Wermelskirchen: Keine Angst vor dem Tabuthema Tod

Vortrag Dr. Uwe Junker : Keine Angst vorm Tabuthema Tod

Dr. Uwe Junkers referierte vor vollem Haus über Entscheidungen am Lebensende. Seine klare Botschaft: „Egal, wie alt sie sind: Verfassen Sie eine Vorsorgevollmacht.“

Er beginnt mit einem Witz. Und das ist auch gut so. Denn als Dr. Uwe Junker im Bestattungshaus Andriessen erzählt, ein Patient habe scherzhaft gesagt, er wisse nicht, ob er noch der richtige Arzt für ihn sei, wenn er nun schon Vorträge im Bestattungshaus halte, da lacht das Publikum. Und der unsichtbare Bann zwischen Bühne und Zuhörern bricht. Warum der Remscheider Arzt gerade im Bestattungshaus zu Gast ist, um über Entscheidungen am Ende des Lebens zu sprechen, erklärt Udo Andriessen selbst. Es gebe immer wieder Situationen in Gesprächen, in denen Fragen offen bleiben. „Weil ich die Antwort nicht kenne“, sagt Andriessen. Und weil er sich für die Angehörigen aber gerade in diesen Grenzsituationen Antworten wünscht, lädt er Experten ein. In diesem Jahr ist es Dr. Uwe Junker, der von seinem Alltag auf der Intensivstation berichtet, aber dabei wesentliche Fragen rund um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht beantwortet. Das Interesse ist so groß, das Andriessen einen zweiten Termin ermöglicht hat, um niemanden abweisen zu müssen. Junker hat am Sana-Klinikum das klinische Ethikkomitee mit aufgebaut. Er weiß, wovon er spricht. Er kennt die Momente, in denen Ärzte, Pfleger und Angehörige entscheiden, welche Therapiemaßnahmen ein todkranker Mensch noch erhält. Er kennt die Nöte und Emotionen – und vor allem kennt er die medizinischen Möglichkeiten und die juristischen Rahmenbedingungen. Das oberste Gebot: die Autonomie des Patienten beachten. Aber weil der im Notfall häufig nicht mehr seinen Wunsch äußern könne, seien Vorkehrungen wichtig. Seine klare Botschaft lautet: „Egal, wie alt sie sind: Verfassen Sie eine Vorsorgevollmacht.“ Darin berechtigen Menschen einen ihrer Angehörigen, im Notfall zu entscheiden. Dass Angehörige dann in den entscheidenden Momenten eine große Aufgabe haben, weiß der Mediziner. Vor allem kranken Menschen empfiehlt er die Patientenverfügung. „Wichtig ist es, differenzierte Angaben aufzuschreiben“, sagt er und empfiehlt die ärztliche Beratung. Es reiche nicht zu fordern, dass man nicht an Maschinen angeschlossen werden wolle. „Die Situation muss so konkret wie möglich geschildert werden“, sagt Junker, „nur dann, kann sie auch beachtet werden.“ Und damit Notärzte, die hinzugerufen werden rechtzeitig von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung erfahren, empfiehlt der Arzt einen „Ethischen Notfallbrief“, der etwa auf dem Wohnzimmertisch über vorliegenden Dokumente und Entscheidungen informiert. Vorlagen gibt es etwa bei der Bundesärztekammer.

Was bei vielen der Zuhörer weniger bekannt ist: In vielen Krankenhäusern kann ein Ethikkomitee zu Rate gerufen werden – auch in Pflegeeinrichtungen kann um ethische Fallbesprechungen gebeten werden. Auch moderierte Familienkonferenzen sind möglich. Die Fachleute geben dann nach gründlicher und methodischer Beratung eine Empfehlung für die Entscheidung.

(resa)