Schermbeck: Christinnen rufen zu Kirchenstreik auf

Schermbecker Frauen beteiligen sich : Christinnen rufen zu Kirchenstreik auf

Als Reaktion auf die Missbrauchsfälle werden in Münster im Mai eine Woche lang weiße Tücher auf Bänken liegen.

An dem einwöchigen Kirchenstreik, der in der Zeit vom 11. bis 18. Mai stattfinden soll, beteiligen sich auch die Mitglieder der Schermbecker Frauengemeinschaft von St. Ludgerus (kfd). Im Rahmen der kfd-Messe, die am 9. Mai um 19 Uhr in St. Ludgerus beginnt, werden die Frauen die Aktion unterstützen. Pastoralreferentin Birgit Gerhards und die beiden kfd-Vorstandsfrauen Monika Schmidt und Petra Becker bereiten derzeit die Messe vor. Details werden noch bekannt gegeben.

Den Anstoß für den Kirchenstreik haben Frauen eines Lesekreises der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde gegeben. Die sieben Frauen, die sich einmal im Monat treffen, nahmen die Missbrauchsfälle in der Kirche und die andauernde Ausgrenzung von Frauen zum Anlass, um von dem ewigen „Man müsste mal was machen“ zu einem „Wir machen es nun“ zu wechseln. Die Frauen rufen zum einwöchigen Streik auf.  Es sollen Pfarreien in ganz Deutschland aufgefordert werden, sich der Aktion anzuschließen.  „Wir hatten kein Vorbild dazu, mir machen etwas, was es noch nicht gab“, berichtet Mitorganisatorin Lisa Kötter.

In der Zeit vom 11. bis 18. Mai wollen die Frauen keine Kirche betreten und keinen Dienst tun. Im Aufruf der Frauen heißt es: „ Wir alle wissen, wie leer dann die Kirchen sein werden und wie viel Arbeit unerledigt bleiben wird. Wir bleiben draußen.“ Gottesdienste werden auf den Kirchplätzen vor den Kirchentüren gefeiert.

Die inzwischen 15-köpfige Münsteraner Frauengruppe hat auch einen offenen Brief mit den Kennung „Maria 2.0“ an Papst Franziskus geschickt. Der Brief beginnt mit der These: „Heiliger Vater, wir Frauen glauben, Jesus von Nazareth hat Männern und Frauen seine befreiende Botschaft der Liebe verkündet und uns alle zur Nachfolge aufgerufen.“

Die Frauen beklagen „die vielen bekannten und unbekannten Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeder Art in der römisch-katholischen Kirche, deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger, das Fehlen glaubhafter Entschuldigungen und echter Hilfe für alle, denen Gewalt angetan wurde.“

Die Frauen fordern deshalb „kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben.“ Die „selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und eine uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehördern fordern die Frauen vom Papst ebenso wie den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen. An den Protesttagen wollen die Frauen weiße Tücher mitbringen und damit die Plätze bedecken als Zeichen der Unschuld, der Trauer und des Mitgefühls.

(hs)
Mehr von RP ONLINE