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Im Niederrheinischen Freilichtmuseum schwelt der Meiler zur Gewinnung von Holzkohle

24 Stunden Bewachung für den Meiler in Grefrath : Im Niederrheinischen Freilichtmuseum schwelt der Meiler

Die Köhler der Köhlerei Reichswalde haben ihn entzündet. 24 Stunden steht der 2,20 Meter hohe Meiler unter ihrer Beobachtung. Besucher können ihre Arbeit bis zum 28. Juni besichtigen.

Kaum haben Köhler Markus Heßelmans und sein Sohn Jano die Holzstäbe mit dem aufgesteckten Anzünder in die Feuerschale gehalten, lodern die Flammen hell auf. Mit den brennenden Stäben geht es vorsichtig die Holzleiter hinauf, die an den Erdmantel des Meilers auf der Wiese im Niederrheinischen Freilichtmuseum angelehnt ist. Oben ragt das sogenannte Kopfholz aus dem Meiler hervor, und genau das ist das Ziel des Vater-Sohn-Gespanns. Die beiden setzen gemeinsam das Buchenholz in Brand. Die Verschwelung des Meilers ist in Gang gesetzt.

„Auf den Meiler, auf das Niederrheinische Freilichtmuseum, auf das Köhler-Team ein dreifach Gut Brand“, ruft Wilhelm Papen von der Köhlerei Reichswalde. Die Besucher stimmen in den Ruf „Gut Brand“ mit ein. Aufmerksam verfolgen sie die Flammen, die auf der Spitze des rund 2,20 Meter hohen Meilers tanzen. „Wir lassen die Flamme fünf bis zehn Minuten brennen, dann drücken wir sie mit einem Deckel ab und schließen den Meiler“, erläutert Papen die weiteren Arbeitsschritte des mehrere Tausend Jahre alten Handwerks, das schon 1200 vor Christus ausgeübt wurde.

Die Besucher erleben, wie der runde Eisendeckel mit den vier Löchern auf den Meiler getragen und die Flammen erstickt werden. Schließlich geht es bei der Köhlerei nicht um einen Brand, sondern das Verschwelen des Holzes ist gewünscht. Nur so kann die Holzkohle entstehen. Das Verschwelen bedeutet aber auch, dass der langsam schrumpfende Meiler ab diesem Zeitpunkt 24 Stunden unter Bewachung steht, denn die Gefahr eines Brandes ist immer gegeben.

Zur Arbeit gehört auch der Rumenstab, mit dem Heßelmans die ersten Rauchlöcher kurz unterhalb der Meilerplatte sticht, denen im Verlauf der Verschwelung weitere Löcher folgen werden. Zudem müssen die Zuglöcher am Fuße des Meilers gesteuert werden, die der Sauerstoffzufuhr dienen. Später erfolgt zudem das Beihauen des Erdmantels. Alle vier Köhler werden daher in Schichten bei der Arbeit anzutreffen sein, Tag wie Nacht. „Der Meiler muss von oben nach unten und von innen nach außen verschwelen“, sagt Papen, der wie seine Kollegen in der klassischen Festtagstracht der Köhler am Niederrhein steckt: schwarze Schuhe, Hose, Hut und Weste, dazu ein weißes Hemd und ein rotes Halstuch. Die acht roten Knöpfe der Weste stehen für die acht Monate, in denen ein Köhler einst am Meiler arbeitete. Er lebte von April bis November allein bei seinen Meilern. Am Tag des Heiligen St. Martin endete die Köhlerei.

In Grefrath bleiben die Köhler indes bis zum 28. Juni und können bei ihrer Arbeit beobachtet werden. Danach startet der Verkauf der im Museum produzierten Holzkohle an der Museumskasse. Fünf Kilogramm kosten zehn Euro.