Wermelskirchen: Ehemalige Querbacher halten Erinnerung wach

Treffen in Wermelskirchen : Querbacher halten die Erinnerung wach

Jedes Jahr im Herbst treffen sich die aus Querbach Geflüchteten und ihre Nachfahren, Freunde und Verwandten – am Samstag zum 55. Mal seit der Übernahme der Patenschaft für die Querbacher durch die Stadt 1964.

Als Brücke über den Dorfbach diente einst ein großer, flacher Naturstein, sogar Pferdefuhrwerke nutzten diesen Überweg – so jedenfalls weiß es Renate Kutzer aus den Erzählungen ihrer Familie über das Dorf Querbach in Niederschlesien. Jochen Birk, langjähriger Schriftführer der Querbacher Heimatgruppe und passionierter Chronist, schaut sogleich in seinen Unterlagen nach und kann bestätigen: Den Überweg gab es tatsächlich.

Jedes Jahr im Herbst treffen die aus Querbach Geflüchteten und ihre Nachfahren, Freunde und Verwandten sich in Wermelskirchen – am Samstag zum 55. Mal seit der Übernahme der Patenschaft für die Querbacher durch die Stadt Wermelskirchen im Jahr 1964. Im Bürgerzentrum gab es ein Mittagessen, den kürzlich Verstorbenen wurde eine Gedenkminute gewidmet, zwei Tanzruppen traten auf, und am Paschtisch gab es eine Vielzahl von Preisen zu gewinnen. Am Wichtigsten war jedoch das Beisammensein: Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, Erinnerungen austauschen und ihre Beziehungen zu pflegen und zu vertiefen – ein „Freundschafts- und Verwandtschaftstreffen“, wie Renate Kutzer sagte.

Wie Jochen Birk zu berichten wusste, begann der Austausch zwischen den Querbachern bereits lange vor 1964: „Lehrer Görlitz, der in Querbach noch unterrichtet hatte, organisierte 1948 in Witzhelden das erste Treffen“, so Birk. Später gab es Treffen in Burscheid und Dhünn, wobei es oft hoch her ging – die Anwesenden waren jung und zahlreich. Eine Wermelskirchenerin, deren Ehemann aus Querbach stammte, erinnert sich: „Wir kamen den Hügel bei Dhünn abends noch herauf, aber Nachts schafften wir es oft nicht mehr hinunter“. Ganz so lebhaft geht es heute nicht mehr zu – aber trotzdem bemühen sich die noch lebenden Querbacher, den Kontakt untereinander zu erhalten. Treffen der Querbacher Heimatgruppe finden in Wermelskirchen darum monatlich statt.

Bürgermeister Rainer Bleek, der selbst aus Querbach stammende Verwandte hat, war derweil im Bürgerzentrum zugegen: „Zwei meiner Tanten und ein Onkel, mittlerweile über 80 Jahre alt, mussten Querbach verlassen, als sie fünf bis zehn Jahre alt waren“, sagte Bleek. Ausführlich berichtete der Bürgermeister auch über die letzte Fahrt nach Querbach: „In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges dort verändert – viele Stellen sind kaum noch wiederzuerkennen“. Für das Jahr 2020 ist bereits die nächste Fahrt nach Schlesien geplant.

(fre)
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