Wermelskirchen: Wie Kunst mit der Straßenwalze gemacht wird

Kunstereignis in Wermelskirchen : Wenn Kunstwerke unter die Walze kommen

Neugierige Besucher in der Kattwinkelschen Fabrik ließen sich auch vom Wetter nicht abschrecken. Ausstellung läuft bis 27. Oktober.

„Normalerweise fahren wir nur auf Asphalt“, erklärte Sergej Maibach, der als Fahrer einer 1,5 Tonnen schweren Walze für die Stadt im Einsatz ist. Am Samstag jedoch kam Maibach mit seinem Gefährt eine ganz neue Aufgabe zu – in der Kattwinkelschen Fabrik in Wermelskirchen wurden damit nämlich vor Publikum Kunstdrucke angefertigt.

Erstaunt schauten die trotz schlechtem Wetter zahlreichen Besucher dabei zu, wie ein Holzschnitt nach dem anderen unter die Walze kam. Durch das Gewicht wurde die Farbe, mit der das sorgsam von den Künstlern bearbeitete Holz bestrichen worden war, auf Papier übertragen.

Heraus bei diesem ungewöhnlichen Verfahren kamen großformatige Drucke, die nun zusammen mit weiteren Werken der an der Aktion „unter_Druck“ beteiligten Künstler eine ganze Woche lang in der Katt bestaunt werden können (siehe dazu die untenstehende Infobox). Im Rahmen dieser Aktion gab es während der vergangenen Woche bereits Gelegenheit, Künstlern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

Das kleine Spektakel am Samstag stieß bei den Zuschauern auf viel Interesse und Begeisterung: „Sehr bemerkenswert und ungewöhnlich“ fand etwa ein Besucher aus Odenthal das Druckverfahren mit der Walze. „Ich bin mit dem Fahrer gemeinsam zur Schule gegangen – daher bin ich heute auch hier“, erklärte der Besucher weiter. Dass der Druck auf Grund des Regenwetters in die Halle verlegt werden musste, tat dem Enthusiasmus da auch keinen Abbruch.

Jedes Mal, wenn eine neue, frisch bedruckte Leinwand vorgezeigt wurde, brandete Applaus der Besucher auf – die Farbe war zwar nicht in allen Fällen gleichmäßig verteilt, aber stets sehr kräftig. Die Künstler waren denn auch zufrieden: „Ich bin angenehm überrascht, wie gut der Druck klappt – gerade, weil das Holz etwa durch die Feuchtigkeit teilweise verzogen ist“, sagte etwa Michael Dangel, der im Laufe seiner Künstlerkarriere auch schon an internationalen Ausstellungen teilgenommen hat. Über das Zuschaueraufkommen in der Kattwinkelschen Fabrik zeigte Dangel sich sehr erfreut: „Ich bin schon etwas überrascht, dass heute so viele gekommen sind“, sagte der Künstler.

Sichtlich stolz und froh über den Erfolg der Veranstaltung war Organisator Achim Stollberg – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass zwischen der Idee zu „unter_Druck“ und der Verwirklichung des aufwändigen Projektes gut zwei Jahre lagen. „Ich glaube nicht, dass es das bisher schon in der Region gegeben hat – gerade das Experiment mit der Walze hat schon etwas Einzigartiges“, so Stollberg.

Am Samstag wurde derweil nicht nur mit der Walze gearbeitet. Gleichzeitig setzten die Künstler auch die Arbeit an ihren Bildern und Skulpturen fort, um pünktlich zur Vernissage am Sonntag alles fertig zu stellen. Die Ausstellung nahm dabei zunehmend Gestalt an: zahlreiche Bilder hingen schon an den Wänden, einige in Farbe, viele in schwarz-weiß gehalten, und als übergreifendes Thema kristallisierte sich zunehmend das Verhältnis zwischen dem Menschen und sowohl dem Wald als auch dem Rohstoff Holz heraus.

Viele Bilder und Skulpturen zeigen menschliche Gestalten, die mit Holz- und Baummotiven verschmelzen, andere zeigen aufwändig gestaltete Waldlandschaften. Auch abstraktere Anordnungen gibt es zu sehen – so etwa Bodendruck von Daphna Koll.

Einen Höhepunkt bilden aber sicherlich die großformatigen Kunstdrucke: „Diese Bilder werden frei im Raum aufgehangen“, erklärte Achim Stollberg. Man darf also gespannt sein auf die Ausstellung, die ab Dienstag in der Katt kostenlos besucht werden kann.

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