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Wesel: CJD-Pflegeschule hofft auf neue Schüler

Wesel : CJD-Pflegeschule hofft auf neue Schüler

Weil alle Lehrlinge, die in den Pflegeheimen der beiden Weseler Krankenhäuser ihre generalistische Ausbildung absolvieren, im Bildungszentrum Niederrhein Wesel unterrichtet werden, fehlen der CJD-Pflegeschule die Schüler.

Beim Altenpflegeseminar des CJD-Berufsförderungszentrums an der Alten Delogstraße macht man sich derzeit Sorgen – und zwar nicht allein wegen der Corona-Pandemie. Denn in dem ersten Kursus in Zeiten der generalisierten Ausbildung (siehe Infobox), der gerade begonnen hat, befinden sich gerade mal neun Teilnehmer. In den modernisierten Räumen des CJD wäre Platz für bis zu 28 Frauen und Männer gewesen. „Es hatten sich bei uns mehrere Interessenten gemeldet. Doch längst nicht alle haben die Voraussetzungen für diese zweifelsohne anspruchsvolle Ausbildung erfüllt“, sagt Gabriele Pollok, die mit ihrer Stellvertreterin Sandra Albrecht das Leitungsduo bildet. In dem jetzt gestartete Kursus werden die neuen Schüler innerhalb von drei Jahren auf eine Tätigkeit sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege vorbereitet. Im vergangenen Oktober gab es übrigens noch 60 Bewerber, von denen 30 dann die Ausbildung im Altenpflegeseminar begonnen haben.

Auf die Frage nach dem Grund für die so stark gesunkene Zahl der Interessen, gibt es für Gabriele Pollok nur eine Antwort. „Seit dem 1. Januar“, so erklärt sie, „dürfen die Pflegeheime des Weseler Marien-Hospitals und des Evangelischen Krankenhauses nicht mehr mit uns zusammenarbeiten.“ Bedeutet im Klartext: Die Auszubildenden in den Weseler Heimen St. Lukas, Martini- und Nikolaus-Stift (Träger: Pro homine) sowie in Haus Kiek in den Busch, Willibrordi (alle Wesel; Träger Evangelisches Krankenhaus), im Hamminkelner Christopherus-Haus (EVK), in St. Elisabeth in Voerde und in Willikensoord in Emmerich (beide Pro homine) besuchen allesamt die eigene Pflegeschule, das Bildungszentrum Niederrhein Wesel – kurz BZNW. „Rechtlich ist das auch nicht anders möglich“, sagt Schulleiter Andreas Bock auf Anfrage unserer Redaktion. In dem BZNW, das derzeit noch in der alten Hansaringschule beheimatet ist und voraussichtlich ab Sommer in die auslaufende Martini-Hauptschule umziehen wird, wurde die Zahl der Plätze in Zeiten der generalistischen Ausbildung von 294 auf 420 (Plus 43 Prozent) aufgestockt.

Bis Ende 2019 hatten die Auszubildenden in der Altenpflege eine gewisse Wahlfreiheit. Sie konnten mit einem Heim einen Ausbildungsvertrag abschließen und sich dann bei einem Fachseminar für Altenpflege bewerben. „Wir haben im Januar 2019 dem CJD das Angebot unterbreitet, im Bereich der einjährigen Fachassistenzausbildung zu kooperieren. Das Angebot wurde nicht angenommen“, erklärt Andreas Bock.

„Wir haben über das Angebot sehr intensiv diskutiert“, sagt Gabriele Pollok. „Aber die einjährige Fachausbildung alleine reicht nicht aus. Für unsere Pflegeassistenten möchten wir unbedingt auch die dreijährige generalistische Ausbildung anbieten. Die Aussicht, mit unserer besonders intensiven Förderung weiterzumachen, ist gerade für unsere Schülerinnen und Schüler wichtig, die oftmals sozial stark gefördert werden müssen.“

Um die nötigen Teilnehmer für den neuen, dreijährigen Kursus zu akquirieren und dauerhaft am Standort Alte Delogstraße arbeiten zu können, hat das Leitungsduo Kontakt mit dem Kreis Wesel, Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, mehreren Parteien sowie mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und seinem Amtskollegen in NRW, Karl-Josef Laumann, Kontakt aufgenommen. Die persönlichen Referenten von Spahn und Laumann hätten wenigsten geantwortet. „Uns ist natürlich auch klar, dass die in Zeiten von Corona andere Probleme zu lösen haben“, sagt Sandra Albrecht. Sie und Gabriele Pollok hoffen, dass sich verstärkt Teilnehmer aus dem weiteren Umkreis beim CJD melden, die in Heimen ihre Ausbildung absolvieren, die nicht konfessionell gebunden sind. Zum Beispiel im Kursana in Mehrhoog. „Unsere Hoffnung ist außerdem, dass es sich herumspricht, dass wir Chancengeber sind. Das heißt, dass wir auch die Bewerber mit schweren sozialen Hintergründen fit machen für die Anforderungen in der Pflege“, sagt Gabriele Pollok. Außerdem werde man in naher Zukunft verstärkt zum Altenpflegehelfer (Pflegeassistenten) ausbilden.

Die generalistische Pflegeausbildung ist eine dreijährige Fachkraftausbildung mit Unterricht an Pflegeschulen und praktischer Ausbildung bei einer Ausbildungseinrichtung und weiteren Einrichtungen aus den unterschiedlichen Pflegebereichen. Dabei erfolgt der überwiegende Teil der praktischen Ausbildung beim sogenannten Träger der praktischen Ausbildung, mit dem der oder die Auszubildende den Ausbildungsvertrag schließt. Im Rahmen der praktischen Ausbildung finden Einsätze in den verschiedenen Versorgungsbereichen statt. Die Pflegeausbildung schließt mit einer staatlichen Abschlussprüfung ab. Für die Auszubildenden ist die berufliche Pflegeausbildung kostenlos. Es wird eine Ausbildungsvergütung gezahlt.

Weitere Informationen im Internet unter www.cjd-bfz-wesel.de