1. Wirtschaft

Es ist richtig, härter gegen Firmen vorzugehen, die keinen Betriebsrat wollen

Schwierige Vorgesetzte loswerden : Starke Betriebsräte für starke Firmen

Wer als Manager Betriebsräte verhindern will, dem könnte künftig der Staatsanwalt nachstellen. Kluge Firmen lassen es nicht so weit kommen: Es ist ein Zeichen für Modernität, wenn Management und Arbeitnehmer vernünftig kooperieren -und auch streiten.

Es ist zu begrüßen, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) es noch riskanter für Arbeitgeber macht, die Bildung eines Betriebsrates zu hintertreiben. In zu vielen Firmen haben Inhaber oder Manager die Dreistigkeit, sich die Alleinherrschaft ohne Mitsprache sichern zu wollen, indem sie die Wahl eines Betriebsrates mit Druck abwenden. Denkbare Kandidaten oder Kandidatinnen werden mit einer Abfindung zum Abschied gedrängt, andere werden mies behandelt, das entscheidende ist das interne Klima einer Firma: Eigentlich müsste es dem Management nur recht sein, wenn demokratisch gewählte Vertreter die Anliegen der Belegschaft konzentriert vorbringen, anstatt dass Beschäftigte ein diffuses Frustgefühl mit sich herumschleppen. Doch tatsächlich blockieren auch in Gründerfirmen und gerade im Dienstleistungsbereich Manager immer wieder die Wahl eines Betriebsrates.

Arbeitnehmervertreter müssen aber mit ihren Mitsprachemöglichkeiten klug umgehen. Einerseits muss beispielsweise bei Betriebsvereinbarungen zum Home­office geregelt werden, dass Leute zu klaren Zeiten auch einmal frei haben und dass alle Arbeitsmittel von der Firma bezahlt werden. Ebenso ist wichtig, im Dialog mit dem Top-Management einen untragbaren Führungsstil von Vorgesetzten anzusprechen – solches Vorgehen hat bei Gruner + Jahr, Henkel oder Post schon dazu geführt, dass so mancher schwierige Charakter als Führungskraft ausgetauscht wurde.

Das wichtigste Gut jeder Firma sind motivierte Leute, gerade zu Zeiten des Mangels an Fachkräften. Wenn da Betriebsräte Tipps geben, wie interner Frust vermieden werden kann und wie schlaue Köpfe angeheuert werden können, ist das Gold wert. Das schließt übrigens nicht aus, dass schlaue Führungskräfte auch den direkten Austausch mit der Basis pflegen.