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Theaterverein Frohsinn Brück Kleingladbach mit "Kaviar trifft Currywurst" 2019

Theaterverein Kleingladbach : Spelunke wird zum Gourmet-Tempel

Das Ensemble des Kleingladbacher Theatervereins Frohsinn Brück schaffte binnen 24 Stunden das vermeintlich Unmögliche.

Erna Wutschke (gespielt von Sandra Schnelle) ist am Boden zerstört. Innerhalb von 24 Stunden muss sie ihre heruntergekommene Dorfkneipe „Zum warmen Würstchen" in einen piekfeinen Gourmet-Tempel verwandeln. Ihr schwerreicher Cousin Prinz Harry von Anhalt (Jörg Markmann), der eigentlich auf den Bahamas lebt, hat völlig überraschend seinen Besuch in Kleingladbach angekündigt. „Kaviar trifft Currywurst" heißt der urkomische Dreiakter von Winnie Abel, mit dem die elf Bühnen-Akteure des Theatervereins Frohsinn Brück an ihre Erfolge aus der Vergangenheit mühelos anknüpften.

In zwei ausverkauften Vorstellungen in der Mehrzweckhalle am Amselweg machten sie für einige Stunden wahr, was in Kleingladbach schon lange der Vergangenheit angehört – die Existenz einer Dorfkneipe. Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle, Ehemann der Hauptdarstellerin, Regisseurin und Vorsitzenden des Theatervereins, begrüßte die zahlreichen Besucher und hoffte, dass die turbulente Inszenierung auch der Inspiration dienen könne: „Vielleicht hat ja jemand Lust, in Kleingladbach wieder eine Kneipe zu eröffnen."

Rund vier Stunden dauerte Erna Wutschkes verzweifelter Versuch, dem millionenschweren Verwandten, der seinen Adelstitel nur gekauft hat, vorzugaukeln, dass sein Geld, das sie sich von ihm gepumpt hat, gut investiert ist in ein vornehmes Feinschmecker-Restaurant. Dabei helfen der ungepflegt wirkenden Wirtin mit den fettigen Haaren, die auf Sauberkeit nur wenig Wert legt, ihre wenigen Stammgäste und ihr arbeitsloser Lebensgefährte Blümchen (Arndt Holten). Die einfältige Sandy Stutzke (Britta Regn) verwandelt sich vorübergehend in eine feine Dame, die sogar Prinz Harry von Anhalt überzeugt. Über die schmutzigen Stühle werden weiße Bettlaken geworfen, auf der beim Mitbewerber Wolfgang Schuster (Lukas Dilsen) gestohlenen Tafel vermerkt Erna Wutschke kurzerhand „Lachs im Teichmantel an gestifteten Kartoffeln in Tomatenschuß" zum stolzen Preis von 39,50 Euro – eine vornehme Umschreibung für den ordinären Backfisch mit Fritten und Ketchup.

Denn Aufgeben ist für die resolute Frau, die Blümchens etwas tollpatschige Heiratsanträge zur Musik aus dem Kassettenrecorder immer wieder ausschlägt, keine Option. Auch wenn der Kleingladbacher Bürgermeister Dieter Döge alias Jakob Paulussen mit seiner eingebildeten Ehefrau Annabell (Monika Paulußen) in der nur wenig einladenden Schankwirtschaft auftaucht und Druck macht, weil das Rauchverbot nicht eingehalten wird, lässt sich Erna nicht beeindrucken. Döge, der die eigenwillige Hut-Kreation von Modeschöpferin Annabell unter dem beziehungsreichen Motto „Alltagsgegenstände neu interpretiert" tragen muss, wird mit Hochprozentigem abgefüllt und kann sich später an nichts mehr erinnern. Und so gelingt das scheinbar Unmögliche – Erna Wutschke kann ihre geliebte Spelunke behalten.

Bereits seit Mai hatte das elfköpfige Ensemble um Sandra Schnelle zweimal pro Woche geprobt. Schon seit einigen Wochen war die Premiere restlos ausverkauft, später auch die zweite Aufführung. Zahlreiche befreundete Theatervereine wollten sich die neue Inszenierung der Kleingladbacher nicht entgehen lassen, darunter die Baaler Bürgerbühne, die Nysterbachbühne Lövenich und die Schwalmbühne Harbeck aus Wegberg.