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Flüchtlinge: Nur Deutschland und Luxemburg holen aktuell Migrantenkinder

Heiko Maas bedauert : Nur Deutschland und Luxemburg holen aktuell Migrantenkinder

Außenminister Heiko Maas hat sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass viele EU-Staaten entgegen fester Zusagen vorerst keine unbegleiteten Minderjährigen aus den Migrantenlagern in Griechenland aufnehmen wollen.

„Wir sind neben den Luxemburgern die Einzigen, die überhaupt noch bereit sind, Kinder aufzunehmen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in der Sendung „Frühstart“ der RTL/ntv-Redaktion. „Aber wir wollen nicht länger auf andere warten und fangen jetzt an.“ Er äußerte die Hoffnung, dass weitere Länder nachzögen.

Maas bekräftigte die Zusage der Bundesregierung, in den kommenden Wochen zwischen 350 und 500 unbegleitete Kinder nach Deutschland zu holen. Nächste Woche sollen die ersten 50 eingeflogen und anschließend für zwei Wochen in Corona-Quarantäne in Niedersachsen kommen. Anschließend werden sie auf mehrere Bundesländer verteilt.

Deutschland will dem Vernehmen nach gemeinsam mit Luxemburg, das die kurzfristige Aufnahme von 12 Kindern und Jugendlichen zugesagt hat, einen Charterflug organisieren. Aus der großen Koalition hieß es, Griechenland und das UN-Flüchtlingshilfswerk hätten bisher nur für diese Gruppe, also die 50 plus 12 Minderjährigen, alle notwendigen Informationen zusammengetragen.

Die Situation in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln ist dramatisch. Ein Ausbruch von Covid-19-Erkrankungen könnte dort angesichts katastrophaler hygienischer Zustände verheerende Folgen haben.

Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte im März beschlossen, im Verbund mit EU-Partnern den Griechen einen Anteil von insgesamt etwa 1000 bis 1500 Kindern abzunehmen. Es handelt sich laut dem Koalitionsbeschluss um Minderjährige, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind.

Laut Innenministerium hatten sich eigentlich zehn EU-Staaten zur Aufnahme bereit erklärt. Das sind neben Deutschland noch Frankreich, Luxemburg, Portugal, Irland, Finnland, Kroatien, Litauen, Belgien und Bulgarien.

(ala/dpa)