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Flüchtlingekrise: 120.000 ausländische Pflegekräfte im Gesundheitswesen

Gesundheitsberufe und Altenpflege : Flüchtlingskrise brachte 120.000 zusätzliche Pflegekräfte nach Deutschland

In der Flüchtlingskrise waren allein 2015 und 2016 über eine Million Menschen nach Deutschland gekommen. Die Zahl der im deutschen Gesundheitswesen und in der Altenpflege beschäftigten Ausländer ist seitdem deutlich um mehr als 120.000 gestiegen.

Die Zahl der im deutschen Gesundheitswesen und Altenpflege beschäftigten Ausländer entspreche 3,4 Prozent der aktuellen Gesamtbeschäftigung in der Kranken- und Altenpflege, heißt es in einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). „Die  Zuwanderer leisten derzeit insbesondere bei der in der Corona-Krise stark geforderten Gesundheitsversorgung einen großen Beitrag zur Verbesserung der Lage“, so das IW.

Das Institut bezieht sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sind zwischen Juni 2014 und Juni 2019 insgesamt 121.000 ausländische Arbeitskräfte im Gesundheitswesen und in der Altenpflege zusätzlich eingestellt worden. In der Flüchtlingskrise waren allein 2015 und 2016 über eine Million Menschen nach Deutschland gekommen. Insgesamt habe die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte im Gesundheitswesen und in der Altenpflege Mitte 2019 bei 290.000 oder 8,1 Prozent aller Beschäftigten in den beiden Branchen gelegen, so das IW. In Pflegeheimen sowie Krankenhäusern seien die Ausländeranteile weit höher als in den übrigen Bereichen des Gesundheitswesens wie etwa Arztpraxen.

Daten über die Herkunft der Arbeitskräfte lägen nur für das Gesundheitswesen vor. Demnach stammten Mitte 2019 knapp die Hälfte der 188.000 ausländischen Kräfte aus anderen EU-Staaten und etwas mehr als die Hälfte aus Nicht-EU-Ländern. Unter den 61.000 seit Juni 2015 neu Hinzugekommenen habe der Anteil der Nicht-EU-Herkunftsländer deutlich zugenommen. Die Migration von Fachpersonal könne in den  Herkunftsländern zu einer Verschlechterung der Versorgungslage führen. „Daher wäre es gut, wenn viele zusätzliche Zuwanderer die entsprechende Ausbildung in Deutschland erhalten“, schreibt Studienautor Wido Geis-Thöne.

Weltweit fehlen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 5,9 Millionen professionelle Krankenschwestern und Pfleger. Die WHO kritisiert, dass einige Länder im Pflegebereich „blind auf Migration vertrauen“. Sie  fordert daher, dass sich alle Länder um die eigene Ausbildung von genügend Pflegepersonal kümmern und dafür auch mehr Geld in die Hand nehmen sollten.