Sonsbeck: Mutige Frauen erheben ihre Stimme gegen die Zustände in der katholischen Kirche

Kirchenstreik „Maria 2.0“ in NRW : Mutige Frauen protestieren gegen Zustände in der katholischen Kirche

Eine Gruppe aus der Sonsbecker Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena beteiligt sich am Kirchenstreik „Maria 2.0“ und bekommt viel Unterstützung. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen – für eine andere, bessere Kirche.

Es war ein Experiment, und es ist gelungen: Sechs Frauen um Pastoralreferentin Gertrud Sivalingam aus der St.-Maria-Magdalena-Gemeinde hatten am Sonntag zeitgleich zur Eucharistie, die Pfarrer Hoebertz in der Kirche hielt, zu einem Wortgottesdienst draußen zwischen Pfarrheim und Gotteshaus eingeladen. Die Sonsbeker Frauen beteiligten sich damit an der Initiative „Maria 2.0“, die von der Heilig-Geist-Gemeinde in Münster ausgeht. Frauen sind bundesweit aufgerufen, vom 11. bis zum 18. Mai keine Kirche mehr zu betreten und keinen Dienst zu tun, Gottesdienst vor anstatt in der Kirche zu feiern.

Rund 80 Frauen, Männer und Kinder waren zu dem alternativen Gottesdienst unter freiem Himmel in Sonsbek gekommen, um ein Zeichen zu setzen gegen den in der römisch-katholischen Kirche tief verwurzelten Klerikalismus. 60 Stühle waren aufgestellt, es  wurden weitere geholt. Über einer Stellwand hing ein Betttuch, auf dem Pastoralassisentin Saskia Herbst mit Filzstift im Laufe des Wortgottesdienstes Stichworte von Besuchern notierte: Fürbitten, „um die Kraft, den Kopf aufrecht zu halten, und vor Unrecht nie wieder die Augen zu verschließen“. Für Offenheit und Toleranz in der Kirche, für Solidarität zwischen Männern und Frauen, „den Mut, unsere Stimme zu erheben“. Um „offene Ohren bei denen, die jetzt in der Kirche sind“, bat eine Sonsbeckerin. Josef Hochstaffl, eremitierter Priester und Professor für Theologie, hoffte, „dass die mächtigen Männer in der Kirche mal ihre Angst verlieren“.

Flötistin Monica Schiriac begleitete den Gesang, die  aus dem Komitee, das den Wortgottesdienst vorbereitet hatte, griffen im Wechsel zum Mikrofon. In einer kleinen Szene spielten drei von ihnen Priesterinnen, die gehört hatten, dass eine Projektgruppe eine Aktion vorbereitet, dass auch ein Mann an den Altar gehört. „Ein Mann als Priester? Das kann ich mir gar nicht vorstellen“. Ja, sicher: Neue Besen kehren gut. „Aber wir dürfen doch als Kirche nicht jedem Zeitgeist hinterherrennen“. Denn Jesus habe doch Frauen zur Verkündung gerufen, „da hat er sich doch was bei gedacht, als er ihnen den Auftrag gab, die frohe Botschaft seiner Auferstehung zu verbreiten“.

Pastoralreferentin Gertrud Sivalingam erzählte die vor 25 Jahre geschriebene Geschichte von den drei Priesterinnen – heute aktueller denn je. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Vor 25 Jahren hat Gertrud Sivalingam diese Geschichte der drei Priesterinnen geschrieben, als sie mit einem Freundeskreis eine Jugendmesse im Xantener Dom vorbereitete. „Es ist schon traurig, dass diese Geschichte 25 Jahre später immer noch erzählt werden kann“, findet die Pastoralreferentin. Da stimmte Bernhard Verfuß ihr zu. „Frauen müssen überall genauso beteiligt werden wie Männer“, so der Xantener, der mit dem Fahrrad gekommen war, auch wenn er selber vor Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, „weil sie Professor Drewermann so schlecht behandelt hat“. Eine Xantenerin wunderte sich, „dass so eine kleine Gemeinde wie Sonsbeck das auf die Beine stellt“; eine weitere Besucherin brachte es so auf den Punkt: „Frauen sollen nicht nur Dienst in der Kirche tun, sondern auch was zu sagen haben“. Denn, so die Pastoralreferentin, es waren die Frauen, die am Kreuz ausharrten und Jesus nicht alleine ließen, als die Jünger schon längst das Weite gesucht haben.

Den Versuch, mit den Kirchenglocken zu konkurrieren, die kurz vor 11 Uhr einige Minuten schlugen, gaben die Frauen auf: Sie schwiegen, warteten das Geläute ab. Starken Rückhalt erlebte das Vorbereitungskomitee mit Pastoralreferentin Sivalingam, Heike Reinders, Kim de Wildt, Susanne Nielen, Anke Zur und Saskia Herbst, die sich an den Händen hielten, als sie das Vaterunser beteten. Und alle Besucher des Wortgottesdienstes draußen vor den Kirchentüren taten es ihnen gleich. „Wir hoffen, dass dies nur ein Anfang war aufzubrechen, weitere Schritte zu gehen“, so Heike Reinders und Gertrud Sivalingam.

Weitere Informationen zur Initiative „Maria 2.0“ finden Sie unter www.mariazweipunktnull.de

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