Xanten: IHK in Sorge wegen Verkehrskollaps

Xanten: IHK in Sorge wegen Verkehrskollaps

Weltwirtschaft und -politik, Fachkräftemangel und nicht zuletzt Infrastrukturprobleme dämpfen etwas die euphorische Stimmung im Kammerbezirk der IHK Duisburg-Wesel-Kleve. Bei der A40-Rheinbrücke könnte es Verzögerungen geben.

Die zum Jahresanfang noch gemessene Euphorie bei den Mitgliedern der IHK hat sich etwas gelegt. Weltpolitik und -wirtschaft haben hohen Erwartungen einen Dämpfer verpasst. Dennoch schauen die Unternehmer der IHK-Region Duisburg-Wesel-Kleve positive in die nächsten Monate. Denn der deutschen Wirtschaft geht es nach wie vor gut. Die private Wirtschaft sei nach wie vor der wesentliche arbeitplatzschaffende Bereich, dem durch steuerliche Anreize noch weiter Schub gegeben werden könnte, so IHK-Präsident Burkhard Landers. "Aber der Arbeitskräftemangel macht uns Sorgen. Wir dürfen junge Leute aus bildungsfernen Schichten daher nicht aus dem Auge verlieren", sagt er. Und: "Wir müssen selber mehr tun", zum Beispiel, um den hohen Wert einer dualen Ausbildung noch stärker in den Fokus zu stellen, die durchaus einem Studium ebenbürtig sein kann.

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Stärker aber beschäftigt die Kammer nach wie vor die problematische Infrastruktur in unserem Bundesland. Für die Region würde es einer Katastrophe gleich kommen, wenn sich der Eindruck verfestigen würde, sie sei nicht mehr erreichbar, so Landers. "Dieser Gedanke darf sich auf gar keinen Fall festsetzen." Fakt ist allerdings, dass insbesondere die marode Straßeninfrastruktur bald täglich neue Hiobsbotschaften befürchten lässt.

Foto: Christoph Reichwein

Gerade erst hat die IHK eine Hotline eingerichtet, an die sich zum Beispiel Logistiker wenden können, die nicht wissen, wie sie möglichst zügig ihr Ziel in Duisburg erreichen können - ein Service, der nach Aussagen von Ocke Hamann, Leiter des IHK-Geschäftsbereich Industrie, Verkehr und Logistik angenommen worden ist. Schon mehrfach hat er in der Vergangenheit gefordert, die verkehrliche Infrastruktur einem Stresstest zu unterziehen. Was passiert, wenn die Autobahn X an dieser oder jener Stelle gesperrt wird, und wie sehen dann die Ausweichrouten aus - könnte dabei simuliert werden. Auf diese Art ließe sich dann auch erkennen, welche Baustellen auf innerstädtischen Straßen zu einem Verkehrschaos führen (müssen), wenn die querende Autobahn gesperrt werden muss.

Duisburgs Autofahrer haben bei der Sperrung der A59 in Richtung Norden gerade erst erlebt, was eine schlechte beziehungsweise . gar keine Abstimmung für Folgen hat. Ähnliches droht im Fall einer erneuten Sperrung der A40-Rheinbrücke, die jederzeit passieren kann. Ist das der Fall, dann fallen im Stadtgebiet etliche Umleitungsstrecken weg, weil dort gleichfalls gearbeitet wird - so auf dem Karl-Lehr-Brückenzug - oder weil dort der bauliche Zustand so schlecht ist, dass nur "leichte" Fahrzeuge dort fahren dürfen oder aus Gründen vom Straßenschäden Tempo 30 gilt. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger betonte gestern in einer Journalistenrunde, dass die Kammer hier die enge Zusammenarbeit mit dem Land und der Stadt sucht (und zum Teil auch schon praktiziert). Für ein funktionierendes Baustellenmanagement sei das unerlässlich. Doch das Wissen darum, was der eine tut und plant mit dem Handeln des anderen zu koordinieren, reicht nicht immer aus. Land, wie auch Stadt und Kammer sind davon überzeugt, dass ein Informationssystem in Form von Beschilderungen, die aktuelle Verkehrslagen berücksichtigen, sehr hilfreich wäre. "Wir wissen alle, dass wir das wollen, aber es wird sage und schreibe drei Jahre dauern, bis eine solche Beschilderung fertig ist", so Dietzfelbinger. Anderes Beispiel: Der Bau der neuen A40 Brücke ist planerisch schon weit vorgeschritten. Doch das laufende Verfahren droht um ein Jahr zurückgeworfen zu werden, weil sich jetzt erst Enthusiasten melden, die auf der neuen Brücke breitere Radwege fordern. Wird ihrem Ansinnen nachgegeben, kommt die neue Rheinquerung mit entsprechender Verspätung.

(RP)