Kleve Russisches Staatsballett mit Nusknacker

Kritik Ballett in der Stadthalle : Im Wunderland der Romantik

Russisches Staatsballett holte Nussknacker und Mäusekönig auf die Bühne.

Wunderschöne Kostüme und Tschaikowskys brillante Musik: Die Ballettaufführung des „Nussknacker“ in der Stadthalle Kleve ließ keine Wünsche offen. In der gut besuchten Vorstellung brachte das Russische klassische Staatsballett den Weihnachtsklassiker gekonnt auf die Bühne. Die Compagnie nahm das Publikum mit in das Wunderland des Verspielten und Romantischen, des Märchenhaften und Träumerischen.

Die Geschichte hinter dem „Nussknacker“ wurde so erzählt: Am Weihnachtsabend bekommt Marie vom geliebten Patenonkel Drosselmeier einen Nussknacker geschenkt, der sie nachts im Traum mitnimmt in ferne Welten. Marie ist da schon erwachsen und träumt von einer Schlacht der vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten gegen das Heer des bösen Mäusekönigs. Sie rettet ihren geliebten Nussknacker, der sich in einen Prinzen verwandelt, und die beiden werden von exotischen Wesen wie tanzenden Schneeflocken gefeiert. Sie reisen durch das Märchenland, doch der Mäusekönig folgt ihnen; diesmal wird er vom Prinzen besiegt. Marie ist glücklich: Auf dem Schloss des Prinzen wird ihre Verlobung gefeiert; am Ende erwacht sie aus diesem schönsten aller Träume, alle sind weg – und die Liebe hat gesiegt.

Die Musik im Nussknacker gehört zum Einprägsamsten in Tschaikowskys Schaffen, besonders die Charaktertänze im zweiten Akt, die selbst von denjenigen erkannt werden, die das Ballett zuvor nie gesehen haben: Der „Trepak“, der „Tanz der Zuckerfee“, der „Marsch“ und der „Tanz der Rohrflöten“ gehören zur Populärkultur. Die musikalische Vielfalt, die die Partitur anbietet – in Kleve vom Band –  erfüllte alle Ballettwünsche: Vom Heiter-Beschwingten des Walzers über militärisch-pfiffig, melancholisch oder pathetisch-tragisch entfaltete sich ein plastisches Universum von Emotionen und Sehnsüchten, denen die Tänzer mit vollem Einsatz Rechnung trugen. Getanzt wurde klassisch auf Spitze, tänzerische wie mimisch-gestische Kompetenzen des Ensembles waren beeindruckend. Lobend erwähnt sei nicht zuletzt auch die Lösung für das Bühnenbild aus lediglich zwei „traum-haft“ bemalten Leinwänden mit viel Glitzer – speziell für kleine Bühnen wie die in Kleve – welche für eine authentische, weihnachtliche Atmosphäre sorgten und „drinnen“ wie „draußen“ gut darstellten.

Höhepunkt des Abends waren Marie (Kristina Michailova) im Reich ihrer Träume, die sich vom Boden in höchste Höhen erhob, als sie erstmals die Kraft der Liebe spürte. Dieser große Pas de deux im zweiten Akt mit ihrem Märchenprinzen (Roman Starikov)  gelang technisch im höchsten Maße sauber und dabei bewegend. Stehende Ovationen für den „Nussknacker“ und das Russische klassische Staatsballett, das anderthalb Stunden lang begeisterte.