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Gottesdienst feiern mit neuen Regeln in Corona-Zeiten

Corona-Krise in Krefeld : Gottesdienst feiern mit neuen Regeln

Pfarrer und Gläubige sind erleichtert. In St. Dionysius kommen die Menschen wieder zusammen – mit ausgefeiltem Hygienekonzept. Gottesdienstbesucher müssen Abstand halten, das Singen entfällt. Wie sich die neuen Regeln auf die Atmosphäre auswirken.

Der Anblick in der Dionysiuskirche ist ungewohnt. Eigentlich ist die Kirche am Sonntagmorgen dicht gefüllt. 450 Gläubige passen im Normalbetrieb in das Gotteshaus. Doch in Zeiten von Corona wurde der Abstand der Bänke vergrößert. Pro Sitzreihe dürfen nur zwei Besucher Platz nehmen. Ihre Karten haben sie zuvor im Gemeindebüro oder online reservieren müssen. Entsprechend leer wirkt die große Kirche, obwohl sie im ersten Frühgottesdienst voll besetzt ist. Beim zweiten Termin, eineinhalb Stunden später, bleiben einige Plätze unbesetzt. „Vieles ist derzeit anders. Normalerweise feiern wir sonntags Gottesdienste vor voll besetzten Reihen. St. Dionysius ist eine sehr gut besuchte Kirche. Die Situation gerade ist auch aus dieser Hinsicht ungewohnt. Auch der Gesang fehlt“, sagt Pfarrer David Grüntjens.

Gesungen wird derzeit nicht, da beim Gesang Aerosole viel weiter fliegen als beim normalen Sprechen, wie Untersuchungen zeigen. „Das Bistum Aachen hat zwar das Singen nicht verboten, aber sehr intensiv empfohlen, darauf zu verzichten. Um dann noch hygienisch einwandfrei arbeiten zu können, müssten wir einen Abstand von fünf Metern einhalten. Dann hätten wir einfach zu wenige Plätze gehabt. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden. Es ist zwar gerade jetzt im Mai mit vielen schönen Gesängen sehr schade, darauf zu verzichten, und es macht auch etwas mit der Atmosphäre. Aber in der Abwägung geht einfach die Gesundheit vor. Und darum unterlassen wir es derzeit“, sagt Grüntjens.

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Statt einem Frühgottesdienst bietet die Pfarre derzeit zwei an. Gleiches sollte für den Spätgottesdienst gelten. „Normalerweise haben wir am Sonntag zwischen 850 und 900 Gläubige bei den beiden Gottesdiensten. Wir wollten zumindest die Hälfte anbieten. Aber für den zweiten Spätgottesdienst gab es wenige Anmeldungen, weshalb wir diesen zunächst gestrichen haben. Ganz wichtig ist uns aber, dass wir keinen Gläubigen abweisen müssen“, erklärt der Pfarrer. Dass die Nachfrage geringer ist – auch beim zweiten Frühgottesdienst blieben etwa 25 Plätze leer – als normal, erklärt sich Grüntjens vor allem mit drei Faktoren: „Ich denke, auch wenn wir bereits Freitag vor einer Woche kommuniziert haben, dass es wieder Gottesdienste gibt, haben es viele einfach noch nicht mitbekommen. Auch gehören viele Gläubige zur Risikogruppe und haben schlicht Angst. Außerdem wollen einige wohl auch erst einmal abwarten, wie es wird“, vermutet er.

Die Änderungen im Ablauf verändern die Atmosphäre. Die Kommunion wird nicht am Altar erteilt, sondern zum Platz gebracht. Die Gläubigen müssen Abstand halten, dürfen nicht singen. Dennoch sind sie froh, dass es wieder Gottesdienste gibt. „Sehr sogar“, sagt Siegmund Slebioda. Gemeinsam mit seiner Frau ist er da. Die Zeit ohne Gottesdienste fiel den Eheleuten schwer. „Wir haben im Fernsehen gehört, dass es wieder los geht, und haben uns sofort Plätze gesichert. Natürlich ist es komisch, dass so wenige Besucher da waren, aber ich glaube, es haben einige auch Angst. Auch die anderen Änderungen im Ablauf sind erst einmal irritierend. Trotzdem ist es sehr schön, dass es wieder geht“, sagen die Eheleute aus Krefeld übereinstimmend.

Familie Iwanczak stimmt zu. Ihre beiden Töchter sind Messdienerinnen, der kleine Sohn, dessen Eltern und der Großvater besuchen den Gottesdienst gemeinsam. „Es ist wirklich schön, wieder hier sein zu können. Gerade über Ostern war es sehr schwer. Wir haben eine Messe im Wohnzimmer mit einer Fernsehübertragung gefeiert. Aber das ist nicht das Gleiche. Dass es anders ist, ist eine Umstellung. Gerade der große Abstand und der Verzicht auf das Singen ist schade. Aber daran werden wir uns gewöhnen“, befindet Frau Iwanczak.

Das Fehlen einer Messe an Ostern traf auch Pfarrer Grüntjens hart. „Ich hatte im Vorfeld sehr gehofft, dass es irgendwie geht. Für mich war der Ausfall wirklich schlimm. Wir haben zwar im kleinen Kreis der Verantwortlichen eine Messe ohne Besucher gefeiert, aber das ist natürlich nicht vergleichbar“, sagt er. Doch es habe auch schöne Ereignisse gegeben. „Am Palmsonntag zum Beispiel standen die Gläubigen ganz diszipliniert in Zweierreihen die ganze Rheinstraße hinauf und haben ihre Palmzweige abgeholt. Das an Ostern geweihte Weihwasser haben wir in Fläschchen abgegeben. Das war schon am nächsten Tag komplett weg“, sagt der verantwortliche Pfarrer der Pfarre Papst Johannes XXIII. erfreut.

Einen Stream von Gottesdiensten im Internet hatte die Pfarre übrigens nicht angeboten. „Wenn die Gläubigen schon daheim die Messe feiern, dann gibt es viele gute, professionelle Angebote, beispielsweise aus Köln. Dort sind die handelnden Personen gewohnt, mit Kameras umzugehen, es gibt professionelles Equipment und so weiter. Da muss ich mich nicht vor eine Handykamera stellen und für meine Gemeinde einen eigenen Stream anbieten. So wichtig nehme ich mich da nicht“, sagt er. Umso glücklicher ist er, dass es nun wieder Gottedienste gibt: „Und an die Änderungen werden wir uns, wie auch die Gläubigen, schon gewöhnen.“