1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kultur

Kleve Kurhaus: Katalog zu Günther Zins mit Original-Zeichnung

Museum Kurhaus Kleve : Zins-Würfel im Waldraum

Zur Ausstellung des Museums Kurhaus Kleve zum 70. Geburtstag des Künstlers Günther Zins ist der Katalog „Präzision und Leichtigkeit“ erschienen. Ein Teil der Auflage trägt eine Originalzeichnung des Künstlers.

Wer Glück hat, hat im neuen Katalog von Günther Zins einen Extra-Würfel: Der Künstler hat in Zeiten von Corona die Gelegenheit genutzt, auf die erste Seite des Katalog-Buchs eine Zeichnung zu setzen, ein Original, das nicht gedruckt ist. Denn als die Ausstellung von Günther Zins „Präzision und Leichtigkeit“ eröffnet werden sollte, kam Corona dazwischen. Deshalb gibt’s eine ganze Reihe der Kataloge mit der Zeichnung vorne. Auf der versinkt präzise und leicht ein Würfel ins Weiß des Blattes, signiert vom Künstler. Es gibt sogar noch einige der Exemplare im Museumsshop, die (ohne Aufpreis) eine dieser Original-Zeichnungen tragen. Es sollte, so heißt es vom Museum, ein kleines Trostpflaster für die ausgefallene Eröffnungsfeier sein.

Für den Katalog haben der Klever Bildhauer und der Hamburger Grafiker Ingo Offermanns ein großes Format und keinen festen Einband gewählt. Wie bei fast allen Klever Katalogen trägt auch die Zins-Publikation die Handschrift von Ingo Offermanns.

Jeweils in Rasterpunkte aufgelöste Fotos kennzeichnen Anfang und Ende des 140seitige Großformates. Dazwischen steckt die Geschichte eines der erfolgreichsten Klever Künstler der Gegenwart, dessen Werke national und international bekannt sind. Das abgebildete Spektrum reicht bis zu den Traumobjekten, in denen Zins auf Fotomontagen Berge und berühmte Bauten wie Notre Dame in Paris oder die Alpen mit seinen Stahlarbeiten zusammenbringt. Die Zins Würfel und Quader aus Edelstahl werden dann zu riesenhaften Monumenten, wenn sie beispielsweise den Rosengarten der Dolomiten durchbohren und um ein Vielfaches überragen oder zwischen den beiden Türmen von Notre Dame klemmen. Wobei einer der Stahlwürfel tatsächlich groß zwischen zwei Bankgebäuden in Frankfurt/Oder hängt. Auch dieses Beispiel fehlt nicht als Abbildung im Katalog und auch nicht die Pyramide vor der Reichsabtei in Kornelimünster. Die Abteil birgt die Kunst aus Nordrhein-Westfalen.

  • Unvermittelt landen seit Dienstag Verkehrsteilnehmer an
    Sperre in Pfalzdorf : Klever Straße wegen Sanierung gesperrt – Umwege nötig
  • Verwaltungsdirektorin und Geschäftsführerin der Stiftung Museum
    Bedburg-Hau-Moyland : „Moyland ist auf einem guten Weg“
  • Acht Kandidaten stellen sich im Kreis
    Bundestagswahl : Kreis Kleve hat 225.772 Wahlberechtigte

Vielleicht noch komprimierter als die Ausstellung schafft es der Katalog, zu verstehen, wie sich die Arbeiten des Künstlers entwickeln, der eigentlich aus der Farbe, der Malerei kommt und dann mit Skulpturen aus Edelstahlstangen international bekannt wurde. Wo die Anfänge zur Abstraktion liegen können, zeigt beispielsweise die Arbeit von 1989 „Waldraum I“, auf denen Zins diese grafischen Elemente in eine Wald „gezeichnet“ hat.

Weder Katalog noch Ausstellung wollen sich als „Retrospektive“ verstanden wissen, schreibt Kleves Museumsdirektor Harald Kunde im Vorwort, eher als Befragung. Schließlich beinhalte die „Retrospektive“ ein gewisserweise abgeschlossenes Werk, was man von Zins’ Arbeit nicht sagen könne. Wobei der Bildhauer sich, so Kunsthistoriker Uwe Rüth in einem anderen Text des Kataloges, von Anfang an mit der Räumlichkeit befasst habe. Beispielsweise Drähte über die bemalte Leinwand spannte. Auch sei Zins Anfang der 1970er Jahre von Rinkes Arbeiten auf der Documenta  und der Aussage „Meine Plastik ist Zeichnung“ beeindruckt gewesen.

Später entwickelte Zins diese Aussage weiter, als er die schmalen Edelstahlelemente entdeckte. Seine Plastik ist Zeichnung im Raum – und zwar eine sehr lebendige Zeichnung im Raum. Sie verspringt, die Perspektive ändert sich und verwirrt. Oft rätselt man lange, ob die Skultur dreidimensional zwischen den Bäumen hängt oder aber hingegen eine zweidimensionale Täuschung ist.

Bleibt noch die Durchdringung, bei der Skulpturen in Häuser oder Wiesen oder Menschen einzudringen scheinen – Zins und sein Sammler Werner Steinecke zeigen es eindringlich. Und schließlich ist da noch die geworfene Skulptur, die, weil flüchtig nur im Moment des Wurfs sichtbar, nur fotografisch darstellbar ist.

Günther Zins. Präzision und Leichtigkeit. ISBN 978-3-934935-91-4, 140 Seiten im Format 24 x 34 cm Schriftenreihe Nr. 81 Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, 28 Euro.