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Bombenentschärfung in NRW 2022: Aktuelle News und Infos zur Entschärfung

Bombenentschärfung in NRW 2022: Aktuelle News und Infos zur Entschärfung (Foto: Kandzorra, Christian)

Bombenentschärfung

  • Kampfmittelräumdienst: zivile Kampfmittelbeseitigung in Deutschland
  • Blindgänger: Munition wie Granaten oder Bomben, die nach ihrer Verwendung nicht oder nicht vollständig explodiert sind
  • Bombe: mit explosivem Material gefüllter Sprengkörper, der Zerstörung anrichten und Menschen töten soll

Bombenentschärfungen sind vor allem wegen Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg immer wieder notwendig. Schwierig wird eine Entschärfung, wenn der Aufbau einer Sprengeinheit nicht bekannt ist.

Was ist eine Bombenentschärfung?

Bei einer Bombenentschärfung geht es darum, scharfe oder vermeintlich scharfe explosive Geschosse so zu bearbeiten, dass sie nicht mehr explodieren können. Dafür ist in Deutschland der Kampfmittelbeseitigungsdienst zuständig. Vor allem so genannte Blindgänger, also nicht explodierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, stehen immer wieder im Zentrum seiner Arbeit. Alleine 2020 musste der Kampfmittelbeseitigungsdienst etwa 150 Tonnen gefährliche Sprengkörper und andere Geschossüberreste entschärfen. 

Wie wird eine Bombe entschärft?

Zunächst einmal muss ein Blindgänger überhaupt gefunden und als solcher identifiziert werden. Oft wird vor dem Bau neuer Immobilien das betreffende Grundstück gezielt nach Blindgängern abgesucht. Dabei bedient man sich nicht selten Luftbildern der Alliierten, die diese vom Abwurf ihrer Bombenlast gemacht haben. Anschließend werden die Geschosse mit Metalldetektoren aufgespürt. Dann beginnt der gefährlichste Teil für die Experten. Die Bombe wird mittels Baggern und Schaufeln freigelegt. Anschließend muss der Zünder gefunden und von der Bombe getrennt werden.

Es gibt Zündvorrichtungen, die über Kontakte ausgelöst werden, aber auch beispielsweise Zeit- oder Säurezünder. Nach der langen Zeit im Boden können chemische Prozesse zu neuartigen Verbindungen und Gefahrenmomenten führen. Der Kampfmittelbeseitigungsexperte trennt nun die Hülle zwischen dem Schlagbolzen und der Sprengladung mit einem Schneidegerät unter hohem Wasserdruck. Ist der Zünder frei, liegt er neben der Bombe und muss nun sehr vorsichtig abtransportiert werden. Danach bringt man den Sprengstoff der Bombe in ein spezielles Lager, in dem er vernichtet wird.   

Wie oft ist eine Bombenentschärfung bereits schief gegangen?

Es kommt immer mal wieder dazu, dass Blindgänger unvermittelt detonieren. Man geht davon aus, dass dies in Deutschland etwa einmal pro Jahr passiert. Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst kann nicht jede Bombe punktgenau entschärfen. Drei schlimme Fälle von fehlgeschlagenen Bombenentschärfungen haben in den letzten 30 Jahren für Aufsehen gesorgt:

  • Am 9. August 1990 starben zwei Experten bei der Entschärfung einer 1000 Pfund schweren amerikanischen SAP-Bombe. Drei weitere Personen wurden verletzt. Die Bombe verfügte über einen Langzeitzünder.
  • Am 17. Juli 2003 waren ebenfalls zwei Bombenentschärfer ums Leben gekommen, als sie in Salzburg eine amerikanische Bombe aus dem Verkehr ziehen wollten. Ein weiterer Mensch wurde schwer verletzt.
  • Am 1. Juni 2010 kamen beispielsweise drei Sprengmeister bei der Entschärfung einer Weltkriegsbombe in Göttingen ums Leben. Das Geschoss war plötzlich detoniert. Zwei weitere Personen wurden schwer, vier leicht verletzt.

Die Evakuierungsmaßnahmen sind manchmal ebenfalls nicht ausreichend. So gehen immer mal wieder Fensterscheiben zu Bruch, manchmal kommt es auch zu körperlichen Verletzungen. 

Was tun bei einer Bombenentschärfung? 

Als Betroffener sollte man sich strikt an die Anweisungen der Behörden halten und nicht versuchen, als Schaulustiger den "Platz in der ersten Reihe" zu ergattern. In der Regel wird die betroffene Bevölkerung über die Art der Maßnahmen informiert und erfährt, ob und in welchem Radius ein betroffenes Gebiet evakuiert werden muss.

Sollte bei der Entschärfung Eigentum beschädigt werden, sollte man umgehend mit seiner Versicherung Kontakt aufnehmen. Der "Verband Wohneigentum" rät dazu: " Entstehen Schäden, beispielsweise weil die Bombe wegen eines verrosteten Zünders vor Ort gesprengt werden muss, können diese teilweise von den Versicherungen der Betroffenen übernommen werden. Allerdings weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf die sogenannte Kriegsausschlussklausel hin, die besagt, dass Versicherer für Schäden nicht versichert sind, die auf Kriegsereignissen basieren.

Jedoch sind Versicherungsgesellschaften frei in ihrer Vertragsgestaltung und müssen diese Kriegsausschlussklausel nicht zwingend übernehmen. Haus- und Grundstückseigentümer sollten deshalb überprüfen, ob ihre Gebäude- und Hausratsversicherung eine derartige Klausel enthält. In jedem Fall sollten bei einer möglichen Bombensprengung etwaige Schäden umgehend gemeldet werden. In diesem Zusammenhang weist der Verband Wohneigentum NRW e.V. darauf hin, dass im Mitgliedsbeitrag des Verbandes eine Gebäudehaftpflichtversicherung enthalten ist, nicht aber eine Gebäudeversicherung. Daher müssen Fragen bezüglich einer vorhandenen Kriegsausschlussklausel direkt an den Versicherer gestellt werden." 

Alle aktuellen News und weitere Infos zu Bombenentschärfungen finden Sie hier.

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