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Hamminkeln Stadt erwartet wegen Corona und Afghanistan mehr Asylbewerber

Projekte zur Integration laufen bereits : Stadt Hamminkeln erwartet mehr Asylbewerber

Bürgermeister Bernd Romanski berichtet bei einer Veranstaltung über die aktuelle Lage bei Integration und Flüchtlingsunterbringung. Vor allem angesichts der Lage in Afghanistan rechnet er mit einer steigenden Anzahl an Flüchtlingen.

Beim Besuch von Bürgermeister Bernd Romanski bei der Senioren-Union ging es auch um die Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt. Dazu hatten die Teilnehmer mehrere Fragen gestellt. Insgesamt wollten die Hamminkelner, die den Verwaltungschef schon mehrfach intensiv befragten, Auskunft zu 13 Themen (wir berichteten).

Derzeit leben 267 Flüchtlinge – dabei handelt es sich um anerkannte Personen – und 165 Asylbewerber, also abgelehnte oder im Verfahren befindliche, in der Stadt. Letztere sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die Flüchtlinge leben vor allem in von der Stadt angemieteten Wohnungen. Die Standorte der Gemeinschaftsunterkünfte sind auf die Dörfer Hamminkeln, Ringenberg, Dingden und Mehrhoog verteilt. „Weitere Asylbewerber und Flüchtlinge können der Stadt jederzeit zugewiesen werden, da die Aufnahmequoten unter 100 Prozente liegen“, so Romanski. Er sagte, dass man vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen in Afghanistan davon ausgehen müsse, dass die Zahlen wieder steigen werden. Da sieht er die große Politik am Zug, denn eine gemeinsame europäische Strategie und Lösung „wäre absolut wünschenswert“.

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Laufende Integrationsmaßnahmen gibt es einige. Am nahe zu Hamminkeln befindlichen Berufskolleg in der Weseler Feldmark gibt es sogenannte Kombiklassen (drei Tage Schule, zwei Tage Praktikum) sowie auch Integrationsklassen für jene jungen Leute, die keinen Abschluss an der Gesamtschule in Hamminkeln schaffen. So wird versucht, für sie schulische und berufliche Perspektive zu schaffen. Für Frauen, die derzeit keinen Deutschkurs besuchen, findet ein sogenanntes niederschwelliges Sprachangebot einmal wöchentlich statt. Dazu können Kinder mitgenommen werden.

Aktuell startete in Hamminkeln zudem das Projekt von Akademie Klausenhof und VHS Wesel namens „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ im Kreis Wesel. Ziel der Landesinitiative, die in NRW mit einem Volumen von 50 Millionen Euro durch das Arbeitsministerium und das Familienministerium gefördert wird, ist es, jungen Geflüchteten ohne Bleibeperspektive im Alter von 18 bis 27 Jahren über verschiedene Angebote berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, erläuterten Eva Klabecki-Wernicke vom Kreis Wesel und Eduard Hannen, Geschäftsbereichsleiter der Akademie, in ihren Begrüßungsworten.

 Die Verantwortlichen beim Projektstart am Dingdener Klausenhof
Die Verantwortlichen beim Projektstart am Dingdener Klausenhof Foto: Stephan Brömling (Akademie Klausenhof)

Zu der Veranstaltung hatte die Akademie Klausenhof viele haupt- und ehrenamtliche Akteure eingeladen, die im Rahmen der Projektdurchführung „als Multiplikatoren auftreten und bei der Akquise von Projektteilnehmenden unterstützen können“, sagte Stefan Ening, einer der Projektkoordinatoren der Akademie Klausenhof.

Neben der Vorstellung der Projektkonzeption stand die Bildung einer Bündniskerngruppe auf der Tagesordnung. Die soll nicht nur aus den eigentlichen Projektpartnern, sondern unter anderem aus Vertretern der Kommunen, der Arbeitsagentur und Jobcenter, der Ausländerbehörden, Flüchtlingsorganisationen und der Arbeitgeber bestehen. „Sie kennen die aktuelle Situation und die Bedingungen für diese Zielgruppe in Ihren Kommunen am besten und wissen, in welchen Bereichen bestimmte Zusatzangebote und Fördermaßnahmen gezielt zu deren Unterstützung beitragen könnten. Gemeinsam können wir hier Synergien schaffen“, betonte Stefan Ening.

Ein zentraler inhaltlicher Bestandteil von „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ ist, neben dem individuellen Coaching, die Sprachförderung. „Viele Teilnehmende haben große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache“, waren sich Barbara Spannhake, Leiterin des Fachbereichs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in der Akademie Klausenhof und VHS-Direktor Andreas Brinkmann einig.

Spannhake betonte, dass Arbeitgeber grundsätzlich großes Interesse daran hätten, diese Menschen zu beschäftigen, die Deutschkenntnisse allerdings häufig nur „rudimentär“ vorhanden seien, was Arbeitsabläufe oftmals behindere und verlangsame.