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Mettmann: Gastronomen gegen kostenlosen Wasserausschank

Weg einer EU-Richtlinie nach Mettmann : Wirte sehen Gratis-Wasser kritisch

Die EU-Idee sieht Gratis-Wasser in Lokalen vor. Mettmanner Gastronomen und Dehoga befürchten Umsatzeinbußen.

Die Europäische Union möchte den Zugang zu Trinkwasser verbessern. Ein neues Gesetz sieht etwa mehr öffentliche Wasserspender vor. Eine weitere Idee aus Brüssel betrifft Gastwirte, sie sollen Trinkwasser kostenlos auf den Tisch stellen. Das nämlich ist in einigen Ländern gängige Praxis, in Frankreich beispielsweise sind Gastronomen verpflichtet, Gratis-Wasser zu servieren, auch in Österreich ist es keine Seltenheit.

In Deutschland steht die Gastronomie dieser Initiative allerdings äußerst zögerlich gegenüber, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, kurz Dehoga, reagierte mit scharfer Kritik. Auch Gastronomen in Mettmann, Erkrath und Wülfrath sind vom EU-Vorschlag nicht gerade begeistert.

In der Brasserie 904 am Evangelischen Krankenhaus Mettmann gibt es zwei Möglichkeiten, wie Hannah Lohmann aus dem EVK-Presseteam erklärt: „Bei den Aktionsmenüs ist das Wasser kostenlos enthalten.“ Bestellt der Gast kein Menü, sondern à la carte, also ein einzelnes Gericht, kann er dazu eine Karaffe Wasser für etwas mehr als zwei Euro bestellen. „Die wird dann immer wieder kostenlos nachgefüllt“, erklärt Hannah Lohmann das Prozedere. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Leitungswasser, sondern um Mineralwasser – entweder mit oder ohne Kohlensäure.

Auch Frank Hamann vom Restaurant Kutscherstuben in Wülfrath mag der EU-Idee nicht bedingungslos folgen. „Ich weiß, dass es in anderen Ländern funktioniert, aber dort herrscht auch eine andere Mentalität.“ Hamann befürchtet, dass hier niemand mehr Mineralwasser bestellt, würde kostenlos Leitungswasser ausgeschenkt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Leute dann den ganzen Abend an einer Flasche Leitungswasser festhalten und nichts anderes mehr bestellen.“ Seine Vermutung hängt mit dem Spar-Wahn vieler Leute zusammen, für die alles „immer so billig wie möglich sein“ muss.

Das sieht Ingo Hopmann vom gleichnamigen Restaurant in Erkrath genauso. „Dann geht ein Gast vielleicht nur mit dem Preis für das Essen nach Hause.“ Und das ist für die Gastronomen fatal, denn bei den Preisen für Essen ist die Gewinnspanne meist minimal. „Manche würden sogar drauflegen, wenn ein Gast nur das Essen bezahlt.“ Das hätte zur Folge, dass die Wirte die Preise für ihr kulinarisches Angebot herauf setzen müssten.

Abgesehen davon verursacht auch Leitungswasser Kosten. „Es muss in eine Karaffe gefüllt werden, es muss serviert werden, die Gläser müssen gespült werden“, zählt Ingo Hopmann einzelne Arbeitsschritte unter anderem aus der Hygienekette auf.

Für seine „Olive“ am Lokschuppen hält er einen kostenlosen Ausschank von Leitungswasser für nicht realisierbar. Anders ist es mit der Kantine, die er parallel betreibt. „Da biete ich Mittagstisch für die Leute, die dort arbeiten“, erzählt er. In einem Schrank stehen Karaffen mit Zitronenwasser und normalem Leitungswasser. „Da können sich die Gäste kostenlos bedienen.“ Dieser Service gilt jedoch nur für den Mittagstisch. „Das ist anders kalkuliert und lässt sich nicht auf ein Restaurant übertragen“, betont Hopmann.

Auch ihm ist bewusst, dass es in anderen Ländern funktioniert, wie in Italien. „Aber dort ist das Wasser extrem billig“, wendet er ein. „Außerdem müssen die Leute dort schon für ihr Gedeck zahlen.“ Und ein wenig ironisch fügt er hinzu: „Es gibt Länder, da würde ich kein Leitungswasser trinken wollen.“ In der Tat ist die Qualität des Leitungswassers in Deutschland herausragend.