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Nahost-Konflikt: Neue Zusammenstöße auf dem Tempelberg in Jerusalem

Trotz vereinbarter Waffenruhe im Nahost-Konflikt : Neue Zusammenstöße auf dem Tempelberg in Jerusalem

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas wird weitestgehend eingehalten. Nun kam es auf dem Jerusalemer Tempelberg zu neuen Ausschreitungen zwischen Palästinensern und der Polizei.

Nach dem gegenseitigen Raketenbeschuss mit über 250 Toten wird seit Freitag eine Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen eingehalten. Das Ende der elftägigen heftigen Angriffe der israelischen Armee wurde in den Palästinensergebieten von tausenden Menschen gefeiert, auf israelischer Seite konnten die Menschen aufatmen, weil kein Sirenengeheul sie mehr vor anfliegenden Raketen aus dem Gazastreifen warnte. International wurde die Waffenruhe ebenfalls mit Erleichterung aufgenommen. In Jerusalem gab es am Freitagnachmittag jedoch erneut Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten.

Palästinenser warfen nach dem Freitagsgebet vor der Al-Aksa-Moschee Steine auf israelische Polizisten, die gegen diese vorgingen. Heftige Zusammenstöße in Ost-Jerusalem und auf dem Tempelberg waren der Auslöser für die jüngste Eskalation der Gewalt zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gaza-Streifen gewesen, bei der auf beiden Seiten neben den über 250 Toten auch insgesamt über 2000 Verletzte zu beklagen waren, die meisten von ihnen Palästinenser.

Die um 02.00 Uhr Ortszeit in Kraft getretene Feuerpause zwischen Israel und den radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad war am Donnerstag unter ägyptischer Vermittlung zustande gekommen. In der Nacht gingen in Gaza-Stadt tausende Menschen auf die Straßen, um die Feuerpause zu feiern. Vereinzelt wurden Freudenschüsse abgefeuert, Autofahrer ließen ihre Hupen ertönen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Auch in Städten des Westjordanlands feierten Palästinenser die Waffenruhe. In Israel war ruhig - Warnungen der Armee vor neuen Raketenangriffen gab es nicht.

Rettungskräfte in Gaza fanden am Freitag bei Bergungsarbeiten dann weitere fünf Tote, die offenbar bei israelischen Luftangriffen in einem Tunnel verschüttet wurden. Nach Angaben von Sanitätern wurden auch etwas zehn Überlebende geborgen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die elftägige Bombardierung des Gazastreifens als "außerordentlichen Erfolg". "Wir haben unsere Ziele in dieser Operation erreicht", sagte der Regierungschef. Die israelische Armee habe "mehr als 200 Terroristen" getötet, darunter 25 hochrangige Kommandeure. Die eng mit der Hamas verbundene Hisbollah-Miliz im Libanon sprach hingegen von einem "historischen Sieg" für die Palästinenser.

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International löste die Vereinbarung große Erleichterung aus. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) begrüßte die Einigung. Der Minister dankte Ägypten für die Vermittlung zwischen den Konfliktparteien und forderte, Lösungen für den Nahostkonflikt zu finden.

US-Präsident Joe Biden bezeichnete die Waffenruhe als "wirkliche Chance" für Fortschritte hin zum Frieden in der Region. Er werde sich für diesen Fortschritt engagieren, versicherte Biden. Auch die EU begrüßte die Einigung und unterstrich ihre Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte, Moskau sei zufrieden mit der Waffenruhe, sehe aber die Notwendigkeit weiterer Schritte. "Um ein Wiederaufflammen der Gewalt zu verhindern, müssen wir die internationalen und regionalen Anstrengungen verstärken."

Peking begrüßte ebenfalls die Feuerpause und forderte, die internationale Gemeinschaft müsse der Region nun "helfende Hände" reichen. China wolle daher gut 800.000 Euro für Nothilfe zur Verfügung stellen sowie weitere 800.000 für UN-Hilfen für die Palästinenser.

Papst Franziskus sagte im Vatikan: "Ich danke Gott für die Entscheidung, den bewaffneten Konflikt und die gewalttätigen Handlungen zu beenden." Er bete dafür, dass der Weg des Dialogs und des Friedens beibehalten werde.

Durch die Gewalteskalation im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben seit dem 10. Mai mindestens 243 Palästinenser getötet, darunter 66 Kinder. In Israel wurden nach Angaben der dortigen Behörden zwölf Menschen durch die palästinensischen Raketenangriffe getötet, darunter ein sechsjähriges Kind und ein Soldat.

Insgesamt feuerten die Hamas und andere Gruppen in den elf Tagen nach Angaben der israelischen Streitkräfte mehr als 4300 Raketen in Richtung Israel ab. Die meisten wurden demnach jedoch vom israelischen Abwehrsystem "Iron Dome" (Eiserne Kuppel) abgefangen. Die israelische Armee reagierte mit intensiven Luftangriffen im Gazastreifen.

(mja/AFP)