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Online-Ausbildungsmesse in Xanten: Azubi-Suche mit Laptop und Kamera

Online-Ausbildungsmesse in Xanten : Azubi-Suche mit Laptop und Kamera

Wegen Corona sind größere Präsenzveranstaltungen zurzeit kaum möglich. Aber Firmen suchen weiter Nachwuchs und Jugendliche Lehrstellen. Deshalb gab es in Xanten erstmals eine Online-Ausbildungsmesse.

Es ist eine Premiere. „Vor so vielen Menschen habe ich noch nie gesprochen“, sagt Jürgen Schneiders. Aber mit Herausforderungen kennt sich der Xantener aus. 2008 hat er seine eigene Firma gegründet. „In einer kleinen Scheune, mit einer Maschine“, wie der 40-Jährige berichtet. Seitdem ist sein Betrieb „stetig gewachsen“.

Heute sitzt die Firma CNC Schneiders im Gewerbegebiet in Birten in einer 600 Quadratmeter großen Halle, ist spezialisiert auf die Serienfertigung „qualitativ hochwertiger, komplizierter und maßgenauer Bauelemente sowie komplexer Werkstücke“ – und sie bildet aus. Deshalb spricht Schneiders an diesem Donnerstag vor den vielen Menschen.

 Während Franzisca Sauereßig sprach, sahen alle Teilnehmer eine Präsentation des Unternehmens.
Während Franzisca Sauereßig sprach, sahen alle Teilnehmer eine Präsentation des Unternehmens. Foto: Armin Fischer (arfi)

Dafür sitzt er in seinem Büro vor seinem Laptop, spricht in die Kamera des Gerätes und stellt Jugendlichen der Willi-Fährmann-Gesamtschule in Xanten sein Unternehmen und den Beruf vor, für den er Auszubildende sucht: Zerspanungsmechaniker: „Wie Schreiner, nur mit Metall und Kunststoff“, sagt Schneiders.

Sein Betrieb ist eine von sieben Firmen aus Xanten und Umgebung, die sich an diesem Donnerstag auf der digitalen Ausbildungsmesse Azubiwärts präsentieren. Außer CNC Schneiders sind noch dabei: die Bäckerei Dams, das Xantener Pflegeteam, der Landmaschinenhersteller Lemken, das Autohaus Herbrand, das Vermessungsbüro Reinhardt und der Kunststoffverarbeiter Röchling Industrial.

  • Berufsinformation im Unterricht (v.l.): Alexa Willems
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  • Preisträger (vorn, v.l.): Frederik Krohn, Melvin
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Es hätten noch weitere Firmen mitmachen wollen, aber mehr Teilnehmer seien nicht möglich gewesen, sagt Alexa Willems vom Nurec Institute Duisburg. Die Firma organisiert die Online-Ausbildungsmesse. Auch für sie ist es eine Premiere, genauso wie für alle anderen: Es ist die erste Ausgabe der Azubiwärts. Sie soll keine Konkurrenz zu den klassischen Ausbildungsmessen sein, sondern eine Ergänzung, sagt Willems. An der Willi-Fährmann-Gesamtschule ist in diesem Jahr auch wieder der Tag der Berufe geplant. Aber die Azubiwärts bietet vor allem kleineren und mittleren Unternehmen eine zusätzliche Möglichkeit, um mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen – selbst jetzt, während große Präsenzveranstaltungen wegen Corona nicht möglich sind.

Denn Pandemie hin oder her: Nachwuchs brauchen die Betriebe weiter. Genauso wie die jungen Leute Ausbildungsplätze suchen. Nur macht es die Pandemie beiden Seiten nicht gerade einfacher, einander zu finden. „Wir haben eine schwierige Zeit“, meint Jens Stuhldreier vom NRW-Arbeitsministerium zu Beginn der Online-Ausbildungsmesse. Umso mehr freue er sich, dass es ein solches Angebot gebe, sagt er und wünscht den Jugendlichen, „dass ihr nach diesem Tag eine kleine Vorstellung davon für eure Zukunft entwickelt habt“.

Dafür bekommen sie reichlich Informationen über verschiedene Berufe, während sie vor ihren Computern, Tablets oder Smartphones sitzen, genauso wie die Unternehmer und Ausbilder. Alle haben das Programm Zoom aufgerufen, schauen in die Kameras und sprechen in die Mikrofone – dank der Technik können sie an unterschiedlichen Orten sein und trotzdem miteinander reden. Zwischendurch werden Filme gezeigt, in denen die Firmen zeigen, was sie genau machen. In einem Chat können die Schülerinnen und Schüler jederzeit Fragen stellen. Viele Jugendliche aus Xanten sind es an diesem Vormittag nicht. Es sei ein neues Angebot, so etwas müsse erst wachsen, sagt Schneiders am Ende im Gespräch mit unserer Redaktion. Er würde jedenfalls wieder mitmachen.

An diesem Vormittag sitzt er nicht allein vor der Kamera: Zerspannungsmechanikerin Franzisca Sauereßig, die bei ihm gelernt hat, erzählt, warum sie sich für den Beruf entschieden hat und wie ihre Arbeit aussieht. Am Ende wird sie von Willems gefragt, welchen Rat sie für die Schülerinnen und Schüler hat: „Offen sein, einfach vorbeikommen und vorstellen, am besten ein Praktikum machen“, sagt Sauereßig.

(wer)