Schloss Moyland: Das lebende Tier in der Kunst von Beuys bis Anne Imhof

Tiere in der Kunst : Das lebende Tier in der modernen Kunst

Kunsthistoriker, Künstler und Kunstfreunde diskutierten 2017 in Moyland über Tiere in der Kunst. Jetzt erschien der Tagungsband.

Das Thema war hochaktuell, als die einstige Direktorin von Moyland, Bettina Paust, in die Hallen der Kunst ins Schloss einlud und ausgesuchte Fachleute über „lebende und tote Tiere in der zeitgenössischen Kunst“ diskutierten. Nur wenig später eröffnete in Venedig auf der Biennale 2017 die beeindruckende Installation „Faust“ von Anne Imhof im Deutschen Pavillon, die scheinbar von Dobermännern bewacht wurde. Bettina Paust hatte mit ihrem Moyland-Symposium den Geist der Zeit getroffen und besetzte alle Facetten des Themas mit Fachleuten.

Dabei hatte die Kunsthistorikerin, die die Tagung zusammen mit Laura Mareen Janssen organisierte, die „Das ausgestellte Tier“ schon lange auf dem Schirm. Nicht zuletzt auch in der Beschäftigung mit Joseph Beuys, der sich im Mai 1974 mit einem Kojoten in der Galerie von Rene Block in New York einschließen ließ und daraus eine berühmte Aktion machte: „I Like America and America Likes Me“ titelte das Ganze und gilt heute als „Referenzwerk für Kunst mit lebenden Tieren“, so Paust im jetzt endlich erschienen Buch zur Tagung.

Bettina Paust an ihrem neuen Arbeitsplatz in Wuppertal. Foto: Matthias Grass

Seit 1980, so Paust in ihrem Aufsatz, sei ein deutlich gesteigertes Interesse von Künstlern festzustellen, lebende Tiere in ihrer Arbeit einzubeziehen oder zu gleichberechtigten Partnern zu machen. 2012 wurde beispielsweise der weiße Hund „Human“ mit dem pinken Bein zum Star der Documenta in Kassel.

Die Tagung in Moyland nun beleuchtete das Thema von allen Seiten und endete mit einer Podiumsdiskussion und dem Versprechen, dass es einen Band geben soll, der die Vorträge zusammenfasst. Jetzt, nachdem über Moyland wieder Ruhe eingekehrt ist und Paust in Wuppertal das Kulturbüro übernommen hat, liegt der Band „Das ausgestellte Tier. Lebende und tote Tiere in der zeitgenössischen Kunst“ vor. „Dieser Band setzt sich erstmals mit den vielfältigen Aspekten auseinander, die sich ergeben, wenn lebende und tote Tiere Gegenstand der Kunst sind und in Ausstellungen präsentiert werden“, verspricht der Verlag. Es reihen sich Beiträge aus den Bereichen Kunstwissenschaft, Philosophie, Biologie, Soziologie, Ethik und Recht und fordern zu einer differenzierten Neubetrachtung von Kunstwerken auf, die Tiere als Akteure integrieren oder als Material verwerten.

„Durch seine interdisziplinäre Ausrichtung soll der Band Impulse für eine offene und kritische Diskussion über das Ausstellen sowie die Ausstellbarkeit von lebenden und toten Tieren in der Kunst geben“, sagen die Herausgeberinnen Bettina Paust und Laura Mareen Janssen.

Das Buch beginnt mit einer Betrachtung der Arbeit Beuys und seiner Kojoten-Aktion von Paust. Barbara Gronau berichtet über den starken Auftritt, den Tiere in der Regel bewirken – und sei es wie bei einer Theaterinszenierung der Volksbühne der Auftritt einer großen grünen Heuschrecke. Aktuell mit Blick aufs Artensterben auch der Beitrag des Nimweger Uni-professors Jean-Pierre Wils über das „Sterben auf Augenhöhe. Tiere und Menschen im Krieg“ mit seinem Schlenker auf die Spezies Mensch, die „die Gangart der Artenvernichtung mittlerweile ins Diabolische gesteigert“ hat und die Verarmung der Welt durch die Vernichtung ganzer Spezies vorantreibt. Eine Welt, die immer „eintöniger und stiller“ wird, so Jean-Pierre Wils in seinem beitrag.

Und nicht zuletzt geht es um rechtliche Fragen, die der Schweizer Tierrechtler Antoine Goetschel bespricht. Wie die des Makkaken-Affen, der ein Selfie von sich gemacht hatte und dessen Bild der Tierfotograf David Slater veröffentlichte. Die Tierrechtsorganisation PETA klagte nun für den Affen die Urheberrechte ein. So beleuchten auf rund 180 Seiten zehn Autoren alle Aspekte von Kunst und Tier.

„Möglich wurde die Veröffentlichung des Bandes erst durch die großzügige Förderung der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaft und die Unterstützung der Familie Bösken-Diebels“, sagt Paust. Ihr  Dank gilt auch der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.