Mönchengladbach: Kölner greifen Gladbacher Fanbus an

Mönchengladbach: Kölner greifen Gladbacher Fanbus an

Die Gewalt unter Fußballfans nimmt weiter zu: Am Sonntagabend haben Kölner Hooligans einen Reisebus mit 50 Anhängern von Borussia Mönchengladbach auf einem Rastplatz mit Schlagstöcken und Pflastersteinen angegriffen. Zuvor hatten sie den Bus von der Straße gedrängt.

Es ist kurz nach 23.30 Uhr am Sonntagabend, als vor der Autobahn-Raststätte Siegburg-Ost plötzlich mehrere Autos einen mit 50 Gladbach-Fans besetzten Reisebus ausbremsen, ihn von der Fahrbahn drängen und zum Abfahren zwingen. Als der Bus auf dem Parkplatz stoppt, steigen neben ihm vermummte Männer mit schwarzen Kapuzen aus ihren Fahrzeugen.

Mit Schlagstöcken gehen sie auf den Bus los und bewerfen ihn mit Pflastersteinen. Scheiben gehen zu Bruch. Der Busfahrer tritt aufs Gaspedal. Den Anhängern des Fußballbundesligisten Borussia Mönchengladbach gelingt die Flucht. Sie bleiben unverletzt. "Viele stehen aber noch unter Schock", sagt Matthias Neumann, Vorsitzender des Fanprojekts der Borussia. Er selbst war nicht an Bord des Busses.

Die Polizei bestätigte den Vorfall gestern. Es habe massive Übergriffe gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Bei den Angreifern soll es sich um gewaltbereite Hooligans des 1. FC Köln gehandelt haben, die unter anderem mit rot-weiß bemalten Steinen (Vereinsfarben) auf den Bus warfen, was Beobachter als lang geplante Tat werten. Die Beamten konnten nach der Attacke in der Nähe der Raststätte einen Kleinbus mit neun FC-Anhängern stoppen und die Personalien der Insassen aufnehmen. Nach weiteren Hooligans, die an dem Übergriff beteiligt waren, wird noch gefahndet. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung, Nötigung, Landfriedensbruch und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Bei den angegriffenen Borussia-Anhängern handelte es sich nach Angaben des Fanprojekt-Vorsitzenden Matthias Neumann um "ganz normale, nicht gewaltbereite Fans", unter denen auch Familien mit Kindern gewesen sein könnten. Sie befanden sich am Sonntagabend auf der Rückreise vom Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg, das 0:1 verloren gegangen war. "Einen solchen brutalen Überfall auf unsere Fans habe ich noch nie erlebt", sagt Neumann. "Ich verurteile die Tat aufs Schärfste und hoffe, dass so etwas Kriminelles in Zukunft nie wieder vorkommt."

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Die Gladbacher hatten auf ihrer Heimfahrt vor dem Übergriff an der Raststätte Montabaur an der A 3 in einem Schnellrestaurant gegessen. Dort sollen sie laut Polizei das erste Mal auf die Kölner Hooligans getroffen sein, die sich ihrerseits auf der Rückfahrt von einem Auswärtsspiel des 1. FC Köln in Hoffenheim (1:1) befanden. Zu Übergriffen ist es dort jedoch noch nicht gekommen. Als die Gladbacher weiterfuhren, verfolgten die Kölner in mehreren Fahrzeugen den Bus bis ins 70 Kilometer entfernte Siegburg, wo sie ihn schließlich auf die Raststätte abdrängten und angriffen. Der genötigte Busfahrer musste ab Bad Honnef zuvor bereits mehrfach auf den Seitenstreifen ausweichen.

Am Bus entstand ein Totalschaden in Höhe von geschätzten 30 000 Euro. "Das hat mit Fußball und Rivalität unter Fans nichts mehr zu tun", sagt der betroffene Busunternehmer. "Seit Jahren bieten wir Fahrten für die Gladbacher Fans zu Auswärtsspielen an. Aber an einen solchen Fall kann ich mich nicht erinnern", sagt er. Der 1. FC Köln hat sich gestern offiziell bei Borussia Mönchengladbach für das Verhalten der gewaltbereiten FC-Anhänger entschuldigt.

Den Tätern droht neben strafrechtlichen Konsequenzen ein dreijähriges bundesweites Stadionverbot. Sollten sich unter den Tatverdächtigen auch FC-Mitglieder befinden, wird ein Vereinsausschlussverfahren eingeleitet. Borussias Fanbeauftragte haben die Anhänger des Vereins aufgefordert, besonnen zu reagieren und die Borussia weiterhin friedlich und leidenschaftlich zu unterstützen und nicht auf Provokationen der Kölner einzugehen.

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagierte gestern umgehend auf die gewalttätigen Vorkommnisse und terminierte das Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am 31. Spieltag tagsüber auf einen Sonntag (15. April, 15.30 Uhr) statt auf einen Freitag- oder Samstagabend. Beim Rheinischen Derby kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu massiven Gewalttätigkeiten zwischen beiden Fangruppen.

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(RP/ila/sgo)