Gemeinde Grefrath: Trecker für Schwangere nicht geeignet

Gemeinde Grefrath : Trecker für Schwangere nicht geeignet

Knatternde Motoren, viel Qualm und Geschichte pur gab es gestern im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath. Beim Treckertreff trafen Hunderte von alten Schätzchen ein und begeisterten die Besucher.

Es ist allein der Sound, der die Herzen der vielen Besucher höher schlagen lässt. Das satte Blubbern der Traktoren erfüllt den Parkplatz neben dem Grefrather Eissportzentrum. Hunderte von Traktoren stehen dicht an dicht und warten auf den Startschuss für das traditionelle Treckertreffen. "Das ist noch Technik, die man verstehen kann", sagt Theo Schneider, der neben seinem Deutz F2L612 steht. Der sei genauso alt wie er selbst, nämlich Baujahr 1958, verrät Schneider mit einem Schmunzeln. Mit einem 15-er Deutz habe er als Kind die ersten Runden auf dem Feld gedreht, das habe geprägt, ergänzt er. Dem kann Norbert Heister nur zustimmen, der heute seinen alten Unimog mitgebracht hat. "Als Kind war man zu klein, um an die Kupplung zu kommen. Da sind wir auf dem Feld immer zu zweit gefahren, da einer die Kupplung bedienen musste", erinnert er sich. Immer mehr lassen ihre Traktoren an. Aus Auspuffrohren schweben Qualmwolken in den Himmel.

Dann ist es soweit. Der erste Traktor rumpelt in Richtung Parkplatzausfahrt. Traktor auf Traktor folgt. Mal sind kleine Planwagen, Anhänger und sogar ein riesiger Bollerwagen angekoppelt. Der Clou aber sind die alten Holzwohnwagen, die hinter den Traktoren hin und her schaukeln. An den Straßenrändern stehen die Zuschauer, Fotoapparate werden gezückt, man winkt und lacht. Es herrscht eine tolle Stimmung und die hält die gesamte Ausfahrt durch Grefrath an. "Einfach nur beeindruckend", bringt es Besucherin Ute Boosen auf den Punkt.

Richtig Zeit zum Gucken, Staunen und Fachsimpeln gibt es rund eine Stunde später, als die alten, allesamt top gepflegten Schätzchen auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums angekommen sind. Besucher schlendern entlang der Reihen, stolze Traktorenbesitzer schwärmen von Fahrten mit ihren historischen Fahrzeugen und erzählen Technisches oder Geschichtliches dazu. "Die Hürlifrauen hat man damals vergessen. Es gab nur Hürlimänner", berichtet Benjamin Kain vom Hürlimann, Baujahr 1944, den er im Korso gefahren hat. Eine Bemerkung, die bei den Besuchern herzliches Lachen auslöst. Die Techniker kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Der Traktor hat keine Verkleidung und gibt so direkt einen Einblick in seine Technik. "Die Hürlimänner nannte man Industrietraktoren, weil sie mehr für den Transport als bei der Feldarbeit eingesetzt wurden", berichtet Heinrich Kauertz, der sich bestens in der Geschichte auskennt. Schließlich ist er der Autor des gerade frisch erschienenen Werkes "Faszination Hürlimann".

Wie ein Magnet wirken die Holzwohnwagen mit ihren Traktoren. "Das ist ein Original-Zigeunerwagen von 1935, denn mein Mann und ich restauriert haben. Entdeckt haben wir ihn auf einer Obstwiese, wo er zwischen den Bäumen stand", sagt Monika Fassbender und gewährt interessierten Besuchern einen Blick ins Innere mit den alten Holzschnitzereinen und dem Original-Holzfußboden. Auch der umgebaute Werkstattwagen mit Veranda der Familie Werths begeistert, wobei deren Zugmaschine den 75. Geburtstag feiert. Der Lanz Bulldog ist nämlich von 1939. Gestartet ruckelt und schuckelt das Gefährt mächtig. "Im alten Betriebshandbuch steht, dass Schwangere nicht mit dem Traktor fahren durften. Wahrscheinlich wegen des Geruckels", erzählt Anja Werths den neugierigen Besuchern.

Mit Schmunzeln wird der daneben stehende Pilsline Lanz Bulldog begutachtet. "Das ist ein Lanz Light", scherzt Hans-Theo Werths, öffnet die Motorenklappe an dem selbstgebauten Holzmodell und gibt den Blick auf einen Kasten Bier frei. Ein ganz besonderer Traktor, den man auch nur beim Treckertreff im Freilichtmuseum erleben kann.

(tref)
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