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Jugendamt: Viele Kinder aus Sonsbeck sind potenziell gefährdet

Schutz von Kindern in Sonsbeck : Nur im Notfall in Jugendamt-Obhut

Ein Bericht des Kreisjugendamtes im Sonsbecker Schulausschuss zeigte auf, dass in der Gemeinde relativ viele Kinder potenziell gefährdet sind. Der Allgemeine Soziale Dienst sieht sich aber gut aufgestellt, um zu helfen.

Von der Geburtshilfe für junge Mütter über die Beratung bei Sorgerechtsfragen bis zur Inobhutnahme von gefährdeten Kindern und Jugendlichen bietet das Kreisjugendamt Wesel ein ganzes Spektrum an Unterstützungen an, um das Kindeswohl zu sichern. Im Schulausschuss stellten Tanja Witthaus, Leiterin des Jugendamtes Kreis Wesel, und Doris Christ, Leiterin der Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD), die verschiedenen Leistungen vor und präsentierten Zahlen, wie viele Kinder in Sonsbeck von ihnen profitieren. Erstaunt waren einige Ausschussmitglieder über die relativ hohe Zahl an Mädchen und Jungen in Sonsbeck, bei denen der ASD ein Gefährdungspotenzial ausmachte.

Eine wichtige Aufgabe des Jugendamts sei die Einschätzung, ob eine Kindeswohlgefährdung zu erwarten ist, sagte Doris Christ. Mit Blick auf die Daten aus dem Jahr 2020 (Auswertung für 2021 liegt noch nicht vor), zeigte sie auf, dass in Sonsbeck bei 23 Kindern ein Gefährdungspotenzial bestanden habe. „Das hat uns auch überrascht“, sagte Christ. Denn damit lag der Wert in der kleinen Kommune vergleichsweise hoch. Im gesamten Zuständigkeitsbereich des ASD Xanten, worunter auch die Gemeinden Alpen und Sonsbeck fallen, wurde für 86 Kinder ein Gefährdungspotenzial gesehen. „In solchen Fällen besteht ein Fehlverhalten der Eltern oder Dritter, manchmal auch schlichtweg aus erzieherischem Unvermögen“, erklärte Christ. Mit intensiven Beratungen und Hilfen werde abzuwenden versucht, dass die Kinder mit Gewalt oder sexualisierter Gewalt konfrontiert würden. Ein sensibler Aufgabenbereich, wie Christ verdeutlichte. „Für uns ist es besser, Kinder in den Familien lassen zu können“, sagte sie. „Kinder wollen keine anderen Eltern, sie wollen, dass ihre Eltern anders sind.“

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Sechs Kinder mussten letztlich aber in Obhut genommen worden, „weil die Bedrohungslage so groß war, dass wir sie schützen mussten“, sagte die ASD-Leiterin. Jedoch sei das Jugendamt auch verpflichtet, Kinder aufzunehmen, wenn sie dies selbst wünschen, ohne über die Notwendigkeit zu urteilen.

Insgesamt haben acht Kinder aus Sonsbeck 2020 stationäre Hilfen erhalten, sie wurden also in einem Heim betreut. 25 Kinder kamen bei Pflegeeltern unter. „In Sonsbeck gibt es eine sehr fürsorgliche Bevölkerungsstruktur, mit mehreren Familien, die bereit sind, ein Kind über einen kurzen oder auch längeren Zeitraum aufzunehmen“, lobte Christ. „Für uns ist das eine wahnsinnige Entlastung.“

Auf Nachfrage der Ausschussmitglieder, ob die Corona-Pandemie sich auf die Fallzahlen auswirke, gaben die Jugendamtsmitarbeiterinnen an, dass es 2021 keine drastischen Veränderungen gegeben habe. „Aber jetzt“, ergänzte Christ. Zum Ende des Jahres mache sich die Erschöpfung der Familien bemerkbar: „Die Kinder leiden sehr unter dem Wegfall der sozialen Kontakte und die Eltern werden dünnhäutiger, so dass Konfliktsituationen schneller entstehen.“ Bürgermeister Heiko Schmidt warb dafür, die Beratungsangebote nochmals in den Kitas vorzustellen, um Erziehern mögliche Wege bei einem Verdacht auf Kindesgefährdung aufzuzeigen.

Auf dem Weg zu einem inklusiven Jugendamt ist der ASD zudem für Kinder zuständig, die von einer seelischen Behinderung oder von einem psychiatrischen Störungsbild betroffen sind. So sind 2020 für 33 Sonsbecker Kinder Ambulante Hilfen geleistet worden, die an einer seelischen oder psychiatrischen Erkrankung leiden und die sich zu einer Behinderung manifestiert hat. Vier Kinder davon erhielten eine Betreuung über die Integrationshilfen an Schulen. „Durch die Auflösung der Förderschulen gibt es aber immer mehr Kinder, die im öffentlichen Schulsystem nicht mehr ausreichend betreut werden können“, sagte Christ. Für acht Kinder mussten daher Schulersatzmaßnahmen gefunden werden. In zwei Fällen waren die Störungsbilder so gravierend und unabänderbar, dass die Kinder nicht mehr zu Hause leben konnten. Sie mussten stationär betreut werden. „Das sind zum Beispiel autistische Kinder oder junge Mädchen mit einer schweren Magersucht“, verdeutlichte die ASD-Leiterin. Der stationäre Aufenthalt sei nicht zwangsläufig bis zur Volljährigkeit notwendig.

Im gesamten Zuständigkeitsbereich des ASD Xanten waren 2020 164 Kinder mit seelischen Erkrankungen auf die Ambulante Hilfe angewiesen, davon erhielten 57 Integrationshilfen an Schulen, 38 wurden in Schulersatzmaßnahmen betreut, zehn bedurften stationäre Hilfen.

(beaw)