1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Der Landtag kommt zu den Realschülern

Wanderausstellung in Hückeswagen : Der Landtag kommt zu den Realschülern

Für zwei Wochen macht die Ausstellung „Landtag macht Schule“ Station in der Realschule. Die Schüler sollen so an Themen wie „Demokratie“ , „Parlament“ und „Wahlen“ herangeführt werden. Eröffnet wurde sie durch Oliver Keymis, einer von drei Landtagsvizepräsidenten.

Winston Churchill hat zwar mal die Demokratie als „schlechteste aller Staatsformen“ bezeichnet, aber auch angefügt: „Ausgenommen alle anderen.“ Dass die Demokratie kein Selbstläufer ist, macht Doro Dietsch am Montagmorgenmorgen deutlich. „Viele junge Leute halten sie für selbstverständlich“, sagt die Sachbereichsleiterin Jugend und Parlament des Landtags im Gespräch mit unserer Redaktion. Demokratie sei aber immer auch Arbeit, stellt sie klar. Das wird auch deutlich auf einer Stele der kreisrunden Ausstellung, die dem nordrhein-westfälischen Landtag nachempfunden ist: „Demokraten müssen wachsen“, heißt es auf der Fläche, die wie ein Bilderbuch gemalt ist. Die Demokratie erweist sich demnach als sensibles Pflänzchen, dass regelmäßig durch Freiheit, Vielfalt, Bildung, Toleranz und Respekt gegossen werden muss.

An den äußeren Stellwänden des Runds geht’s etwa darum, wie der Landtag erlebt werden kann, was ein Jugend-Parlament ist, wie eine Wahl funktioniert, und wer wählen und gewählt werden darf. Das Innere ist dagegen ein Mini-Parlament, bei dem der Blick auf die Regierungsbank mit Hinweisen zu den wichtigsten Parlamentsvertretern wie Landtagspräsident, Ministerpräsident oder Minister fällt. Etwa 20 Realschüler haben dort in Sitzsäcken und auf blauen Würfeln Platz genommen und richten ihre Augen auf das Rednerpult, einem Nachbau des Düsseldorfer Originals.

   Ausschnitt aus der Ausstellung „Landtag macht Schule“: Das zarte Pflänzchen Demokratie muss mit Freiheit, Vielfalt, Bildung, Toleranz und Respekt gegossen werden
Ausschnitt aus der Ausstellung „Landtag macht Schule“: Das zarte Pflänzchen Demokratie muss mit Freiheit, Vielfalt, Bildung, Toleranz und Respekt gegossen werden Foto: Stephan Büllesbach
  • André Kuper (CDU), Landtagspräsident, steht im
    Priorisierung : Landtagspräsident für zügige Impfung der Abgeordneten
  • Landtagspräsident Andre Kuper spricht in der
    Private Italienreise : NRW-Landtagspräsident rügt Abgeordneten wegen Missbrauch von Briefkopf
  • Ein Schild weist auf eine Abitur-Prüfung
    Polizeieinsatz in Erftstadt : Schule verschiebt Abi-Klausur nach verdächtigen E-Mails

Mehrere von ihnen werden später selbst daran treten, um die Politikprominenz zu befragen. Als Erster tritt jedoch Thorsten Schmalt, der die Realschule seit August kommissarisch leitet, ans Rednerpult. Er sei stolz, dass die Realschule die Ausstellung bekommen habe, denn das sei nicht so leicht. Tatsächlich ist es auch dem Engagement von Landesjustizminister Peter Biesenbach zu verdanken, der in Hückeswagen lebt und früher selbst seinen Abschluss an dieser Schule gemacht hat. Alle Klassen, die sich in den kommenden zwei Wochen mit der parlamentarischen Demokratie beschäftigen, werden sich diese Ausstellung ansehen, berichtet Schmalt. An seine Schüler gewandt appelliert er: „Ihr werdet diese Demokratie verteidigen müssen gegen Anfeindungen von außen.“ Zudem verwies er darauf, dass sie nicht nur irgendwann passiv wählen dürften, sondern auch die Möglichkeit hätten, selbst einmal als Politiker am richtigen Rednerpult des Landtags zu stehen.

Keymis, seit 2000 Abgeordneter der Grünen im Landtag und seit 13 Jahren dessen Vizepräsident, geht zunächst auf die Form des NRW-Parlaments ein: Das Runde des Plenarsaals sei eine sehr alte Erfindung und habe sich bewährt. Das bestätigt später auch Bürgermeister Dietmar Persian, der auf den runden Tisch des Stadtrats im großen Sitzungssaal im Schloss verweist, der aus Brandschutzgründen jedoch seit Sommer 2017 nicht genutzt wird. Der Landtagsvizepräsident erzählt, dass alle im Plenarsaal auf Augenhöhe säßen und somit aus der gleichen Position heraus verhandeln und diskutieren könnten. Für ihn ist wichtig: „Demokratie braucht bestimmte Regeln und Anstand.“ Auch wenn es naturgemäß unterschiedliche Meinungen bei den Politikern gäbe, müsse man Demokratie und damit die Meinung des Gegenübers aushalten können. „Dafür bedarf es sehr viel Toleranz, und man muss cool bleiben“, unterstreicht Keymis.

 Oliver Keymis trägt sich unter den Augen von Dietmar Persian (l.) und dem kommissarischen Rektor der Realschule, Thorsten Schmalt, ins Goldene Buch der Stadt ein.
Oliver Keymis trägt sich unter den Augen von Dietmar Persian (l.) und dem kommissarischen Rektor der Realschule, Thorsten Schmalt, ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Stephan Büllesbach

Mehrere Schüler trauen sich schließlich ans Rednerpult. Dabei liegen ihnen vor allem Umweltthemen am Herzen. Wie die Politik dazu beitragen kann, dass Plastikmüll verringert werden kann, will etwa eine Redakteurin der Schülerzeitung wissen. Keymis sagt, dass einiges in Deutschland schon ganz gut laufe, aber eben noch nicht gut genug. Er macht aber auch ein Problem von Demokratie deutlich: „Demokratie braucht Zeit“, sagt er. „Wir können zum Beispiel Plastiktüten abschaffen, aber dafür muss es eine politische Mehrheit geben.“ Es gibt eben viele Dinge, die die Realschüler noch lernen müssen – und ebenso die Erwachsenen. Die Ausstellung „Landtag macht Schule“ will dabei helfen.