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Erkelenz: So still feierten die Ortsteile St. Martin

Im kleinsten Kreis : So still feierten die Erkelenzer Ortsteile St. Martin

Martins-Umzüge waren wegen der Pandemie in diesem Jahr verboten. Damit die Kinder in den Erkelenzer Ortsteilen nicht völlig leer ausgehen, haben sich die Vertreter Corona-konforme Wege ausgedacht.

Die Vorgabe war eindeutig: Martins-Umzüge sind in diesem Jahr nicht gestattet. „Bis Ende Oktober hatten wir eine Genehmigung für einen entsprechenden Umzug“, erklärte Peter London für den Stadtteil Gerderath. Im letzten Jahr hatten ca. 3000 Menschen das Martinsfest gefeiert. Etwa 770 Tüten waren diesmal bestellt. Alles vergeblich? „Aus dem Martinszug wurde eine Verteilaktion“, erklärte London. Mit vielen Helfern entwickelte das Komitee einen Corona-gerechten Parcour. Ganz verzichten wollte man in Gerderath nicht. „Einzelne Kinder haben sogar ein bisschen gesungen“, erzählte Peter London. Viele Helfer sorgten für die Einhaltung der Hygieneregeln, die Aktion wurde eigens auf sechs Stunden ausgedehnt, damit etwa 700 Tüten zu den Kindern gelangten.

Auch in der Kita St. Anna Keyenberg/Borschemich ließen die Erzieherinnen es sich nicht nehmen, den Kindern ihr Fest zu bescheren. Die Kleinen kamen in der Dämmerung zur Kita. Mit Unterstützung der Eltern ließen sich Abstandregelungen einhalten und dabei Kakao und Weckmänner genießen. Eine Feuerschale im Außengelände verbreitete wohlige Wärme. Mit den Laternen zogen die Kinder im Außengelände durch die Kita. Und zum Abschluss erhielt jedes Kind noch eine prall gefüllte Tüte, für deren Inhalt zahlreiche Sponsoren gesorgt hatten.

Auch die Bürgermeinschaft Flachsfeld ergriff Initiative und plante. „Durch die Vorgaben mussten wir unser Konzept völlig umstellen“, beschrieb Klaus Steingießer die Lage Ende Oktober. „Die etwa 70 Weckmänner reisten in einem Lastfahrrad, getreten von dem heiligen Mann in Form von Bürgermeister Stephan Muckel. Im Flachsfeld begleiteten ihn zwei Engel und einsamen Radler und unterstützten die Aktion. Zwischendurch erklang auch Musik, diesmal vom Handy.

Vor 30 Jahren siedelte Theodor Kryk nach Erkelenz, die Martinstradition brachte er aus Schlesien mit: „Ich schmücke jedes Jahr mein Haus, damit die Kinder und Erwachsenen sich an das Fest erinnern.“ Viele Lampignons, Lichter, Lichterketten und Kerzen verbreiten in dem Haus in Oestrich einen feierlichen Glanz. In diesem Jahr war Theodor Kryk der einzige in seiner Straße, aber das störte ihn nicht. „Im nächsten Jahr sind bestimmt wieder mehr dabei.“

Mit vielen Lichtern feierten die Oerather ihren Martinsabend. Der traditionelle Umzug mit dem großen Feuer auf dem Feld entfiel. Aber die Oerather Regel sollte bestehen bleiben: „Oerather Kinder bekommen ihre Martinstüte geschenkt.“ „Wir hatten eine feste Aufgabenverteilung“, erklärte Bernd Brückner die Hygieneregeln. St. Martin legte die Tüten vor den Häusern auf Tischen und Bänken ab. Per Info-Zettel waren die Bewohner gebeten worden, ihre Häuser zu beleuchten, nahezu alle waren dem nachgekommen. „Als wir zu einem Haus kamen und dort eine Trompete aus dem Eingang erklang, hatten wir schon feuchte Augen“, beschrieb Brückner den Abend.