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Grundsteinlegung für das Kreisarchiv in Viersen

Neubau in Viersen : Eine Zeitkapsel für das Kreisarchiv

Alles läuft nach Zeitplan: Im Juli 2021 soll das neue Kreisarchiv am Ransberg fertig sein. Voraussichtlich im Frühjahr 2022 wird es bezogen. Es ist das erste öffentliche Gebäude in der Region, das nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung entsteht.

Architekt Bernd Volkenannt nimmt den Deckel von der kupferfarbenen länglichen Zeitkapsel-Röhre und hält sie Landrat Andreas Coenen (CDU) hin. „Ich habe noch etwas mitgebracht, so etwas sollte da auch noch rein“, sagt Coenen – und zückt einen hellgrünen Mund-Nasen-Schutz. Auch eine aktuelle Ausgabe der Rheinischen Post und der Ausdruck der Rede, die Volkenannt kurz zuvor in Sichtweite des Rohbaus für das neue Kreisarchiv gehalten hat, wandern später noch hinein. Dazu unter anderem ein Medienbestellzettel aus der analogen Zeit, den Kreisarchivar Michael Habersack mitgebracht hat. Wenn das neue Kreisarchiv am Ransberg in Dülken Mitte 2021 fertig gebaut ist, soll die Zeitkapsel im Foyer ihren Platz finden, eventuell umgeben von Steinen der Kempener Burg – dem dann ehemaligen Standort des Kreisarchivs. „Wir liegen im Zeitplan, trotz Corona“, sagt Coenen am Donnerstagnachmittag bei der symbolischen Grundsteinlegung.

Seit wann wird gebaut?

Mitte 2019 hatte die Stadt Viersen dem Kreis Viersen die Bauge­nehmigung erteilt – Spatenstich für das neue Kreisarchiv war Mitte Januar 2020. Nun ist der Rohbau des Kellergeschosses weitgehend abgeschlossen.

Was ist das Besondere an dem Projekt?

„Beim neuen Kreisarchiv handelt es sich um ein Gebäude, das aus alten und neuen Materialien hergestellt wird“, erklärt Architekt Bernd Volkenannt. Es entsteht nach dem Prinzip der zirkulären Wertschöpfung. „Später wird es eine Art Materiallager für die Zukunft“, sagt Volkenannt. Darüber hinaus hebt er hervor, dass der Bau durchgehend digital geplant worden sei: „Das Projekt lehrt uns, wie wir Gebäude in Zukunft errichten werden.“ Landrat Coenen betont: „Wir sehen hier einen Leuchtturm nachhaltigen Bauens. Hier entsteht ein Gebäude, das wir der nächsten Generation mit bestem Gewissen übergeben können, weil wir durch die nachhaltige Bauweise ein Höchstmaß an ökologischer und ökonomischer Verantwortung übernehmen.“

Wie soll das Kreisarchiv aussehen?

Zentrum des Gebäudes wird ein fensterloser Kubus mit Keller und zwei Obergeschossen, in dem die Archivalien untergebracht werden. Die Form ist ein Verweis auf die in der Region typischen historischen Wehrspeicher, auch Berfes genannt, in denen im Mittelalter schützenswerte Güter verstaut wurden. Diesen dichten Kubus umgeben großflächig verglaste Arbeits-, Lese- und Besuchersäle. Coenen: „Es entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Lichtdurchlässigkeit und Transparenz, zwischen Erdung und Leichtigkeit sowie zwischen Tradition und Moderne.“

Was soll für Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit sorgen?

Das Kreisarchiv wird mit Sonnenkollektoren und Photovoltaik ausgestattet und soll Energie für den eigenen Verbrauch produzieren. Das tieferliegende Dach der Aufenthaltsräume wird begrünt, der Keller mit recyceltem Altglas gedämmt. Im Sommer soll die Fußbodenheizung die Aufenthaltsräume zusätzlich mit Grundwasser kühlen. In der mit 50 Jahren angesetzten Nutzungsphase sollen bei der Instandhaltung 30 Prozent, außerdem 45 Prozent der üblichen Energiekosten eingespart werden.

Was wird das alles kosten?

Laut Prognose des Kreises Viersen aus dem Jahr 2019 insgesamt 14,7 Millionen Euro. Davon sind 5,1 Millionen Euro Fördermittel aus dem Kommunalinvestitionsfördergesetz. Der Kreis rechnet damit, dass im 50-Jahre-Lebenszyklus des Kreisarchivs im Vergleich zu herkömmlichen Neubauten rund sieben Millionen Euro eingespart werden: 3,4 Millionen Euro durch geringeren Energieverbrauch, 144.000 Euro durch geringere CO2-Steuer, 2,3 Millionen Euro bei der Instandhaltung, dazu 1,2 Millionen Euro Einsparung durch den Restwert des Gebäudes und bei der Entsorgung.

Wie geht es weiter?

Ende Oktober soll der Betonbau fertig sein, dann beginnen die Klinkerarbeiten. Bis Ende 2020 sollen Fassade und Außenhaut fertig sein, im Frühjahr 2021 Grünanlagen und Wege angelegt sein. Fertig ist das Kreisarchiv nach aktuellem Zeitplan im Juli 2021. Nach der Trockenphase kann es voraussichtlich im Frühjahr 2022 bezogen werden.