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Betreuung von Kindergartenkindern: Post aus dem Kindergarten

Betreuung von Kindergartenkindern : Post aus dem Kindergarten

Per E-Mail verschicken Kita-Mitarbeiterinnen Anregungen Lieder, Mandalas oder Anleitungen, um Kresse zu säen.

Wenn sich Veronika Engel jeden Vormittag zuhause an den PC setzt, hat sie vor allem eins im Sinn: die Kinder und Familien der Kindertagesstätte Arche Noah. Zwar sitzt Veronika Engel etliche Kilometer weit weg in Düsseldorf im Homeoffice, doch das ist die Strategie des Mettmanner Caritasverbandes, um die Kita-Leitungen möglichst vor physischen Kontakten zu schützen.

„Wir haben wirklich sehr herausfordernde Wochen hinter uns“, erklärt dazu Klaus Faulhaber-Birghan, Bereichsleiter Kinder, Jugend und Familien. „Es gibt kaum noch Prozesse, die normal sind.“

Zwar werden in neun der elf Caritas-Kitas noch Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen betreut, doch auch das ist nicht mit dem normalen Kita-Betrieb zu vergleichen. Erzieher und Kita-Leitung sind telefonisch oder per Videokonferenz in Kontakt. „Die Medienverwendung in den Kitas wird dadurch sehr verstärkt“, meint Faulhaber-Birghan. Not macht eben erfinderisch. Und das lässt sich auch über die Betreuung der Familien und Kinder sagen, die zuhause auf die Lockerung der Beschränkungen warten. „Wir mussten uns erst einmal auseinandersetzen“, gibt Veronika Engel zu. „Normalerweise sind wir sehr nah an den Familien daran. Das war jetzt völlig abgeschnitten.“

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Schnell kamen die Kitas auf die Idee, den Kindern zuhause digitale Post zu schicken. „Jeden Tag, auch am Wochenende, gibt es Kinderpost per Mail“, erzählt die Leiterin, „und wenn ein Kind Geburtstag hat, dann gibt es extra Geburtstagspost.“

Die allererste Kinderpost hatte ein Foto der Kita-Mitarbeiter zum Inhalt. „Aufgabe war es für die Kinder, unsere Vornamen zu benennen und die Eltern sollten unsere Nachnamen herausfinden.“ Durch das Foto sind die Mitarbeiter bei den Kindern immer präsent. Jeden Tag gibt es kleine Anregungen per Mail. „Lieder, Fingerspiele, Mandalas zum Ausmalen oder auch mal ein Kochrezept, die Anleitung Kresse zu säen“, zählt Engel auf. „Alles Dinge, die in den Familien gemacht werden können.“

Die Rückmeldungen der Kinder zeigen, wie wichtig dieser regelmäßige Kontakt ist. „Es ist so schön, wenn sie Fotos zurückschicken von den Kindern. Man hat sie dann ganz lebendig vor sich.“ Auf YouTube werden Geschichten erzählt, die Eltern wurden auch schon alle von den Erziehern angerufen. Die Reaktionen der Familien sind bewegend. „Eltern eines Kindes mit Behinderung, schrieben, dass sie in solch einer Situation noch einmal ganz anders übers Leben nachdenken würden“, erzählt Engel. „Sie nehmen die Möglichkeit wahr, mit ihrem Kind einmal ganz anders zusammen zu sein.“

Natürlich ging nicht alles gleich glatt. So hatte eine Familie mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten, die richtige E-Mail-Adresse zu übermitteln. „Schließlich hat die Tochter angerufen und sie durchgegeben“, sagt Engel, „dann klappte es endlich und sie waren ganz glücklich, als sie die Mail bekamen.“ Nachdem ein Rezept von Pancakes in der Kinderpost war, meldeten sich Eltern, die erklärten, die Pancakes wären wohl gut gewesen, aber das Kind habe gesagt: „In der Kita hätte es bestimmt viel leckerer geschmeckt.“

Das sind die Momente, in denen die Kita-Mitarbeiter gerührt sind und gleichzeitig froh, dass die Kinder und Familien sich auch in dieser unsicheren Zeit gut bei ihnen aufgehoben fühlen.