, der Schrank und Teile der Zimmerwände fingen Feuer. Deshalb wirft die Staatsanwaltschaft dem Zündler vor, damit den Tod von vier noch schlafenden Mitbewohnern billigend in Kauf genommen zu haben. Glücklicherweise konnten die Mitbewohner über eine Rettungsleiter gerettet werden, weil ein Mann erwachte und die Feuerwehr verständigte. Durch die Rauchentwicklung erlitt eine Nachbarin eine Rauchvergiftung. Im Gerichtssaal wurde gestern bekannt, dass der Angeklagte bereits wegen fahrlässiger Brandstiftung und Diebstahls vorbelastet ist.

(RP)
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