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Bedburg-Hau: ArToll präsentiert 19 Künstler aus Deutschland und Holland

ArToll : Das Kunstlabor im Garten

ArToll präsentiert 19 Künstler aus Deutschland und den Niederlanden. Sie haben Corona-bedingt rund um Haus 6 der LVR-Klinik ihre Werke eingerichtet. Sonntag wird die Ausstellung eröffnet.

Große blaue Autobahn-Schilder verweisen auf die Metropolen: Hamburg, Amsterdam, Paris, London. Berlin nicht zu vergessen. Auch NRW ist dabei: Köln, Düsseldorf und Wuppertal, Bedburg-Hau fehlt nicht. Das Schild Huisberden erinnert an die vor wenigen Wochen verstorbene Künstlerin Dini Thomsen, die dort wohnte. Es sind Metropolen und Orte, aus denen Künstler und Künstlergruppen kamen, die hier im Haus 6 auf dem Gelände der LVR-Klinik Bedburg-Hau gearbeitet haben. Die hier Ausstellungen eingerichtet haben, oft nur ein Wochenende zu sehen, in der Regel beeindruckend. Jetzt ist ArToll leer. Besser gesagt: Das Haus ist leer – denn die Kunst steht im Garten, an der Einfahrt, auf dem Minigolf-Platz. In Zeiten von Corona ist Draußen das bessere Drinnen, dachten sich die Macher vom ArToll.

Die Künstler nahmen den Auftrag an, nutzen die Gegebenheit, zum Beispiel auf dem alten Minigolfplatz: Die Bank ist zerstört, durchgebrochen knickt die Latte des Sitzes nach unten weg und gibt keinen Halt mehr. Zwei blaue Gestalten haben sich eng verschlungen auf die Lehne gesetzt. Nutzen sie die Lehne, weil die Bank kaputt ist oder sind sie die Zerstörer? Sigrid Newinger, die die beiden aus Kunststoff geschmolzenen und wie ein Pärchen ineinander verschmelzenden Figuren geschaffen hat, lässt’s offen: „Durchbruch“ titelt die Arbeit draußen auf dem Minigolf-Platz am Haus 6 ArToll. „Die Bank war vorher schon kaputt“, beschwichtigt Wolfgang Paterok, der Vorsitzende des Vereins ArToll. Ulrike Schoulder und Dirk Knickhoff haben das alte Kassenhäuschen mit schwarzem Plastik umwickelt und zum Monolithen gemacht, ein QR-Code wird auf einen Film leiten.

 Ein Nest, ganz groß, hängt auf der Terrasse von Haus 6. Martje Verhoven (rechts) schuf das Werk und begutachtet es mit Agnes Gimnich.
Ein Nest, ganz groß, hängt auf der Terrasse von Haus 6. Martje Verhoven (rechts) schuf das Werk und begutachtet es mit Agnes Gimnich. Foto: Evers, Gottfried (eve)
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ArToll organisiert seit Jahrzehnten Kunst an diesem Ort, drinnen und draußen: Als brodelnde Laborküche in der sich die Künstler gegenseitig austauschen, Neues erfahren. So hatten es sich die Initiatoren mit Uwe Dönisch-Seidel und Dini Thomsen an der Spitze gedacht. Beide sind tot, beide starben völlig überraschend. Dönisch-Seidel vor etwas mehr als einem Jahr, Dini Thomsen vor wenigen Wochen. „Es wird jetzt schwer, aber wir starten trotz dieser Rückschläge und trotz Corona, auch in Erinnerung an Dini, die diese Ausstellung noch mit intitiiert hat“, sagt Paterok. Anja Middelkoop erinnert mit einem Wagen an die stets Reisende Thomsen. Und Thomsens schwarze dunkle und doch irgendwie heimische Behausungen begrüßen auf hohen Stelzen den Gast.

„Wir haben 20 Künstler eingeladen, Kunst draußen einzurichten – neue Kunst oder auch Werke, die schon da waren. Ein Thema war nicht vorgegeben, nur dass die Arbeiten zwei Monate in der Witterung halten müssen“, sagt Paterok. 19 Künstler haben die Einladung angenommen, teils Neues geschaffen, teils Altes neu inszeniert. Am Sonntag, 1. August, wird die Draußenschau unter dem Titel „Outside Artoll“ eröffnet. Um 15 Uhr auf der Wiese hinterm Haus. Trotzdem solle man an Corona-Masken denken, mahnen Paterok und seine Stellvertreterin Agnes Gimnich. Zu sehen ist das Ganze dann bis 3. Oktober. Teilnehmer: Riette van Dijk, Geer Driessen, Regina Friedrich-Körner, Ingrid Geerdink, Johan Geerligs, Georg Janthur, Dirk Knikchoff, Anke Land, Anja MIddelkoop, Matthijs Muller, Sigrid Neuwinger, Pier Pennings, Kees van Raay, Ulrike Scholder, Anja Maria Strauss, Dini-Thomsen, Martje Verhoeven, Elaine Vis und Katja Wickert.

Die Werke sind unterschiedlich wie die Ansätze der Künstler: Figürlich der Schattenriss der Spitfire, das britische Jagdflugzeug aus dem zweiten Weltkrieg, das Pier Penning wie im Anflug aufs Dach des Hauses stellte. Abstrakt das orange in den Bäumen leuchtende Windspiel aus Fahrradfelgen von Katja Wickert, verrätselt die Zeichen an den Bäumen von Friedrich-Körner. Wie hingestellt und doch surreal wirkt der bunt ins Holz gehauene Sonnenschirm von Georg Janthur, kostbar schimmert die an die Wand gehängte Blechtränke von Anke Land in der Sonne. Aber so verschieden die Werke sind, fügen sie sich doch recht gut zu einem Ganzen, in deren Mitte die Spirale aus Obstkisten mit verdorrtem Gut von Anja Maria Strauss steht, umgeben von Ingrid Geerlings feinen Zeichnungen auf LKW-Planen. Gleich um die Ecke verwirrt Martje Verhoeven mit Tragen/Bahren, die wie zur Sommerfrische auf die Terrasse gestellt sind. Ein Stück Zauberberg? Aus John Geerigs so echt scheinendem Bauzelt ragen Kabel und man hört Klopfgeräusche.