Niederrhein: Die Landebahn auf der Autobahn 57 zwischen Alpen und Sonsbeck ist Geschichte

Militär-Relikt aus dem Kalten Krieg : Die A 57-Landebahn ist Geschichte

Mit der Baustelle auf der Autobahn zwischen Alpen und Sonsbeck ist ein Militär-Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges verschwunden. Bis 1995 wurde der Notlandeplatz für den Verteidigungsfall in Schuss gehalten.

Auf einer Länge von 2400 Metern geht es zwischen den Anschlussstellen Alpen und Sonsbeck auf der A 57 nur geradeaus. Keine Kurven, keine Brücken, keine Überland-Stromleitungen, keine großen Steigungen – und an den Enden glatt betonierte Rastplätze. Was viele nicht wissen: Das Stück Autobahn war als Flugzeug-Notlandeplatz für den Verteidigungsfall vorgesehen. Wäre aus dem Kalten Krieg ein heißer geworden, so hätte die Autobahn mit geringem Aufwand rasch in eine Landepiste für Militärflugzeuge umfunktioniert werden können.

Mit der Erneuerung der Fahrbahn zwischen Alpen und Sonsbeck verschwindet der Notlandeplatz. Nach dem Rückbau der Baustelle für den Winterbetrieb ist gut zu sehen, dass auch der asphaltierte Mittelstreifen Geschichte ist. Beim Bau des Autobahn-Abschnitts Ende der 1970er Jahre waren die Leitplanken-Pfosten auf dem Mittelstreifen in Hülsen im Boden gesteckt worden, um sie im Krisenfall für eine freie Bahn rasch demontieren zu können.

Andreas Imhof ist einer der Hobby-Forscher, die sich bereits vor Jahren auf Spurensuche an der A 57 begeben haben. „Ich bin damals durch Zufall auf den Notlandeplatz aufmerksam geworden“, berichtet der Rheinberger. Die bordsteinfreien Rastplätze, der asphaltierte Mittelstreifen – all diese Dinge waren ihm damals merkwürdig erschienen. „An den Parkplätzen Hamb und Bönninghardt gab es Rollwege, die auf die Autobahn führten, und Schaltkästen für Strom. Außerdem sind mir mysteriöse Löcher im Betonboden aufgefallen“, sagt Andreas Imhof, der alle für ihn zugänglichen Infos zusammengetragen hat. Er geht davon aus, dass die Rastplätze als Abstellfläche für Flugzeuge hätten dienen sollen.

Tatsächlich ist der A 57-Landeplatz unter der alten Alpener Postleitzahl 4234 als „NLP III/3“ in einschlägigen Verzeichnissen aufgeführt. Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr bestätigt die Existenz des Platzes. „Die Bundeswehr hat seit Juni 1995 alle Notlandeplätze auf Bundesautobahnen aufgegeben“, sagt eine Sprecherin des Bundesamtes. Die Plätze seien sowohl als Ausweichflugplätze für militärische Flughäfen als auch für die schnelle Erreichbarkeit des „Ausweichsitzes der Verfassungsorgane des Bundes“, also für den „Regierungsbunker“ bei Bonn, vorgehalten worden. Zum Einsatz gekommen wären sie im Krisen- und Verteidigungsfall. „Bis 1986 hat die Luftwaffe in Westdeutschland 17 Notlandeplätze beübt“, sagt die Sprecherin. Die A 57 sei jedoch nie für eine Übung oder ein militärisches Manöver genutzt worden.

Die Autobahn nordöstlich von Geldern als Ausweichflughafen? Bis 1995 stand das Teilstück in den Plänen der Bundeswehr. „Bezeichnend für den Notlandeplatz auf der A 57 ist, dass es in direkter Umgebung keine Brücken gibt. Flugzeuge hätten ohne Hindernisse an- und abfliegen können“, sagt der Militärexperte und Oberstleutnant Heiner Möllers. Er ist im Zentrum für Militärgeschichte der Bundeswehr in Potsdam beschäftigt. „Notlandeplätze wurden vielerorts bereitgehalten. Im Verteidigungsfall hätten die Nato-Verbündeten irgendwo landen müssen. Natürlich wären auch bestehende Flugplätze für Angreifer ein primäres Ziel gewesen.“ So sei es im Falle eines dritten Weltkriegs Ziel gegnerischer Streitkräfte gewesen, Luftkriegsmittel der Nato auszuschalten. Deshalb hatte die Bundeswehr alternative Landeplätze bereitgehalten. Einen zwingenden Zusammenhang mit dem nahen Airport Weeze, der bis 1999 ein Stützpunkt der Royal Air Force gewesen war, sieht Möllers indes nicht. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Fall des Eisernen Vorhangs sollen die Pläne der Nato weitgehend auf Eis gelegt worden sein. „Seit Anfang des Jahrtausends werden die Notlandeplätze zurückgebaut“, sagt Heiner Möllers.

Die Grafik zeigt den schnurgeraden Verlauf der A 57 zwischen den Rastplätzen. Foto: Podtschaske

Genau das passiert gerade zwischen Alpen und Sonsbeck. Mit neuen Schutzplanken auf dem Mittelstreifen und neuen Asphaltdecken sind die meisten Spuren der Landebahn bereits verschwunden. „Die Entfernung der Hülsen beziehungsweise der gerammten Leitplanken war schwieriger als ursprünglich angenommen“, berichtet Straßen-NRW-Sprecher Norbert Cleve von den Herausforderungen, mit denen die Bauarbeiter bei der Erneuerung der Strecke zu kämpfen hatten. An den Parkplätzen Hamb und Bönninghardt seien sie auch auf Kabelverbindungen und Schächte gestoßen. Alte Treibstofftanks zur Betankung von Flugzeugen hingegen sollen sich nicht unter den Parkplätzen befinden.

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