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Wie lernen Kinder sich zu entschuldigen? Beispiele aus dem Familienzentrum Spatzennest in Kempen

Kindergarten : Eine Entschuldigung beim anderen ist gar nicht so einfach

Wie lernen Kinder sich zu entschuldigen? Wir haben in einem Kempener Kindergarten bei einer erfahrenen Erzieherin nachgefragt.

„Zappel nicht so rum, setz dich richtig hin – damit können Kinder nicht viel anfangen“, weiß Angelika Hüskes, Leiterin des Familienzentrums Spatzennest. Die Kinder in ihrer Einrichtung dürfen schimpfen, schreien, weinen, wenn sie sauer sind. Einen anderen Menschen schlagen dürfen sie nicht. Sich im Fall des Falles zu entschuldigen, ist nicht immer einfach. Dann sind besonders die Erzieherinnen und Erzieher gefragt, und die Sache mit der „Bestrafung“ ist auch keine einfache. „Im Spatzennest muss kein Kind auf die stille Treppe, davon halte ich gar nichts“, sagt die Leiterin. Eine „authentische Wertorientierung leben“ von allen Bezugspersonen des Kindes, sei der richtige Weg. Außerdem sollte man aufrichtig sein und sagen, was man will und was eben nicht.

Zu den großen Vorbildern der Kinder gehören die Erwachsenen. Bei ihnen schauen sie sich alles ab, so auch sich zu entschuldigen. Sie leben die Form „Entschuldigung“ vor, so die Erzieherin. „Kinder sind im Alter bis zu sechs Jahren die geborenen Beobachter, Wissenschaftler und Praktiker“, sagt Angelika Hüskes. Wie man Kindern beibringt, sich zu entschuldigen? „Das kann man nicht beibringen, die Eigenschaft entwickeln Kinder eigenständig“, so die Leiterin vom Spatzennest. Bevor ein Kind sich entschuldigt, weil es, beispielsweise, ein anderes Kind verletzt hat, müsse ein bewusstes Schuldeingeständnis vorliegen, so Hüskes.

Ob ein Kind im Kindergartenalter schon eine Schuld auf sich laden kann? Hüskes meint Nein. Erst müsse es gelernt haben, dass es Schmerz und Trauer gibt, um dann zu verstehen, was diese Gefühle bei Anderen auslösen können. Im Kindergarten haben Erzieher und Erzieherinnen regelmäßig mit Konflikten zu tun. Im Zusammenspiel kann schnell Streit um ein Buch entstehen, weil alle es gleichzeitig haben wollen. Das ist ein eher „einfacher Konflikt“. Es gibt andere Beispiele, die besonderes Handeln erfordern: Mutwillig zerstörtes Spielzeug kann mit Kindern gemeinsam wieder repariert werden. Wichtig sei es, zeitnah eine Konsequenz aus der Situation zu ziehen und dass das auch nachvollziehbar für die Kinder sei, sagt die Erzieherin. Aber natürlich gäbe es auch wiederholtes Schlagen oder Beißen, wo auch verbale Ansprachen nicht mehr weiterhelfen.

So würde das Kind eine Zeitlang in der Nähe der Erzieherin verbleiben und dürfte sich nur in bestimmten Bereichen bewegen. Um diese Situationen festzuhalten, gäbe es Bildungsdokumentationen, wo Stärken und Schwächen der Kinder festgehalten werden.

„Doch auch Erzieherinnen kommen an ihre Grenzen“, weiß die erfahrene Pädagogin. Dann heißt es auch für sie, eine Pause zu nehmen und eine Kollegin um Hilfe zu bitten oder eine Zusammenarbeit von Erziehungsberatungsstellen und Familien anzuregen. Wichtig sei, dass man bei tagtäglichen Konflikten dem Kind am nächsten Tag wieder eine neue Chance gibt. Und den Streit nicht wieder aufrollt.