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NRW-Landtagswahl 2022​: Berger (CDU) wird Biesenbachs Nachfolger​

Landtagswahl 2022 : Berger (CDU) wird Biesenbachs Nachfolger

Der Wipperfürther sicherte sich den Wahlkreis Oberberg-Nord souverän. Auch in Hückeswagen lagen er und die CDU deutlich vor den anderen Parteien. Nach der Wahl gratulierte ein enttäuschter SPD-Gegenkandidat, der schon den Blick auf 2027 richtete.

Es bleibt dabei: Die SPD kann seit den 90er Jahren den Wahlkreis Oberberg-Nord, zu dem auch Hückeswagen gehört, nicht gewinnen: Nachdem ihn seit 2000 fünf Mal nacheinander der Hückeswagener Peter Biesenbach, aktuell NRW-Justizminister, gewonnen hatte, holte ihn jetzt sein Nachfolger Christian Berger. Der 43-jährige Wipperfürther siegte mit deutlichem Vorsprung vor seinem SPD-Herausforderer Thorben Peping. Damit bleibt der im November im Alter von 88 Jahren gestorbene Hans Kern aus Wipperfürth der letzte Sozialdemokrat, der siegreich aus einer Landtagswahl herausging.

 Grünen-Kandidat Uwe Söhnchen (r.) gratuliert dem Wahlsieger Christian Berger (CDU).
Grünen-Kandidat Uwe Söhnchen (r.) gratuliert dem Wahlsieger Christian Berger (CDU). Foto: Stephan Büllesbach

Das erste Wahllokal in Hückeswagen, das sein Ergebnis präsentiert, ist das GBS-Büro (110) auf Wiehagen: Hier liegt SPD-Kandidat Thorben Peping mit einer Stimme Vorsprung (66, 30,14 Prozent) vor seinem CDU-Herausforderer Christian Berger (65, 29,7 Prozent). Bei den Zweitstimmen führt die CDU jedoch mit 30,3 Prozent vor der SPD mit 26,6 Prozent. Nicht eingerechnet ist darin allerdings das Ergebnis der Briefwahl.

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Früh zeigt sich, dass es um das Direktmandat zu dem erwarteten Zweikampf zwischen Berger und Peping kommt. Deutlich wird: Der 23-jährige Student, der für die Sozialdemokraten antritt, holt als Einzelkandidat mehr Stimmen als seine Partei. Doch den Direkteinzug in das Düsseldorfer Parlament wird er nicht schaffen – der 43-jährige Wipperfürther setzt sich nach und nach ab.

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Um 19.24 Uhr geht Christian Berger selbstsicheren Schrittes zusammen mit seinem Mann Marc-Daniel Berger und dem stellvertretenden CDU-Kreisvorsitzenden Jörg Jansen die Rampe zum Kreishaus hoch. Und wie fünf Jahre zuvor Peter Biesenbach bei seinem letzten Wahlsieg, wird er mit Jubel willkommen geheißen: „So sehen Sieger aus“, singt ein Dutzend CDU-Anhänger, die dem Wipperfürther gleich einen Blumenstrauß in die Hand drücken. Es folgen einige Umarmungen, ehe sein unterlegener Kontrahent Peping ihm gratulieren kann.

 Die Statistiken.
Die Statistiken. Foto: grafik

„Das ist ein schönes Ergebnis für einen Newcomer“, sagt ein freudestrahlender Berger. Nun wolle er die Politik zu den Menschen bringen. Dazu hat er schon morgen, Dienstag, die Gelegenheit, wenn die erste Sitzung der neuen CDU-Landtagsfraktion ansteht. Von seinem Vorgänger Peter Biesenbach hat Berger zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört, die Glückwünsche wird er sich aber später am Abend abholen – „Wir werden gleich telefonieren“, versichert er.

Seine Aufgabe als direkt gewählter Kandidat für Oberberg-Nord will der Wipperfürther „mit Demut angehen“. Aber er will auch seinen eigenen Weg beschreiten, auch wenn er in große Fußstapfen seines Vorgängers tritt. Doch erst einmal geht‘s nach der Kreishaus-Stippvisite in die Alte Drahtzieherei in seiner Heimatstadt, wo eine Wahlparty auf den Wahlsieger wartet.

 SPD-Kandidat Thorben Peping (2.v.r.) mit Vater Thomas, Freundin Lisa Fried und Mutter Andrea.
SPD-Kandidat Thorben Peping (2.v.r.) mit Vater Thomas, Freundin Lisa Fried und Mutter Andrea. Foto: Stephan Büllesbach

Für Thorben Peping heißt es dagegen vorerst Bonn statt Düsseldorf, kann doch der jüngste Landtagskandidat in der Geschichte der SPD Oberberg weiter Politikwissenschaften, Soziologie und Psychologie studieren. Das Lindlarer Ratsmitglied und Vorsitzender der Jungsozialisten im Kreis sagt nach seiner Ankunft im Kreishaus: „Das Eine schließt das Andere aber nicht aus.“ So blickt der Lindlarer schon ins Jahr 2027, wenn die nächste Landtagswahl ansteht: „Wenn die Partei mich aufstellt, trete ich wieder an.“ Denn die vorigen Monate hätten ihm „unwahrscheinlich viel Spaß gemacht“, versichert der 23-Jährige, den seine Familie vor dem Kreishaus trotz oder gerade wegen der Niederlage kräftig drückt.

Pepings Fazit zur Landtagswahl: „Wir haben nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Einen Regierungsauftrag sehe ich nicht. Aber Schwarz-Gelb ist abgewählt.“

Das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekommt an diesem Abend Uwe Söhnchen, Kandidat der Grünen, angesichts des Abschneidens seiner Partei. Der Engelskirchener ist sich sicher, dass die Grünen an der neuen Landesregierung beteiligt sein werden. Ob das aber mit CDU oder SPD der Fall sein wird, ist Söhnchen gleich: „Letztlich kommt es auf die Themen an. Es muss zusammenpassen.“ Das vor fünf Jahren abgewählte rot-grüne Regierungsbündnis nennt er rückblickend „Käse“.