Kreis Viersen: Die Zahl der Taschendiebstähle steigt

Kreis Viersen : Die Zahl der Taschendiebstähle steigt

So funktioniert die Masche der "Antänzer"

Die Kreispolizei Viersen hat eine Aufklärungskampagne gegen Taschendiebstahl gestartet. 121 Mal griffen die Täter in diesem Jahr im Kreis Viersen zu. Die Aufklärungsquote ist mit 5,8 Prozent relativ niedrig.

Nur ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit reichen Taschendieben für ihr kriminelles Handwerk. Im Nu haben sie die Geldbörse entwendet, und die Opfer haben danach alle Hände voll zu tun, um ihre Ausweise, Bankkarten und anderen Papiere wieder zu besorgen. Auf dem finanziellen Schaden und den Folgekosten bleiben die Opfer sitzen, denn Versicherungen ersetzen Schäden aus Taschendiebstählen nicht.

Damit die Bürger wissen, wie sie sich besser schützen können, nimmt die Kreispolizei Viersen seit gestern an einer einwöchigen, landesweiten Präventionskampagne teil. Innenminister Ralf Jäger hat die Aktionswoche gestern in Essen eröffnet. Mit Plakataktionen und Sondereinsätzen klärt die Polizei nun in dieser Woche auch im Kreis Viersen über die Tricks der Taschendiebe auf und warnt vor Orten, an denen Taschendiebe vorzugsweise lauern.

In den ersten sieben Monaten des Jahres 2014 registrierte die Polizei im Kreis Viersen 121 Fälle des Taschendiebstahls. Das sind nach Angaben von Polizeisprecher Harald Moyses 24 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Aufklärungsquote ist mit 5,8 Prozent etwas besser als im Vorjahreszeitraum, doch immer noch niedrig. In 2013 lag die Quote bei 4,9 Prozent. Die Stadt Viersen ist im Kreis auch in diesem Jahr mit 57 Taten am stärksten von Taschendiebstählen betroffen. In Nettetal zählte die Polizei in diesem Jahr 18 Delikte dieser Art, in Kempen und Willich jeweils 14.

Taschendiebe nutzen häufig Situationen, in denen Gedränge herrscht und die Opfer zum Beispiel durchs Einkaufen abgelenkt sind. "Auf Weihnachtsmärkten, Sommerfesten und großen Veranstaltungen muss man sehr aufmerksam sein. Überall, wo Menschen auf engem Raum zusammen sind, greifen die Diebe zu", sagt Polizeisprecher Harald Moyses.

Die Täter verschafften sich aber auch durch Tricks die Gelegenheit zum Diebstahl der Geldbörsen, der Smartphones oder des Bargelds aus den Portemonnaies. "Es gibt den Wechselgeldtrick, den Rempel- oder Antanz-Trick, den Ketchup-Trick, den Karten-Trick oder auch die erbetene Kaufberatung im Supermarkt", so Moyses. Dabei beschmutzen die Diebe ihre Opfer zum Beispiel mit Kaffee oder Speisen und stehlen dann beim "hilfsbereiten" Säubern die Geldbörse. Oder: Unter dem Vorwand, den Weg zu erfragen, wird eine Landkarte vorgehalten.

"Diese Ablenkungen nutzt dann meist ein Mittäter aus, um Handtaschen aus den Einkaufswagen, Geldbörsen oder Smartphones aus der Jacken- oder Manteltasche zu ziehen", sagt der Polizei-Sprecher. Häufig sei es so, dass die Täter zu dritt agierten. "Einer lenkt das Opfer ab, einer klaut, und der Dritte übernimmt sofort das Diebesgut und verschwindet", erklärt Moyses. So könne man dem eigentlichen Dieb nichts nachweisen, falls er kurz darauf gefasst würde.

Die professionell agierenden Täter würden zum Teil auch mit Ausweisen, Bankkarten und Daten aus Mobiltelefonen weitere Straftaten begehen. "Da wird dann beispielsweise das Konto leer geräumt, weil das Opfer die PIN irgendwo notiert und es als fingierte Telefonnummer im Handy getarnt hat", sagt Moyses.

Ein spezielles Opferprofil sieht Moyses nicht. "Jung oder alt, die Opfer reagieren in der Regel alle gleich. Die Situation ist entscheidend." Oft bemerken die Opfer den Diebstahl nicht sofort. Daher sind sie nur selten in der Lage, die Tatverdächtigen zu beschreiben. Oft liegt der Diebstahl schon Stunden oder Tage zurück, was eine erfolgreiche Fahndung nach den Tätern erschwert.

(RP)
Mehr von RP ONLINE