Ryanair-Ableger Laudamotion will ab Düsseldorf weitere Städte anfliegen

Interview mit Laudamotion-Chef Andreas Gruber : „Trotz steigender Kerosinpreise günstige Tickets“

Der Ryanair-Ableger Laudamotion drängt auf weitere Startrechte in Düsseldorf. Gerade Städte sollen angeflogen werden. Von einer Sonderabgabe auf Kohlendioxid hält er nichts und will in Düsseldorf gerne später landen dürfen. Die Landesregierung blockiert bisher.

Herr Gruber, Laudamotion bietet auch ein Jahr nach Start manche Tickets ab Düsseldorf für 9,99 Euro an. Kriegen Sie die Jets nicht voll?

Gruber Mit der Buchungsperformance in Düsseldorf sind wir äußerst zufrieden. Die Angebote sind Teil unserer Strategie, um unsere Flüge zu 18 Zielen ab Düsseldorf zu vermarkten. Um günstige Preise anzubieten, müssen wir aber die Flüge hoch auslasten. Unser Ziel von 94 Prozent Auslastung können wir ab hier sehr gut erreichen.

Ryanair verkauft Tickets ohne Gepäck im Schnitt für 40 Euro, günstiger als viele Wettbewerber. Folgen Sie dieser Taktik trotz steigender Preise für Kerosin?

Gruber Wir setzen auf ein vergleichbares Preisniveau und haben trotz steigender Kerosinpreise sehr günstige Durchschnittspreise unserer Tickets. Je nach Jahreszeit, Nachfrage und Ziel variieren die Preise natürlich.

Lauda hat den Status als heimatlicher Carrier in Düsseldorf beantragt, um bis 24 Uhr statt bis 23.30 Uhr landen zu dürfen. Warum?

Gruber Lauda ist mit sieben stationierten Jets einer der drei größten Carrier in der NRW-Hauptstadt. Zusätzlich haben wir vor Ort eine Wartungsbasis für unsere Flugzeuge. So tragen wir dazu bei, Arbeitsplätze zu schaffen und für Konkurrenz zu sorgen. Der Home Base Carrier Status ist für uns sehr wichtig, um diese Bedeutung für die Region deutlich zu unterstreichen und Wartungen abends durchzuführen.
Landesregierung und Anwohner wollen nicht mehr Spätlandungen.

Gruber Die große Nachfrage beweist, dass unser Angebot gut angenommen wird. Seit unserem Start im März 2018 sind vier Millionen Passagiere mit uns geflogen, davon 1,5 Millionen ab Düsseldorf. Wir wollen Spätlandungen im Interesse der Anwohner und Passagiere unbedingt vermeiden. Die planmäßigen Landungen sind darum größtenteils bis 22 Uhr geplant, sodass wir einen ordentlichen Puffer in den Plan eingebaut haben, um sehr späte Landungen zu vermeiden. Ein gutes Miteinander zwischen Anrainer, Airport und Airlines ist uns sehr wichtig.

Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, reines Anhängsel von Ryanair zu sein?

Gruber Wir sind sehr stolz darauf, dass Lauda ein wichtiger Bestandteil der Ryanair-Gruppe ist. Unsere Muttergesellschaft garantiert uns rasches Wachstum und wir profitieren durch Synergieeffekte. Als eigene Marke innerhalb der Ryanair-Gruppe unterscheiden wir uns aber deutlich von unserer Schwestergesellschaft Ryanair. Wir werden aus Wien geführt, fliegen einen anderen Flugzeugtyp mit Airbus, betreiben Basen und fliegen eigene Zielgebiete an. Außerdem zeichnet uns ein gewisser österreichischer Charme an Bord aus.
Die Laudamotion-Seite im Internet ist doch nichts anderes als die Webseite von Ryanair ergänzt um das Laudamotion-Logo, oder?

Gruber Wir benutzen das Reservierungssystem unseres Partners, um einfache und effiziente Buchungen für unsere Kunden zu gewährleisten. Außerdem sind unsere Flüge auf der Ryanair Website buchbar. Diese Website ist die meistbesuche Reisewebsite weltweit, also haben wir sehr große Vorteile. Umgekehrt können aber Flüge unseres Partners auch auf unserer Website gebucht werden. Kürzlich haben wir auch unsere eigene App veröffentlicht, in der man in nur drei Schritten Flüge buchen kann und auch leicht den Check-In erledigen kann. Aber wir haben klare Schwerpunkte: Köln und Weeze bleiben beispielsweise Ryanair-Standorte, Düsseldorf und Wien sind Laudamotion-Standort.

Ihre Vorgängerfirma Niki war praktisch reiner Urlaubsflieger. Und Laudamotion?

Gruber Im vorigen Sommer haben wir die meisten Flüge zu Feriendestinationen angeboten. Schon seit Winterflugplan haben wir aber unser Netz auf City-Strecken deutlich ausgebaut. Wien war die erste Basis mit vielen City-Strecken. Auch in Düsseldorf bauen wir unser City Netz aus. Seit März fliegen wir neu nach Kopenhagen, Mailand, Stockholm, Palermo und Neapel. Trotzdem stehen Feriendestinationen ganz oben auf unserer Prioritätenliste, wie wir mit sechs täglichen Flügen von Düsseldorf nach Palma de Mallorca beweisen.

Welche Ziele haben Sie am Rhein?

Gruber In den nächsten drei Jahren möchten wir unsere Flotte auf elf bis zwölf Jets ausbauen. Diese Kapazität möchten wir nutzen, um weitere Cities ab Düsseldorf anzufliegen. Um das Wachstum zu garantieren, brauchen wir aber unbedingt noch zusätzliche Start- und Landerechte (Slots) vor Ort, woran wir intensiv arbeiten.

Also würden Sie begrüßen, wenn der Flughafen die umstrittene Kapazitätserweiterung genehmigt bekommt?

Gruber Mehr Slots bringen mehr Wettbewerb und damit auch ein besseres Angebot, sowohl für Flüge nach Düsseldorf als auch von NRW in die Welt. Zusätzliche Kapazitäten begrüßen wir sehr. Sie bringen dem Wirtschaftsstandort NRW Vorteile.

Auf den Rennstrecken nach München und Hamburg fliegt ab Düsseldorf nur die Lufthansa-Gruppe. Bald auch Sie?

Gruber Nein, innerdeutsche Flüge stehen aktuell noch nicht auf unserem Programm.

Der Ferienflieger Condor steht zum Verkauf. Interesse?

Gruber Priorität Nummer Eins ist, unser Wachstum und die schlanken Strukturen zu erhalten, um günstige Tickets anbieten zu können. Eine Übernahme der Condor durch die Lufthansa-Gruppe wäre jedenfalls ein schlechtes Zeichen, da gerade die Dominanz in Düsseldorf durch Eurowings und in Frankfurt durch Lufthansa weiter ausgebaut werden würde. Dadurch hätten die Passagiere erhebliche Nachteile, da die Ticketpreise wieder rasant steigen würden. Aus Wettbewerbssicht wäre die Übernahme durch die Lufthansa der falsche Schritt. Aber ich vertraue auf die zuständigen Behörden, dass sie richtig entscheiden.

Ryanair ist als Airline mit den meisten Flugzeugen in Europa zehntgrößter Emittent von Kohlendioxid in Europa. Brauchen wir eine Ökosteuer für Airlines?

Gruber Airlines zahlen bereits einen hohen Betrag für Emissionszertifikate. Zusätzliche Steuern halte ich für sehr problematisch, da der Flugverkehr die gute Erreichbarkeit von Regionen sicherstellt. Davon abgesehen hat Ryanair pro Passagierkilometer die niedrigsten CO2-Emmissionen aller Airlines Europas.

Reinhard Kowalewsky führte das Gespräch. Bei der Interview-Absprache ist Andreas Gruber als Chef von Laudamotion eines wichtig: Er gäbe den Text selber frei, nicht der Mutterkonzern Ryanair, betont er. Düsseldorf ist für das Unternehmen zweitwichtigster Standort nach dem heimatlichen Wien.

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