Stadt Kempen: Fahrräder für Ostfriesland ersteigert

Stadt Kempen : Fahrräder für Ostfriesland ersteigert

Zum Auktionssaal wurde am Samstag das Foyer der Kempener Astrid-Lindgren-Schule in Kempen. Die städtische Service-Stelle brachte diverse Fahrräder, Schmuck und Werkzeugkoffer unter den Hammer.

Der Klassenraum der 4 a wirkt wie ein Magnet. Wer die Astrid-Lindgren-Schule betritt, den zieht es in besagten Raum, und das ist an diesem Samstag nicht weiter verwunderlich. Denn hier stehen 43 Fahrräder, die allesamt auf neue Besitzer warten und diese per Versteigerung finden sollen.

"Da Räder wirklich ständig geklaut werden, bin ich auf der Suche nach einem gebrauchten Rad. Und ich dachte mir, die Versteigerung ist eine gute Gelegenheit", sagt Kosta Tierbakis, der die Fahrradreihen abgeht und sich jeden Drahtesel aufmerksam anschaut. Er ist dabei nicht alleine. Ein gutes Dutzend Besucher drängt sich in dem Klassenzimmer. "Ich bin bei einer der vergangenen städtischen Versteigerungen schon fündig geworden. Heute suchen wir für unseren Sohn ein Rad", verrät Anke Bittner, die schon ein mögliches Objekt ins Auge gefasst hat. Auch Axel Holting ist auf der Suche nach Fahrrädern für seine beiden Kinder. "Im vergangenen Jahr sind uns innerhalb von drei Wochen zwei Räder vor der Haustür geklaut worden. Jetzt halte ich nach gebrauchten Rädern Ausschau", berichtet Holting.

Langsam aber sicher finden sich die Kaufinteressierten nach den Besichtigungen vor den beiden Tischen im Foyer der Grundschule ein, hinter denen das vierköpfige städtische Versteigerungsteam die letzten Vorbereitungen trifft. Die Bescheinigungen für die Fundgegenstände, die den Besitzerwechsel ankündigen, werden ausgelegt, und es wird die Kasse aufgebaut.

Dann geht es los. Manfred Josten, Leiter der Servicestelle der Stadt Kempen, der in die Rolle des Auktionators schlüpft, erklärt das Prozedere. Der Werkzeugkoffer mit der Nummer eins löst nur wenig Interesse aus. Zehn Euro möchte Josten haben, schon bei elf Euro fällt der imaginäre Hammer in Form eines Handzeichens des städtischen Mitarbeiters. Werkzeugkoffer Nummer zwei bleibt ein Ladenhüter und auch der silberne Anhänger sowie die Uhren gehen lediglich für die Mindestgebote weg.

Erst als Axel Stechling das erste Fahrrad auf den Tisch hievt und festhält, damit die rund 50 Bieter alle einen guten Blick haben, erwacht das Interesse. 20 Euro stehen als Mindestgebot im Raum. Blitzschnell gehen Arme hoch und Euro um Euro geht es höher. "Zum Ersten, zum Zweiten", fängt Josten beim Gebot von 30 Euro an. Doch weiter kommt er nicht. Aus der linken Ecke der Bieter kommt ein "Ich biete 33 Euro" von einem jungen Mann. Damit hat das rote Damenrad einen neuen Besitzer. Der nächste Drahtesel ohne Gangschaltung bringt 20 Euro in die Stadtkasse, während das pinke Kinderfahrrad für einen Euro keinen Interessenten findet. Danach aber wird es spannend. Detlef Thomsen führt ein schickes weißes Damenrad, bestens gepflegt, nach vorne. Das Mindestgebot von 70 Euro klettert blitzschnell in die Höhe. Hände fliegen nach oben und die Gebote purzeln in den Raum. Wer überboten wird, schaut sich neugierig nach seinem Mitbieter um. Bei 107 Euro kann Thomas Meertz strahlen. Er erhält den Zuschlag. "Das ist heute mit Sicherheit das beste Rad hier. Wir wollten um die 100 Euro bieten und es hat geklappt", sagt er zufrieden. Dabei hat das Fahrrad nun eine weite Reise vor sich. Es geht nach Norddeich in Ostfriesland. "Wir haben dort ein Ferienhaus für sechs Personen und wollen es gerne mit Rädern ausstatten", erzählt Meertz, der schon ein Auge auf ein weiteres Rad geworfen hat.

Stadtmitarbeiterin Angelika Esser, die an der Kasse sitzt, hat alle Hände voll zu tun. Fundstück nach Fundstück wird versteigert. Jeder Käufer muss direkt in bar zahlen, bevor er die Eigentumsbestätigung seines erworbenen Fundgegenstandes bekommt.

(tref)
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