Düsseldorf Streikwelle bei Bahn, Germanwings und Kitas

Düsseldorf · Heute bleiben die Maschinen der Lufthansa-Tochter am Boden. Bei der Awo wird Ende Oktober gestreikt.

Selten haben die deutschen Gewerkschaften die Bürger derart geballt mit Arbeitskämpfen überzogen: Gestern rief zunächst die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihre Mitglieder zu einem 14-stündigen Streik bei der Deutschen Bahn auf. Der hatte noch nicht begonnen, da kündigte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit für heute von 12 Uhr bis Mitternacht einen Ausstand bei der Lufthansa-Tochter Germanwings an. Am Nachmittag gesellte sich dann noch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik bei den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in NRW dazu: Bis zum dritten Verhandlungstermin am 28. Oktober in Düsseldorf kommt es an nahezu jedem Tag zu Aktionen bis hin zu ganztägigen Warnstreiks in Kindertagesstätten, Seniorenheimen oder Pflegeeinrichtungen. Im Rheinland wird nach Verdi-Angaben am 27. und 28. Oktober gestreikt.

Gestern waren es aber zunächst die Kunden der Deutschen Bahn, die einen langen Atem benötigten. Nach Bahn-Angaben fuhr nur etwa ein Drittel der Fernzüge. Der Regionalverkehr sei in Ostdeutschland in vielen Regionen völlig zum Erliegen gekommen, in Hamburg und Bayern dagegen nur punktuell. Berufspendler könnten heute aber wieder auf einen störungsfreien Betrieb hoffen. Zusätzliche Verkehrsprobleme verursachte eine Bombenentschärfung in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens.

Angesichts der massiven Streiks warnten Verbände bereits vor den Folgen für die Wirtschaft: "Der Lokführerstreik ist unverhältnismäßig und verantwortungslos", sagte Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. "Neben den Zugreisenden trifft er auch den Güterverkehr in erheblichem Maße und schadet damit dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Zusätzlich schadet die GDL der Akzeptanz des Verkehrsträgers Schiene nachhaltig."

Damit Zulieferteile für die Automobilindustrie rechtzeitig an die Bänder gelangen könnten, hätten Spediteure umdisponiert und Lkw-Kapazitäten hinzugebucht, sagte Mathias Krage, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbands. Auch er warnte davor, "dass ein mühsam aufgebautes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Bahn wieder verloren geht". Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) appellierte angesichts der verhärteten Fronten an die Tarifparteien, wieder Gespräche aufzunehmen.

(RP)
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