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Adolf von Cleve: der Ritter vom goldenen Vlies

Museum Kurhaus Kleve : Der Ritter vom Goldenen Vlies

1489 malte ein Brüsseler Meister den Herzog-Sohn Adolf von Cleve und Herr zu Ravenstein auf ein Tafelbild. Das wurde Mitte der 1990er Jahre angekauft und jetzt restauriert. Es soll einen Ehrenplatz im Museum Kurhaus bekommen.

Adolf von Cleve, der einflussreiche Niederrheiner am burgundischen Hof, war arg lädiert, als ihn der damalige Direktor des Klever Museums, Guido de Werd, Mitte der 1990er Jahre auf einer Auktion in Luzern entdeckte und für Kleve rettete. Immerhin war das Bild vom Klever Adligen in burgundischen Diensten damals schon über 500 Jahre alt. Zudem waren scheinbar bewusst Teile des Bildes entfernt worden, um das alleinige Porträt eines Mannes aus der Zeit des Übergangs vom ausgehenden Mittelalter in die Renaissance zu bekommen. Doch jetzt strahlt das kleine Tafelbild eines Brüsseler Meisters wieder wie neu und wird bald im Klever Museum bewundert werden können.

Es zeigt einen reichen nicht mehr ganz jungen Mann, der ernst dreinschaut und die Hände zum Gebet gefaltet hat. Seine graue Haare fallen lang auf die Schulter, der Pony ist gerade geschnitten - ganz in der Mode der Zeit. Zumal der burgundische Hof in Sachen Mode immer den Ruf hatte, fortschrittlich zu sein: Der Mann trägt eine reich verzierte Brokat-Jacke mit geschlitzten Ärmeln, die aufklappen und ein bordeauxfarbenes Futter offenbaren. Auf dem Revers hat die Jacke einen dunkelbraunen, kurzhaarigen Fellkragen, den Kopf des Mannes wärmt eine Kappe. Um den Hals trägt der Adlige eine fein ziselierte Colane, eine breite Goldkette, mit ineinander verschlungenen Ornamenten, an deren Schließe ein goldenes Widderfell hängt: Das Zeichen für den Ritter vom Goldenen Vlies.

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Den besonderen burgundischen Orden hatte Adolf 1456 bekommen, drei Jahre nachdem er bei Gavere für seinen Dienstherrn, den Herzog von Burgund, in die Schlacht gegen die aufständischen Genter gezogen war. Das dunkle Wams unter der Brokatjacke, von der sich die Colane mit Vlies so schön abhebt, ist geknöpft. Links neben Adolf prangt das Wappen von Kleve und Burgund wieder mit dem Vlies-Attribut und über dem guten Mann steht, wer er ist: Adolf von Cleve, Herr in Ravenstein. Auf der Rückseite des Bildes war in großen Buchstaben die Datierung des Gemäldes: 1489. „Die Zahl war noch gut lesbar“, sagt Restauratorin Marita Schlüter.

Lange war unklar, was genau dort über dem Kopf des Mannes gestanden hatte. Das Bild war arg beschädigt. Dann entdeckte der leider verstorbene Gerard Lemmens, lange Jahre Direktor des Nimweger Museums Commanderie und Freund der Klever Museen, eine alte Fotografie aus dem Jahr 1935 im Archiv von Friedländer. Ein Glücksfall: Es zeigt den Adligen als Adolf von Cleve und Herrn von Ravenstein. Also ging das Bild an die Restauratorin. Marita Schlüter fand dann noch Reste der Schrift: Nicht als farbige Rückstände, sondern als Kratzer im Bild. Denn die Buchtstaben waren irgendwann herausgekratzt, das Wappen übermalt worden. Warum, weiß man nicht. Sie rekonstruierte Schrift und Wappen - ganz im Sinne einer Sanierung für alte Bilder: „Man muss erkennen können, dass es eine Rekonstruktion ist und man muss es so auch wieder entfernen können“, erklärt sie.

Schlüter steht in der Bibliothek des Museums Kurhaus zusammen mit Museumsdirektor Harald Kunde, mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Valentina Vlasic und Jutta Tönnissen vom Freundeskreis der Klever Museen. Vor ihnen in einer Halterung und mit einem breiten Rahmen versehen steht das Bild auf dem mächtigen Tisch, der die Bibliothek des Hauses füllt. Den Rahmen hatte das Bild schon bei der Versteigereung und er stammt wohl aus dem 20. Jahrundert.

Valentina Vlasic stellte den Herren zu Ravenstein (1425 bis 1492) vor, der als Berater keines Geringeren als dem letzten Ritter Kaiser Maximilian am Hof von Burgund beriet und dessen Sohn betreute, der an diversen Kämpfen für Burgund teilnahm und mit einer burgundischen Prinzession verheiratet war. Und – bevor er an den burgundischen Hof kam – in Kleve lebte, versichert Vlasic.

„Das ist ein weiterer Höhepunkt in unserer Sammlung“, ordnet Kleves Museumsdirektor Harald Kunde das Bild ein, das Ende September einen besonderen Platz im Katharina-von-Kleve-Saal bekommen soll. Das lange Warten – das Bild war fast zehn Jahre nicht zu sehen – habe sich gelohnt, sagt Kunde. Jetzt erstrahle es in einem besonderen Glanz.

Finanzierte wurde die prächtige Restaurierung des Bildes von der Stadt Kleve und dem Freundeskreis.