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Barack Obama in Köln: Große Show in der Lanxess-Arena

Obama in Kölner Lanxess-Arena : „Jeder, der US-Präsident werden will, hat ein gesundes Ego“

Der frühere US-Präsident Barack Obama sprach vor 14.000 Gästen in der Lanxess-Arena übers Kaffeekochen, Ausschlafen und seine Freundin Angela Merkel. Am Freitag reist er weiter zu ihr nach Berlin.

Barack Obama gilt als einer der besten Redner der Welt. Diese Gabe hat ihm auch geholfen, als erster Afroamerikaner Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Glaubwürdige Positionen auf den Punkt zu bringen wie bei seiner Wahlkampagne „Yes we can“ – das ist sein Geheimnis. Am Donnerstagabend kam der 57-Jährige nach Köln und sprach vor 14.000 Besuchern in der Lanxess-Arena.

Alles wirkte wie eine etwas zu groß geratene Vertriebsshow, bei der eigentlich nur noch Carsten Maschmeyer fehlte, der den Popcorn naschenden Zuschauern predigte, dass jeder von ihnen Präsident werden könne. „World Leadership Summit“ heißt betont bescheiden das Format der Kölner Agentur Gedankentanken, die Rednerabende organisiert und dabei reihenweise Motivationstrainer auf tatsächliche, angehende oder Möchtegern-Führungskräfte loslässt. Im Herbst hatte das Format bei seiner Premiere großen Erfolg und füllte die Kölner Halle bis auf den letzten Platz. Nun bei Barack Obama gelang dies nicht ganz. Von den 14.000 Zuschauern hatten nur etwa 12.000 bezahlt (der Rest ging gratis an Ehrenamtler). Wohl zu teuer waren die Tickets, deren Preis von 80 Euro bis 5000 Euro (inklusive Dinner und Obama-Selfie) reichte.

Trotzdem: Rockstar-Atmosphäre in der Arena, und wie es sich gehört, ein langatmiges Begleitprogramm, unter anderem mit dem Bonner Start-up-Unternehmer Frank Thelen. Motivationstrainer Cristián Gálvez befragte Obama zum Thema Menschenführung. Was er als erstes nach dem Auszug aus dem Amt gemacht habe, wollte der Moderator wissen. Obamas Antwort: „Sehr lange geschlafen.“ Der Gast gab sich betont locker. Plauderte darüber, welche Alltäglichkeiten er als Privatmann erst einmal wieder erlernen musste – „Kaffee kochen. Ich hatte nie Kaffee kochen müssen.“ 

Am 20. Januar 2017 hatte Obama die Schlüssel im Weißen Haus an Donald Trump übergeben. Bis heute wohnt die Familie in Washington, Tochter Sasha geht noch zur Highschool. Obama hat in den vergangenen Monaten ein Buch geschrieben, das im Herbst erscheinen soll. Seine Frau Michelle hat die Latte bereits hoch gelegt: Ihre Biografie „Becoming“ steht auch in Deutschland auf den Bestseller-Listen. „Sie ist schön, sie ist schlau und sie kann tanzen“, schwärmte er über seine Frau. „Sie spricht öffentlich über Dinge, bei denen sich die Menschen wiederfinden – über unsere Kinder und darüber, dass ich nie meine Schuhe wegräume.“ 

Die Zuhörer konnten einen Eindruck vom Leben im Weißen Haus erhaschen: „Frühere Präsidenten konnten noch einen Monat jagen gehen. Wenn ich mal eine halbe Stunde weg war, hieß es: wo ist Obama?“ Was eine gute Führungskraft ausmache, wollte der Moderator wissen: „Als Leader muss man zuhören können, das war das Erste, was ich gelernt habe.“ Ob Trump ein guter Leader sei? „Jeder, der US-Präsident werden will, hat ein gesundes Ego“, sagte Obama, der nicht mit Anekdoten geizte: „In Meetings sprechen Frauen oft ruhig, dass ich dachte: Seid doch dynamischer! Männer sprechen oft zu laut, dass ich dachte: Seid doch mal ruhig!“ Als Präsident habe er spontan oft die Mitarbeiter in der zweiten Reihe gefragt. „Ich war beeindruckt, wie tief sie im Thema waren.“

Der Ex-Präsident zeigte sich teils selbstkritisch: „Manchmal vergisst man, dass es in der Demokratie viele verschiedene Interessen gibt. Als König kann man durchregieren, als Präsident nicht.“ Auch seine Administration habe Fehler gemacht in den acht Jahren, „aber aufrichtige Fehler – nicht aus böser Absicht.“ Im Amt lerne man, Entscheidungen auf Basis von Wahrscheinlichkeiten zu treffen. „Mir war es immer wichtig, alle Fakten zu kennen. Beispiel Weltwirtschaftskrise 2009: Wir entschieden, die Banken zu verstaatlichen, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass es funktionierte, vielleicht nur bei 50 Prozent lag.“

Am Freitag wird Kanzlerin Angela Merkel den früheren US-Präsidenten zu einem vertraulichen Gespräch in Berlin empfangen. Dem Vernehmen nach wird es bei dem Treffen auch um das seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump belastete transatlantische Verhältnis gehen. „Ich freue mich, morgen meine Freundin Angela Merkel zu treffen“, sagte Obama.

(RP)