Maria 2.0: Frauen der Sonsbecker Gemeinde St. Maria Magdalena streiken

Sonsbeck : Am Sonntag streiken Sonsbecks Kirchenfrauen

Mit einem Gottesdienst – parallel zur Messe in der Kirche – soll auf die bundesweite Aktion „Maria 2.0“ aufmerksam gemacht werden.

Die Initiative ging von Frauen aus der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster aus. Sie haben darüber gesprochen, wie schwierig es manchmal ist, Menschen, die fern der Kirche stehen, zu erklären, warum man überhaupt noch dabei ist – bei all dem Grauen, das da in den vergangenen Jahren immer und immer wieder und immer mehr zu Tage getreten ist und tritt.

Ein stillschweigender Austritt aus der Kirche ist für sie aber keine Option: Sie wollen kämpfen, gegen Missbrauch und die Verletzungen jeglicher Art in der römisch-katholischen Kirche und die Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger. Für den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Zöllibats, eine Erneuerung der Kirche. „Maria 2.0“ nennt sich diese bundesweite freie Initiative von Frauen, die mit einem offenen Brief an Papst Franziskus gestartet ist, der als Online-Petition über die Plattform „Campact/Weact“ noch bis zum 18. Mai unterzeichnet werden kann.

Außerdem werden alle Frauen aufgerufen, zwischen den Samstagen 11. und 18. Mai in einen Kirchenstreik zu treten: Frauen betreten keine Kirche mehr und tun auch keinen Dienst; sie feiern Gottesdienst vor, anstatt in den Kirchen.

Auch die Frauen der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena Sonsbeck streiken, allerdings schon eine Woche früher. Auch sie wollen ein Zeichen setzen, dass sich endlich etwas bewegen muss. „Es gibt so viele Themen, die einem immer wieder aufstoßen,“ sagt Heike Reinders. Sie hatte die Idee der Frauen aus Münster in den Pfarreirat von St. Maria Magdalena getragen und gehört mit Pastoralreferentin Gertrud Sivalingam, Pastoralassistentin Saskia Herbst, Anke Zur, Kim de Wildt und Susanne Nielen zu dem Komitee, das den Wortgottesdienst am Sonntag, 5. Mai, 10.30 Uhr draußen zwischen der Kirche und dem Pfarrheim an der Herrenstraße vorbereitet hat.

„Ich hätte nie gedacht, dass das eine Idee für Sonsbeck sein könnte,“ gibt Gertrud Sivalingam zu, die mit Saskia Herbst auch den Wortgottesdienst halten wird. „Wenn Frauen dem Gottesdienst fernbleiben, dann läuft einiges nicht“, sagt sie und hebt unter anderem auf die Lektorinnen, Katechetinnen, die Gruppe der Frauen, die ehrenamtlich einmal im Monat die Kirche putzen, den Pfarreirat – in dem sich acht Frauen engagieren – und den Kirchenvorstand ab.

Es sei keine Aktion, die sich gegen die Kirche oder Männer richtet, betonen alle. Aber: „Es brodelt. Wenn sich nicht jetzt was bewegt, wann dann?“ Denn Kirche habe ja auch einen gesellschaftlichen, einen moralischen Auftrag, muss die Werte in der Welt glaubhaft vertreten können. „Wir dürfen die Kirche nicht an die Wand fahren,“ sagt Saskia Herbst und hofft, dass sich endlich etwas ändert, ein Umdenken stattfindet. Dass es zum Beispiel auch Frauen möglich wird, Priesterin zu werden. Und dass Pastoralreferentinnen als Laien die Predigt in der Kirche halten dürften, „sie haben doch einen ganz anderen Blickwinkel auf manche Dinge.“

Auch zum Pflichtzölibat, das im 13. Jahrhundert eingeführt wurde, damit die Pfründe der Kirche nicht vererbt werden können, haben die Sonsbecker Frauen ihre eigene Meinung. „Das ist doch überflüssig. Wichtig ist, dass jemand ein guter Seelsorger ist, unabhängig vom Geschlecht,“ findet Heike Reinders. Sie und die anderen Frauen vom Komitee werden am Sonntag in Weiß kommen, genau wie hoffentlich viele Frauen, gerne auch Männer.

Eine Flötistin begleitet den Gesang bei dem Gottesdienst um 10.30 Uhr, der bewusst zur gleichen Uhrzeit stattfindet wie die Eucharistie in der St.-Maria-Magdalena-Kirche. „Es ist ein Experiment. Aber wir glauben, dass es vielen ein Anliegen ist.“

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