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Jubiläum Eisenbahngewerkschaft Leverkusen

Jubiläum der Eisenbahngewerkschaft : „Es tut mir nicht mehr weh“

100 Gäste feierten das 70-jährige Bestehen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft nahe der Neuen Bahnstadt.

70 Jahre voller Hingabe für ihren Beruf, glückseeliger Momente, harter Verhandlungen und einer Gemeinschaft, die so schnell nichts auseinander bringt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Rhein-Wupper-Sieg feiert ihr 70-jähriges Bestehen. Rund 100 Gäste besuchten die Feier unweit des ehemaligen Standorts des einstmals großen Bahngeländes in Opladen.

„Das ist ein ganz besonderes Ereignis und Grund genug, es groß zu feiern“, sagte Kuno Dreschmann, Vorsitzender der Gewerkschaft: Er betonte: „Jeder Einzelne von euch hätte es verdient, namentlich genannt zu werden.“ Ja, der Geist aktueller und vieler ehemaliger Eisenbahner erfüllte das Sängerheim in der Neuen Bahnstadt.

Aus allen Himmelsrichtungen waren sie gekommen, teilweise mit dem Bus nach Leverkusen angereist. In wenigen Stunden war ein verschworener Haufen zusammengekommen, wie viele der Anwesenden Augenzwinkern bestätigten. Das merkte man auch daran, dass sie sich alle untereinander kennen und mögen.

Wenn ein Anlass besteht, setzen viele alle Hebel in Bewegung, um die alten Kollegen wiederzusehen, bis heute sind sie eine Gemeinschaft. Jürgen Pommer würde sogar sagen: „Wir sind irgendwann zu einer Familie geworden.“ Seine Zeit im Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn sei insgesamt eine schöne gewesen. Er ist einer der Eisenbahner, die stolz auf das sind, was sie einmal taten und teilweise auch heute noch tun. „Wir haben zwar nicht viel verdient, aber wie waren trotzdem stolz“, sagte einer von ihnen.

Heute, monierte Pommer, habe sich das verändert. Hielten die Kollegen damals noch wie Pech und Schwefel zusammen, sei das mittlerweile nur noch bedingt so. Schuld daran sei vor allem der Druck, den die Kollegen verspürten. Ausgelöst wurde der wohl durch jahrelanges Missmanagement seitens der Obrigen. „1994 hatten wir 40 Million Mark Schulden, heute sind es 20“, bekräftigte EVG-Regionsvorsitzender Dreschmann. Es sei „nur auf Verschleiß gefahren“ worden.

Kritik gab es auch am bundesweiten Vorstand der Gewerkschaft. Denn niemand des Gremiums sei in Opladen erschienen. „Dafür habe ich kein Verständnis“, maulte Dreschmann. „Aber ich schätze, wenn man fliegt, sieht man die Krümel nicht mehr.“

Bei den Gedanken an das alte Bahngelände in Opladen und das 2003 geschlossene Ausbesserungswerk kamen bei vielen große Emotionen an die Oberfläche. Das sah Pommer ein wenig anders: „Es tut mir nicht mehr weh“, betonte er. Die Neue Bahnstadt sei schön geworden, auch wenn man sich fragen müsse, ob das all die Arbeitsplätze wert war.