Xanten: Wasserbüffel weiden auf der Bislicher Insel

Xanten: Wasserbüffel weiden auf der Bislicher Insel

Beate und Martin Döring haben sich einen Traum erfüllt: 24 Wasserbüffel grasen auf Weiden an der B 58 und im Naturschutzgebiet.

"Der will nur spielen." Das würde ihr keiner abnehmen, wenn er oder sie mit Beate Döring über die Wiesen geht, auf denen seit einigen Tagen Büffel grasen. Wasserbüffel, um genau zu sein. Roland haben sie und ihr Mann Martin den jüngsten von ihnen getauft. Vor zwei Tagen wurde das Bullenkalb auf einer Weide an der Bundesstraße 58 geboren, die die Dörings von Straßen NRW gepachtet haben. Auch Willi, drei Jahre jung und einziger Bulle in der Herde an der Bundesstraße, grast friedlich zwischen den acht Büffelkühen, die er übrigens schon alle gedeckt hat, und inzwischen fünf Kälbern.

Feuchte Wiesen und Wasser sind ideal
Foto: Armin Fischer

Auf der Bislicher Insel haben die Dörings vom Regionalforstamt Wesel eine weitere Fläche gepachtet, auf der zehn Wasserbüffel laufen, neun Monate jung. Die haben Ende April bei den Dörings ein neues Zuhause bekommen. "Drei Kälber sind bei uns geboren, zwei hatten ein Kalb bei Fuß", erzählt die 37-Jährige. Die gelernte Chemotechnikerin hat vor mehr als 14 Jahren auf Landwirtschaft umgesattelt, ist der Liebe wegen von Wallach nach Ginderich gezogen, kümmert auf dem Hof des Ehemannes mit ihm um die 100 Mutterkühe der Rasse Charolais - und seit einigen Monaten nun auch um die Wasserbüffel.

Mit denen haben sich die Eltern zweier Kinder einen Traum erfüllt. Und schuld ist die Büffelranch-Sendung im ZDF, die vor einigen Jahren lief und die sich Beate und Martin Döring regelmäßig angeguckt haben. Sonntagnachmittags um 14 Uhr.

"In den Sumpfgebieten in Brasilien reiten Polizisten auf Büffeln", hat sie im Internet gelesen, wo sie sich schlaugemacht hat, bevor die beiden die ersten Wasserbüffel nach Ginderich holten. Ein Wasserbüffel wird bis zu 25 Jahre alt, bringt gut und gerne 850 Kilogramm und mehr auf die Waage, geht sehr gerne ins Wasser, kann prima schwimmen und kommt durchaus auf 40 Stundenkilometer, wenn er mal loslegt und die Weiden kräftigen und schnellen Schrittes durchmisst.

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Der Wasserbüffel ist weniger wählerisch als die "normale" Kuh und frisst neben Heu und Gras auch dornige Pflanzen, Sauerampfer, Schilfgras und Brennnesseln. Und er zieht Vögel an: Im Dung von Büffeln sind viel mehr Insekten als in gewöhnlichen Kuhfladen, erklärt Beate Döring. Eine Büffelkuh trägt zehn Monate, die Schädelplatte bei Wasserbüffeln ist bis zu sieben Zentimeter dick. "Kühe werden mit einem Bolzen geschossen. Beim Wasserbüffel braucht der Schlachter dafür einen Spezialbolzen", hat Beate Döring sich kundig gemacht.

Wasserbüffel sind etwa zwei Jahre alt, wenn sie geschlachtet werden. "Vor allem die Bullen, die über sind in einer Herde, kommen auf den Schlachthof", sagt Beate Döring. Nächstes, vielleicht auch erst übernächstes Jahr lassen auch die Dörings ihre ersten Bullen schlachten. Das Fleisch wollen sie dann regional vermarkten. Ein Steak vom Büffel schmeckt kräftig, Richtung Wildfleisch, ist vitaminreich, sehr fettarm, frei von Cholesterin.

"Wasser oder viel Schatten ist wichtig, weil die Tiere dünne Haare haben", erzählt sie, holt einen abgeschnittenen Schlauch aus dem Kofferraum, bevor sie das Tor zur Weide aufmacht, um zu demonstrieren, dass Wasserbüffel tatsächlich friedfertige Tiere sind. Nein, ohne Stock, respektive Schlauch gehe sie nicht auf die Weiden. "Sicher ist sicher", sagt sie lachend und ruft ihre Tiere. Eins nach dem anderen kommt angetrollt, lässt sich von ihr am Kopf streicheln, die Augen halb geschlossen. Renate, fünf Jahre alt und mit 950 Kilogramm die schwerste Bullenkuh in der Herde, legt gar ihren Kopf auf der Schulter von Beate Döring ab, genießt die Streicheleinheiten sichtlich - genau wie alle anderen.

Eine Büffelkuh ist in der Herde, die keine Chance hat, bis zur Besitzerin vorzudringen: Sie wird von den anderen immer wieder weggeschubst. "Mobbing ist bei Wasserbüffeln gang und gäbe", weiß Beate Döring auch aus Gesprächen mit anderen Büffelhaltern. "Die Herde sucht sich ein Opfer aus. Das wird immer wieder drangsaliert, geschubst und getreten." Da nützt es auch nichts, wenn man dieses Tier rausnimmt: Dann wird sofort ein anderes Opfer ausgeguckt.

(jas)