Düsseldorf:Garather Katholikinnen schließen sich Initiative Maria 2.0 an

Kirche : Mission Maria 2.0

Zusammen mit anderen Frauen aus der Gemeinde St. Matthäus fordern die Garatherinnen von der Amtskirche eine Erneuerung.

Sie haben sich der Initiative von Katholikinnen aus Münster angeschlossen: „Maria 2.0“. Worum geht es dabei?

Anke NÜBOLD In der traditionellen Kirche gibt es zwei Frauentypen: die Sünderin und die Heilige wie Maria. Die Aktion will Maria vom Sockel holen und sagen: Maria ist eine von uns. Sie ist deshalb nicht zum Schweigen verdammt. Um das auszudrücken, wird jeden Tag ein neues Bild von Maria gemalt, mit einem Pflaster auf dem Mund. Denn die Frauen aus Münster sind aktiv in der Kirche. Sie leiden darunter, wie Frauen in der Kirche offiziell wahrgenommen werden. Aber Austreten ist für sie keine Option. Auch angesichts des Missbrauchskandals fordern sie eine echte Erneuerung der Kirche: mit Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, Aufhebung des Pflichtzölibats und der Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an die Lebenswirklichkeit der Menschen. Dem schließen wir uns an.

Ulrike SASSIN Wir mögen unsere Ortskirche, fühlen uns wohl und sind hier beheimatet. Unser Freundeskreis ist hier. Viele Männer finden auch nicht gut, wie Frauen in der Kirche behandelt werden. Der Kirchenvorstand, der Pfarrgemeinderat und das Seelsorgeteam unterstützen uns begleitend.

Das ist wohl nicht in allen Düsseldorfer Gemeinden so, hört man.

Sassin In Garath als städtebaulich jungem Stadtteil hat das eine gute Tradition. In den Anfängen hat man damals mit viel Fingerspitzengefühl gute Leute hierher geschickt. Das zieht sich nun durch. Wir haben uns einen Ruf erarbeitet, was das Thema Offenheit betrifft.

Welche Erfahrungen machen Sie als engagierte Katholikinnen außer­halb der Gemeinde?

Nübold Ich setze mich in Garath und Hellerhof in der Flüchtlingsarbeit ein. Da bekomme ich häufig den Spiegel vorgehalten, wie die katholische Kirche wahrgenommen wird. Wenn man über Gleichberechtigung von Frauen spricht, heißt es: „Kehrt erst einmal vor der eigenen Haustür.“ Oder es geht darum, dass der Kölner Erzbischof Woelki sich in der Flüchtlingspolitik sehr stark gemacht hat. Geht es aber um die Gleichberechtigung von Frauen, zieht er sich auf das Kirchenrecht zurück. Das ist ein Widerspruch, der mir immer wieder vorgehalten wird. Da muss ich mich immer wieder positionieren. Ich bin es aber leid zu sagen: „Rom ist weit weg, Köln ist weit weg. Ich bin in meinem gallischen Dorf in meiner Garather Gemeinde glücklich.“

Veronika SCHNABRICH Wenn es um Veränderungen geht, hört man oft den Satz: „Da sind mir die Hände gebunden, wir sind gefesselt ans Kirchenrecht, nicht frei.“ Das ist eine starre Haltung. Ich wünsche mir, dass man mal einen kleinen Schritt zur Seite tut, um einen neuen Weg zu gehen.

Ist das Festhalten an Traditionen manchmal auch eine bequeme Ausrede?

Sassin Traditionen sind etwas Schönes, beispielsweise die Feiern. Aber auch die kann man verändern. Bei der Fronleichnamsprozession muss man nicht mit traurigem Gesicht durch die Stadt gehen und alte Kirchenlieder singen. Das geht auch mit einer Jazz-Combo und jungem Liedgut. Ich glaube nicht an Traditionen, ich glaube an Jesus Christus.

NÜBOLD Beim Festhalten an den bisherigen Strukturen geht es auch um Selbsterhaltung. Es gehört großer Mut dazu, einige Strukturen abzubauen. Denn dann sägt man ja auch am eigenen Stuhl. Das macht natürlich Angst und richtet sich gegen das eigene Selbstverständnis.

SASSIN Es geht um Existenzen. Aber auch um die Frage: Was kommt noch? Kommt überhaupt noch was?

SCHNABRICH Erst nach meiner Berufstätigkeit als Schulsekretärin im Annette-Gymnasium habe ich mich in der Kirche engagiert. Da war ich 60 Jahre. Kurz nachdem ich in die kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) eingetreten bin, wurde ich gefragt, ob ich in den Vorstand wechseln möchte, die Gruppe wollte sich verjüngen. Die anderen waren um die 80.

SASSIN Mein Traum wäre es, dass wir nicht nur die Mittfünfziger erreichen, sondern auch die 30-Jährigen und noch Jüngeren. Es wäre gut, wenn es jemanden gäbe, der in der Öffentlichkeit steht und sich für die Initiative stark macht. Über diesen Weg wird heutzutage viel angenommen.

Gibt es in der Gemeinde auch kritische Stimmen zur Initiative Maria 2.0?

Sassin Es hat sich niemand offiziell beschwert. Aber man muss auch sagen, dass es natürlich Katholiken gibt, die anderer Auffassung sind. Die stärksten Kritiker auf der Facebook-Seite sind Frauen. Und auch in unserer Gemeinde gibt es Frauen, die damit zufrieden sind, wie es ist. Das muss man akzeptieren.

Was machen Sie, wenn sich trotz der Initiative Maria 2.0 nichts bewegt?

Sassin Wir werden einen sehr langen Atem haben müssen. Ich glaube, wir werden viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Es brennt, und es geht für die Kirche um das Überleben. Ich kämpfe. Ein Austritt kommt für mich nicht in Frage.

Schnabrich Wir hoffen, dass es wie mit einem Stein ist, der ins Wasser geworfen wurde und dass dies nun weitere Kreise zieht.

Nübold Meine Hoffnung ist, dass wir mit Erzbischof Woelki ins Gespräch kommen und wir ihm eine Sammlung von Postkarten mit den Forderungen der Frauen übergeben können.

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