Goch: Brecht und ein eingesperrter Trump

artconnection in Goch : Brecht und ein eingesperrter Trump

Der Kalender der Gocher artconnection erscheint wieder mit zwölf nummerierten und handsignierten Drucken rechtzeitig zum Fest. Im März 2020 wird Donald Trump in einen Käfig gesperrt.

Da hockt ein dicker nackter Mann mit Tolle auf dem Kopf in einem Käfig und schwingt sein Gefängnis laut zeternd gegen eine Mauer. Guckt man genau hin, ist das kein anderer als US-Präsident Donald Trump, den der Klever Künstler und bekennende Pazifist Wilfried Porwol akribisch ins Stirnholz gestochen und auf diesem Holzstich in den Käfig gesperrt hat.

Pünktlich zum Jahresende steht der Drucker Konrad Stüven wieder in seiner Werkstatt an den großen Tischen vor den Stapeln der Kalendarien und macht seine Kunstkalender fertig. Änne Betton, die ihm wie jedes Jahr zur Hand geht, schlägt die Kunstwerke in ein dickes Packpapier ein und schreibt den Jahrgang und – für manche Sammler ganz wichtig – die Nummer des Kalenders auf. Denn die Kalender der artconnection gelten als Kunst: Zwölf feine Drucke auf einer alten Heidelberger Druckmaschine auf gutes Papier gesetzt, nummeriert und handsigniert. 250 Stück gibt es nur von diesen Kalendern.

Cyrus Overbeck schnitt Bert Brecht für den Monat Februar, der Monat, in dem der Schriftsteller Brecht geboren wurde. Foto: Matthias Grass

Nach vielen Jahren musste Stüven allerdings noch mal den Preis für das gute Stück erhöhen: 80 Euro kostet das Werk jetzt. „Alles wird teurer – das Papier, der Druck, die Energie...“, sagt Stüven achselzuckend. Gewinn macht er sowieso nicht bei dem Projekt, gute Kunst günstig an den Mann und die Frau, auch an Schüler oder Studenten, zu bringen. Nur die Kosten müssen reinkommen. Knapp 6,70 Euro kostet jetzt umgerechnet ein Blatt aus dem Kalender. „Wir hoffen so auch Menschen zu erreichen, die sich sonst keine Kunst leisten können“, sagt der Drucker.

Elisabeth Schinks Schnitt mit zerfließenden Erden. Foto: Matthias Grass

Beim Kalender ist alles Handarbeit, da ist nichts Digitales, versichern Änne Betton und Stüven, lachen und schlagen den nächsten Kalender ins Packpapier. Die Kundschaft wartet – eine ganze Reihe geht vorbestellt an Sammler, eine Reihe wird über die artconnection vertrieben oder ist im regionalen Buchhandel zu haben, unter anderem bei Hintzen in Kleve. Unterstützt wird Stüven bei der Aktion von den Künstlern, die ihm ihre Werke quasi unentgeltlich zur Verfügung stellen: gegen ein Belegexemplar und eine Reihe ihres Druckes als sogenannte „e.a.“, das sind Editionen für den Künstler. Künstler, die Stüvens Ansinnen, gute Kunst für kleines Geld zu bieten, teilen.

Katze von Eva Sand hinter hebäischem Schriftzeichen. Foto: Matthias Grass

Den Auftakt im Januar macht 2020 kein Geringerer als der Klever Bildhauer Günter Zins mit seinem Passau-Würfel, der eine Stange balanciert. Der stahlblaue, irgendwie flirrende Hintergrund hebt den Würfel hervor. Im Februar folgt ein eindrucksvoller Bert Brecht, den Cyrus Overbeck geradezu expressiv ins Holzschnitt. Overbeck verließ, von Rechten verfolgt, seine Wahlheimat in Friesland und arbeitet wieder in Duisburg. Als politisches Statement in Zeiten von FFF kann man auch die wie brennend zerfließende Erde von Elisabeth Schink deuten. Klaus Franken nimmt den Abürzungsfimmel in Whatsapp und SMS aufs Korn, Christel Verhalen steuerte ein stilles Stuhl-Stillleben dazu, Eva Sand eine Katze hinter Hebräischer Schrift. Kerstin Wichelhaus zeichnet Hunde aufs Blatt.

Es ist ein ansehnlicher Kalender geworden, mit handgesetztem Kalendarium und jeden Monat einem neuen Blatt gute Kunst für kleines Geld.