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Kleve: Der Kunst Film von Kirsten Becken mit Sandra Hüller gewinnt Preis in Berlin

Kunstfilm : Filmfestivals zeichnen Beckens Video aus

Der erste Kunstfilm der Klever Fotografin Kirsten Becken mit Schauspielerin Sandra Hüller wurde vom Indie-Film-Festival in Berlin ausgezeichnet. „Ihre Geister sehen“, so der Titel des Films, erreichte auf einem Filmfestival in New York das Finale.

Das noch junge Berlin Indie-Filmfestival hat Kirsten Beckens  Film mit der Schauspielerin Sandra Hüller „Ihre Geister sehen“ zum Künstlerfilm (Artist Film Short) des Monats Mai ausgezeichnet. Auch im Süden der Republik konnte der Kurzfilm, in dem Becken den Missbrauch ihrer Mutter und deren Behandlung in der Psychiatrie verarbeitete, überzeugen. Er wurde „Finalist“ in der Kategorie „Women Empowerment“ beim New Wave Short Film Festival (München), freut sich Becken. Es sind junge Film-Festivals, die jeden Monat die von Jurys ausgewählten besten Filme in den jeweiligen Kategorieren prämiieren.

Doch auch außerhalb Deutschlands wurde man auf die in 1982 in Kleve geborene Künstlerin aufmerksam: Ihr 31-minütiges beim Deutschlandfunk abrufbares Video gehört auch zu den Filmen, die in verschiedenen Filmfestivals in unterschiedlichen Kategorien in London, Seoul und New York gelistet sind. „Wir sind Teil der Auswahl beim ,Wonderous Stories Film Festival’ in London in der Kategorie ,International Short Films’ und in der Kategorie  ,Experimental Films’ beim Seoul International Short Film Festval’“, listet Becken den Erfolg von „Ihre Geister sehen“ auf.

 Der Kunstfilm „Ihre Geister sehen“ mit Sandra Hüller wurde in Berlin Künstlerfilm des Monats Mai.
Der Kunstfilm „Ihre Geister sehen“ mit Sandra Hüller wurde in Berlin Künstlerfilm des Monats Mai. Foto: Kirsten becken/Kirsten Becken
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Beim New York Tri-State International Film Festival gehört sie seit Montag, 19. Juli, in der Kategorie „Experimental Short“ ebenfalls zu den Finalisten. Auch wenn es junge, kleine Festivals sind: Für ihren Erstling konnte sie nicht nur Sandra Hüller (die die Hauptrolle bei Toni Erdmann spielte) gewinnen, der Film überzeugte über die Grenzen hinaus. Mit Hüller, die sich über den Erfolg freute, wird sie weiter zusammenarbeiten, die beiden Frauen treffen sich im Herbst wieder am Niederrhein.

„An einem Film zu arbeiten war schon seit einiger Zeit ein Traum. Die Möglichkeit nun voll ausgeschöpft zu haben und mit Sandra Hüller einen Kunstfilm zu drehen, hat diesen Traum erfüllt“, sagt Becken, die bis jetzt vor allem künstlerisch als Fotografin arbeitete und  mit einem internationalen Fotografinnen-Kollektiv  den Fotoband „The Body Issue“ herausgegeben hat.

Sie habe bereits länger darüber nachgedacht, einen Kunstfilm zu drehen. Und seit sie in Kleve die Mehrkanal-Produktion des Video-Film-Künstlers John Akomfrah gesehen hat, würde sie auch mit einem Mehrkanalfilm experimentieren wollen, sagt sie. Vielleicht wäre auch „Ihre Geister sehen“ in diesem auf verschiedene Leinwände gezeigte Format denkbar, sagt sie. „In der Konzeptionsphase habe ich über Parallelität, Zusammenhänge und Schlüsselbilder nachgedacht. Es sollte eine Gleichzeitigkeit entstehen, die für die unerbittliche Variable steht, die uns alle in die Schranken weist“, sagt sie. Es sei diese Gleichzeitigkeit, die sie auch an einer Mehrkanalpräsentation denken lassen, auf der verschiedene zeitliche Ebenen auf verschiedenen Leinwänden gleichzeitig und auch versetzt laufen, so dass die klassische Zeitschiene eines Films gesprengt wird, was schon ihr Ziel bei „Ihre Geister sehen“ gewesen sei:  „Zeitliche Abläufe, was wann geschieht und welche Zusammenhänge bestehen – mein Ziel war es, diese Messbarkeiten aus den Angeln zu heben und eine Idee von einem Neustart zu skizzieren, der uns in gewissem Umfang immer zur Verfügung steht“, erläutert sie. Die Arbeit „Ihre Geister Sehen“ lasse sich als Videokunst begreifen. Die Darstellung werde dadurch so räumlich erfahrbar.

Die internationale Anerkennung ihres Erstling durch verschiedene Jurys habe ihr gezeigt, dass sie mit Video-Kunst ein Thema angehen und filmisch-bildnerisch überzeugend umsetzen kann. Für diesen Film über den von der Gesellschaft und der Familie verdrängten Missbrauch eines Kindes habe sie noch das sehr nahe Ereignis in der eigenen Familie verarbeitet, erklärt Becken. Aber sie habe erkannt, wie man in diesem spannenden Format gesellschaftlich relevante Themen bearbeiten könne. „Das in weiteren Filmen umzusetzen, bietet sich jetzt an“, sagt Becken.

Dennoch arbeite sie künftig weiter auch als Fotografin. „In meiner künstlerischen Arbeit sehe ich Film/Videokunst als fortlaufende Technik an und begreife mich seitdem noch stärker als Künstlerin“, wertet sie den Erfolg bei den Festivals. Und würde den Film auch gerne einmal auf großer Leinwand zeigen wollen. „Es wäre schön, wenn wir da eine Möglichkeit finden könnten“, sagt sie.