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Köhlerei Reichswalde zeigt im Freilichtmuseum Grefrath den Aufbau eines Holzmeilers

Vorführung in Grefrath : Im Freilichtmuseum wird aus Holz Kohle gemacht

Köhler der Köhlerei Reichswalde (bei Kleve) zeigen vom 16. bis 28. Juni in Grefrath ihr besonderes Handwerk. Besucher können dabei zuschauen, wie ein Holzkohlemeiler aufgebaut wird.

Im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath raucht bald der Holzkohlemeiler. Die Köhler der Köhlerei Reichswalde (bei Kleve) sind vom 16. bis 28. Juni zum zweiten Mal nach 2018 auf dem Areal rund um die Dorenburg zu Gast. Während dieser Zeit leben und arbeiten die Köhler auf dem Museumsgelände. Die Besucher können den Köhlern bei ihrem traditionellen Handwerk während der Öffnungszeiten des Museums – dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr – zuschauen.

Landrat Andreas Coenen dankt Köhler Wilhelm Papen und dessen Team für ihre Arbeit. „Sie halten nicht nur das Wissen um ein historisches Handwerk lebendig. Vor allem lassen Sie uns anschaulich nachempfinden, wie mühselig der Arbeitsalltag der Köhler in früherer Zeit war: Vom Aufbau des Meilers über das Schwelen des Holzes bis zur Gewinnung der Holzkohle können wir alle Arbeitsschritte unmittelbar miterleben“, sagt der Landrat.

Das Köhlern gehört zu den ältesten Handwerkstechniken des Menschen. In Deutschland ist die älteste gefundene Holzkohle 5500 Jahre alt. Für den Reichswald bei Kleve ist das Handwerk seit dem 14. Jahrhundert belegt. Bei einem Kohlemeiler handelt es sich um einen Holzstoß, der mit Erde abgedeckt wird. Das entzündete Holz verschwelt unter Luftabschluss langsam zu Holzkohle. Der Meiler im Museum wird einen Durchmesser von 4,50 Meter und eine Höhe von etwa 2,50 Meter haben. Die Köhler bauen ihn aus etwa 20 Raummetern reinem Buchenholz und etwa zehn Kubikmeter Mutterboden auf. Unterstützt wird das Projekt von der Firma Holz-Brands aus Krefeld sowie durch die Pfadfinderschaft St. Vitus Oedt.

Die Besucher sind eingeladen, mit Papen und seinen Kollegen ins Gespräch zu kommen. In früherer Zeit war das anders. Damals brachten die Bürger den Köhlern vor allem Misstrauen entgegen. Papen erklärt: „Schließlich beherrschten sie Feuer und Glut und veredelten mit ihrem Handwerk Holz zu einem hochwertigeren Brennstoff.“ Keine Gilde oder Zunft nahm die Köhler auf. Stattdessen lebten sie zurückgezogen in den Wäldern, wo es ausreichend Holz und Wasser gab.

Der Aufbau des Meilers nimmt rund drei Tage in Anspruch. Am Samstag, 20. Juni, werden Landrat Coenen und Köhler Wilhelm Papen den Holzstoß um 11 Uhr entzünden. Die Museumsbesucher können unter Einhaltung der Corona-Vorgaben dabei zusehen.

(rei)