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Die Krefelder Künstlerin Sabine Liesefeld malt Bilder einer anderen Wirklichkeit

Künstler in Krefeld : Malerin mit versetzter Perspektive

Ihre Motive findet sie in der Natur. Als studierte Biologin hat Sabine Liesefeld ihren Blick für botanische Details geschult. Ihre Bilder, sagt sie, sollen angenehm sein. Die Idyllen setzt die Krefelderin raffiniert in Szene.

Wäre Sabine Liesefeld Fotografin und wollte mit der Kamera die Welt dokumentieren -  man käme ständig in Versuchung, ihr zuzurufen: „Einen Schritt weiter nach rechts.“ Oder: „Den Fotoapparat noch ein bisschen höher“. Denn die Ausschnitte, die sie festhält, sind in der Perspektive immer speziell,  immer ein bisschen aus der gewohnten Wahrnehmung herausgeschoben.

 Aber Sabine Liesefeld ist Malerin, und sie hat jedes Recht der Künstlerin, die Wirklichkeit ein bisschen hin oder her zu schieben und mit dem Pinsel zu korrigieren. Die gebürtige Kölnerin will nicht Realität abbilden, wie sie ist, sondern wie die Wirklich aus einem etwas anderen Winkel betrachtet eben auch sein kann. Unter den A-Gang-Künstlern ist sie der neueste Zugang.

 In einem Schrebergarten ist Sabine Liesefeld das Spiel von Licht und Schatten zwischen den Blättern aufgefallen.
In einem Schrebergarten ist Sabine Liesefeld das Spiel von Licht und Schatten zwischen den Blättern aufgefallen. Foto: SL

An der Pädagogischen Hochschule Neuss hat sie Kunst und Kunstdidaktik studiert. Als Lehrerin hat sie nicht sehr lange gearbeitet – den Beruf hat sie für die Familie aufgegeben. Aber sie hat immer gemalt und seit 1986 auch reichlich ausgestellt.

 „Blaue Blesshühner“ heißt das Bild. Die Vögel wirken wie zufällig in den Ausschnitt gewatschelt.
„Blaue Blesshühner“ heißt das Bild. Die Vögel wirken wie zufällig in den Ausschnitt gewatschelt. Foto: SL

„Meine Liebe gehört der Natur. Dort finde ich meine Inspiration“, sagt sie. Wenn sie draußen unterwegs ist, ob in der Nachbarschaft ihres Ateliers an der Rheinbabenstraße oder auf Reisen, hat sie ihren Blick immer für das Detail geschärft: Ob sich Licht im Blattwerk bricht, ob ein abgebrochenes Ästchen auf dem Waldboden ein vages Muster bildet, ob sich der Himmel in Seen oder Flüssen spiegelt: Hier bleibt ihr Blick hängen. Hier hat sie ihr Motiv. „Ich habe auch Biologie studiert. Daher kommt mein Interesse“, sagt sie und findet darin auch die Erklärung, warum sie sichtbar machen möchte, was dem Blick auf die Oberfläche  entgeht.

 Zarte Frühlingsboten: „Astwerk mit Blüten“ ist vom Format her (100 mal 80 Zentimeter) nicht zierlich.
Zarte Frühlingsboten: „Astwerk mit Blüten“ ist vom Format her (100 mal 80 Zentimeter) nicht zierlich. Foto: SL
  • Rund 150 Teilnehmer waren beim Rundgang
    Streit um Bahn-Trasse in Mönchengladbach : S28: Neuwerker in Sorge um Natur
  • Die Konzerte am 20. Juni finden
    Am 20. Juni in Hamminkeln : Live-Musik in der Natur geplant
  • Blick auf die Kinderpflanzfläche im Espert-Wald.
    Wiebachtal bei Radevormwald : Neues Leben und Kahlschlag im Espert

Jede Kleinigkeit in der Natur empfindet  Sabine Liesefeld als Besonderheit – und setzt es entsprechend in Szene. Ihr „Astwerk mit Blüten“ ist eine Spielwiese fürs Auge. Blaue Blesshühner rückt sie in den Fokus, gerade weil sie nicht den Mittelpunkt des Bildes bilden. Das Auge muss wandern, um seinen Fixpukt zu finden.

Eine wahre Fundgrube für Ideen sind die Schrebergärten, die häufig Ziel ihrer Spaziergänge sind. „Das sind Idyllen, die so viel Schönes bieten. Mein Blick hat sich über die Jahre verändert. Ich nehme überall die Details wahr.“ Zum Beispiel das Schattenspiel einer Pergola oder das Sonnengeflecht zwischen rankenden Blättern, eine geheimnisvolle Form, die ein Schatten an eine Wand malt. Allen Bildern gemein ist eine harmonische, heiter gelassene Grundstimmung. Die kleinen Blick-Verschiebungen wecken Aufmerksamkeit, sie haben keine Störfunktion. Sabine Liesefeld hat nichts dagegen, wenn man ihre Malerei als schön oder angenehm empfindet. „Ich bin Ästhetin. Eine Botschaft will ich nicht vermitteln.“ Wenn sie beim Malen durch ungewöhnliche Ausschnitte und Farbverfremdungen, Vergrößerungen oder andere künstlerische Freiheiten eine „Verwandlung“ erreicht, sagt sie, kann sie das immer noch faszinieren.